Wenn unerfüllte Liebe zur Musik wird

Zemlinsky und Dvorak im Sinfoniekonzert
Daniel Müller-Schott © Uwe Arens
Hans Christian Andersens berühmte Geschichte von der kleinen Meerjungfrau erzählt vom Missglücken der Liebe zweier grundverschiedener Geschöpfe: der im Wasser lebenden Nixe und des auf dem Lande wandelnden Prinzen. Trotz aller Warnungen folgt die kleine Meerjungfrau dem Prinzen, opfert ihr ureigenes Wesen, indem sie ihren fischartigen Unterleib gegen Beine eintauscht und dafür sogar mit ihrer Stimme bezahlt. Die aus Liebe vollzogene Selbstaufgabe muss schließlich tragisch enden.

Groß war die Liebe, die Alexander von Zemlinsky für seine acht Jahre jüngere Schülerin Alma Schindler empfand. Doch deren Leidenschaft für den kleinwüchsigen, wenig attraktiven Komponisten kühlte schnell ab. Kurz darauf lernte sie Gustav Mahler kennen. Sie gab Zemlinsky den Laufpass und heiratete Mahler. Wenige Tage vor deren Hochzeit in der Wiener Karlskirche hatte Zemlinsky mit der Arbeit an einer »Fantasie in drei Sätzen« nach Andersens Meerjungfrau begonnen, mit der er die traumatische Zurückweisung Almas zugunsten des geschätzten Komponistenkollegen zu verarbeiten suchte. Tatsächlich folgt das Werk nur bedingt dem Handlungsverlauf des Märchens, sondern ist vielmehr ein klangvolles Gemälde an Stimmungen und Farben. Das sehnsuchtsvolle Thema der Titelheldin übergibt Zemlinsky dabei der Solovioline.

Wenn Antonín Dvořák im Mittelsatz seines berühmten Cellokonzerts die Lieblingsmelodie seiner unerfüllten Jugendliebe, Josefina Čermáková, verarbeitet, von deren Tod er während der Komposition erfahren hatte, so ist das vielleicht etwas weniger bedeutungsvoll als Zemlinskys Selbsttherapie. Gleichwohl verbindet die beiden in vielerlei Hinsicht grundverschiedenen Romantiker Dvořák und Zemlinsky die musikalische Verarbeitung eines persönlich empfundenen Schmerzens – zu hören und emotional mitzuerleben im 5. Sinfoniekonzert dieser Spielzeit!

Sinfoniekonzert 5

Fr, 18. Februar 2022, 20 Uhr

Dirigent Axel Kober
Solist Daniel Müller-Schott, Violoncello

Antonín Dvořák Konzert für Violoncello und Orchester h-Moll op. 104
Alexander Zemlinsky Die Seejungfrau, Fantasie in drei Sätzen nach einem Märchen von Andersen

Mahr dazu