Feuer der Respektlosigkeit

Mythologie mal anders
© SF / Monika Rittershaus
Im Vergleich zum Mythos rund um den Sänger Orpheus stellt sich die Ausgangssituation in Offenbachs Orpheus in der Unterwelt »geringfügig« anders dar: Eurydike, die hier zentrale Figur, hasst die durch ihren Gemahl personifizierte Musik. Und Orpheus selbst ist nicht mehr als ein kleiner, fader Musiklehrer aus Theben; Aristaeus alias Pluto, der göttliche Ver- und Entführer, ist ein schauspielernder Honighändler und Jupiter, der »Vater der Götter«, ein geiler Bock, unablässig auf der Pirsch.

Der geheimnisumwitterte John Styx erzählt die Geschichte vom verzopften Orpheus und seiner genervten Eurydike, von Göttinnen und Göttern auf der Suche nach Zerstreuung, angeödet vom Alltag im Olymp. Brennend vor Neugier auf die schöne Entführte und den Wettstreit zwischen Jupiter und Pluto um Eurydikes Gunst, begibt sich die illustre Gesellschaft auf einen Höllenritt in die Unterwelt, der im wohl bekanntesten Cancan der Musikgeschichte gipfelt. Und Eurydike? – Sie macht schließlich allen einen Strich durch die Rechnung …

Regisseur Barrie Kosky entfacht gemeinsam mit Otto Pichlers sinnlich-absurder Choreographie, Rufus Didwiszus’ wandelbaren Bühnenräumen und Victoria Behrs »pariserisch« angehauchten Kostümen Offenbachs »Feuer der Respektlosigkeit« (Émile Zola) von Neuem. »Max Hopp als synchronsprechender John Styx ist eine hervorragende Besetzung – genauso wunderbar eigenartig wie die Produktion selbst.« [THE NEW YORK TIMES]
Orpheus in der Unterwelt
Operette von Jacques Offenbach