Die Praline danach

Seit mehr als zehn Jahren bietet die Bärenkugel einen genussvollen und besonderen Abschluss für einen gelungenen Opernabend. In der Praline von Sawade spiegelt sich der gleiche Geist, den jede Aufführung auf der Bühne begleitet: sich etwas Außergewöhnliches im Alltäglichen gönnen. Im Interview spricht Melanie Hübel, Marketingleitung Sawade Berlin, über traditionelle Handwerkskunst, Pralinen-Experimente und die Partnerschaft als Mäzen mit der Komischen Oper Berlin.
Nach gelungenem Opern-Genuss machen die Sawade Pralinen am Ausgang der Komischen Oper Berlin seit nun schon zehn Jahren den Abschied etwas süßer. Was ist das Besondere an Sawade-Pralinen?

Melanie Hübel: Sawade ist Berlins älteste Pralinenmanufaktur mit einem besonderen Traditionsanspruch: unsere Pralinen und Trüffel werden von Hand gefertigt, ohne chemische Konservierungsstoffe und Palmöl. Deshalb können sie nicht lange gelagert werden und man genießt sie frisch am besten.
Um die Tradition von Sawade zu wahren, setzen sie bewusst auf Handwerkskunst?

Melanie Hübel: Das Handwerk ist wichtig für die Qualität von Pralinen. Die Berufsbezeichnung war früher klangvoller. Gelernte Konfektmacher stellten die Pralinen her und verzierten sie, heute heißt der Lehrberuf 'Süßwarentechnolog:in'. Für einige Arbeitsschritte nutzen wir heute Maschinen, etwa einen Schokoladenwasserfall zum Übergießen. Wir schichten und setzen auch die Ganaches dagegen händisch an. Auch die Dekore zeichnen wir in unserer Manufaktur von Hand. Das macht unsere Pralinen individuell, weil sie nicht alle gleich aussehen – ähnlich wie eine Opernaufführung, die sich jedes Mal etwas anders anhören kann.

Sawade – Pralinen und Trüffel seit 1880


Sawade ist die älteste Pralinenmanufaktur Berlins und stellt ihre Produkte täglich frisch in Berlin her. Seit zehn Jahren unterstützt Sawade als Mäzen die Komische Oper Berlin und sorgt dafür, dass wir unsere Besucher:innen nach der Vorstellung auf ganz besondere Weise verabschieden können.

Sie fertigen also Einzelstücke in Serie ... so wie die Komische Oper Berlin Neuproduktionen?

Melanie Hübel: Jede Praline muss eigentlich ein kleines Fest sein, wie eine Art Mini-Törtchen. Ein eine gute Praline ist für mich ein perfektes Zusammenspiel aus ihrem Anblick mit Dekor und Verzierung und dem Arrangement von Zutaten und Aromen, die alle Sinne ansprechen und begeistern. Und das kann ich sehr gut auf einen Abend in der Komischen Oper Berlin übertragen, den ich von der ersten bis zur letzten Minute genieße. Um dem Publikum nach einem schönen Opernabend mit Freunden oder Familie eine süßen Abschluss zu bieten haben wir die Bärenkugel entworfen. Ich finde das eine sehr schöne und wertvolle Geste. Dass diese Geste einen guten Eindruck hinterlässt, merken wir in unseren Pralinengeschäften: immer wieder berichten uns Kund:innen, dass sie uns aus der Komischen Oper Berlin kennen.

Nach gelungenem Opern-Genuss machen die Sawade Pralinen am Ausgang der Komischen Oper Berlin seit nun schon zehn Jahren den Abschied etwas süßer. Unterstützen Sie deshalb die Komische Oper Berlin, weil ihnen der Genuss mit allen Sinnen wichtig ist?

Melanie Hübel: Ja, vielleicht. Aber mehr noch, weil mich der Grundgedanke »Eine für alle« sehr anspricht. Das spricht für eine große Offenheit und Vielfalt, die die Komische Oper Berlin bietet. Diesen Geist kann ich auch auf unsere Pralinen übertragen: Aus meiner Sicht hat es die Komische Oper Berlin in den vergangenen Jahr im besten Sinn geschafft, besonders und trotzdem alltäglich zu sein. Damit meine ich, dass ein Opernabend immer ein besonderes Ereignis ist, aber es die Komische Oper Berlin so einfach und alltäglich macht, dass ich mich entscheiden kann, ob ich ins Kino oder doch lieber in die Oper gehe. Ich denke, dass vielen das am Herzen liegt, nach Erlebnissen zu suchen, die außergewöhnlich und besonders sind – und dennoch einfach eigenen Alltag hinein passen. So sind auch unsere Pralinen: eine Möglichkeit, sich etwas Außergewöhnliches zu gönnen, nicht nur einmal im Jahr.
Melanie Hübel, Marketingleitung Sawade Berlin
Eine Operninszenierung ist ein komplexer Prozess von der Konzeption bis zu Premiere. Wie aufwendig ist die Kreation einer neuen Praline bei Sawade?

Melanie Hübel: Eine neue Praline ist ein ähnlich komplexer Prozess, auch wenn wenn weniger Menschen daran beteiligt sind. Ungefähr ein Jahr dauert die Entwicklung – angefangen von der Idee oder Inspiration bis hin zum fertigen Produkt. Dabei orientieren wir uns weniger an aktuellen Trends, sondern versuchen auf Wünsche unserer Kund:innen einzugehen. Das kann eine bestimmte Pralinenform oder eine Geschmacksrichtung sein. Am Anfang wird dann erstmal in unserer Küche experimentiert. Da kombinieren wir Geschmacksintensitäten und Aromen, probieren, wie sie miteinander agieren. Dann stellt man vielleicht fest, dass eine bestimmte Geschmacksrichtung nur mit einer bestimmten Kuvertüre zusammenpasst. Und schaut, mit welchem 'Biss' der Geschmack am schönsten harmoniert – eher knusprig oder vielleicht besser schmelzend?

Und dann folgt ein erster Probelauf wie bei einer Inszenierung?

Melanie Hübel: Nach der experimentellen, spielerischen Phase, in der wir zwei oder drei Rezepturen entwickelt haben, folgt ein sehr ernsthafter Prozess. Denn eine Rezeptur für eine Praline muss sich auch in der seriellen Herstellung beweisen. Bevor wir ein neues Produkt an unsere Kund:innen verkaufen, muss es zudem Lager- und Labortests bestehen. Erst dann findet eine neue Praline ihren Weg in den Verkauf.
Welche Trends haben Sie in Ihre Produkte aufgenommen?

Melanie Hübel: Knusprige Texturen mit Bruch in Pralinen ist gefragt, vor allem im Herbst und Winter. Ein echter Trend, der sich abgezeichnet, ist der Wunsch nach gemäßigter Süße und weniger Zucker. Unsere Pralinen enthalten an sich schon weniger Süße als die anderer Hersteller. Gerade experimentieren wir aber zudem mit zuckerfreiem Marzipan. Auch gab es gezielt Kundenwünsche nach mehr Frucht. Deshalb haben wir unser Sortiment um Trüffel Sorten wie Yuzu-Limette, Holunderblüte, Himbeer-Lakritz und Erdbeer-Joghurt in den vergangenen Jahren ergänzt. Wir bleiben dabei im traditionellem Rahmen unserer Manufaktur und ihrer Geschichte. So interessant Experimente mit Chili oder Aromen von Mozzarella und Salami in Kombination mit Schokolade sein mögen, das ist nicht unsere 'DNA'. Wir stehen für frische und traditionelle Pralinen und Trüffel.

Mehr dazu

15. Juni 2026
»Eine Gratwanderung aus nostalgischem Schmelz, schräger Persiflage und melodramatischen Tönen: Axel Ranischs Revue ist eine Umarmung der DDR-Musik, die seinem begeisterten künstlerischen Naturell entspricht. Eine Verklärung ist sie aber nicht. Die Nostalgie, die einen beim Anblick der Sixties-Hotpants des Balletts befällt, die ist kein exklusives DDR-Gefühl, sie ist in dieser abgründigen Retroshow universell.«
Gunda Bartels, Der Tagesspiegel, 15.06.2026
Revue »Mokka-Hits und Milchbar-Träume«: Die Komische Oper lässt die DDR klingen und klirren

#KOBMokkaHits
15. Juni 2026
»Der Soundtrack der DDR… hinreißend arrangiert, inszeniert und choreografiert. Und die Solisten geben alles, allen voran Gisa Flake und Maria-Danaé Bansen, die schon im »Messeschlager Gisela« brillierten. Aber werden auch die »Mokka-Hits« ein Sommerschlager? Darüber wird nach der Uraufführung noch vor Ort kräftig diskutiert. Aber genau das hatten Ranisch und Benzwi mit ihrer Revue ja im Sinn.«
Peter Zander, Berliner Morgenpost, 15.06.2026
Der Soundtrack der DDR: »Mokka-Hits und Milchbar-Träume«

#KOBMokkaHits
15. Juni 2026
Dieser Revue gelingt etwas Seltenes: die Unbeschwertheit der Hits zu feiern als die Version eines besseren Deutschlands. Und zugleich zu zeigen, dass die Realität anders aussah…

Maria-Danaé Bansen mit göriger Energie, Mirka Wagner mit Jubel-Höhen und Johannes Dunz mit Tenor-Schmelz, Nico Holonics fügt allem eine gute Prise Lebenshunger hinzu. Alfred Mayerhofer findet für jede Epoche neue sprechende Kostüme zwischen Pettycoat und Staubmantel, sehr kurzen Hosen und Einheits-Jeans, Biederkeit und Glamour.

Musikalisch hat Benzwi den Abend souverän im Griff. Was dieser Mann anfasst, wird zu Gold, ob an der Komischen Oper oder am Berliner Ensemble. Auch hier hat er sehr feine Arrangements geschaffen, lässt den Chor strahlen, entlockt dem Orchester kraftvolle Bigband-Farben, begleitet die delikatesten Momente allein am Klavier. So veredelt er auch harmlosere Ohrwürmer wie das titelgebende »In der Mokka-Milch-Eisbar« und »Heißer Sommer«. Viele Nummern aber gibt es, die einen unmittelbar anrühren in ihrer Sehnsucht, weil die Texte von heute sein könnten…

Der Abend beginnt und endet leise, nachdenklich. »Mokka-Hits und Milchbar-Träume« verneigen sich tief vor der künstlerischen Leistung, weinen aber in einer Zeit, in der die AfD die DDR zum Vorbild für ganz Deutschland erheben will, dem untergegangenen Staat keine Träne nach.
Georg Kasch, Die Deutsche Bühne, 15.06.2026
Heiteres aus 40 Jahren DDR

#KOBMokkaHits
12. Juni 2026
Es ist ein politischer Abend geworden – ein Abend, der hoffentlich sehr viel mit unserer heutigen Zeit zu tun hat. Adam Benzwi und ich haben uns bei allen Texten, bei allen Musikstücken immer gefragt: Welche Bögen können wir ins Heute schlagen? Mokka-Hits und Milchbar-Träume bringt deutsch-deutsche Geschichte auf die Bühne – als einen Abend, der unterhaltend ist, aber auch nachdenklich macht mit einer Prise Melancholie.
#KOBMokkaHits