Frischer Wind für ein viel geschmähtes Blasinstrument

Nein, sie hat kein gutes Image! Da kann ihr Erfinder, der Musikinstrumentenhersteller Hohner, noch so sehr ihre Vorzüge anpreisen und darauf verweisen, dass sie »die Vorteile eines Blasinstruments mit dem Notenaufbau eines Piano-Akkordeons« kombiniert, was sie »zu einem beliebten Anfängerinstrument« mache. Die Rede ist von der in den 1950er Jahren erfundenen Melodica. Dabei haben sogar Popbands wie UB40 oder Depeche Mode das »uncoole« Instrument in einigen ihrer Stücke verwendet. Und The Hooters (zu Deutsch: die Hupen) haben sich geradewegs nach ihrem Markenzeichen – eben der Melodica – benannt!

Vielleicht ist gerade der Ruf eines Anfängerinstruments – ähnlich wie bei der Blockflöte – am schlechten Image der Melodica schuld!? Der finnische Jazzpianist Iiro Rantala hat das ungeliebte Instrument zum Titel seiner für die Komische Oper Berlin geschriebenen neuen Kinderoper gemacht: Die Zaubermelodika (mit k! Schließlich ist sie nicht von Hohner!) erzählt als Fortsetzung von Mozarts Zauberflöte, wie sich der allseits ungeliebte Monostatos am Ende als wahrer Held erweist. Dass er eine Melodika als Zauberinstrument erhält, stößt zunächst allerdings auch bei ihm nicht auf Begeisterung. Aber oftmals täuscht eben der erste, rein äußerliche Eindruck. »Zaubern ist lustig, Zaubern ist schön«, heißt es in der Oper. »Zaubern kann jeder im Handumdrehn!« Und weiter: »Du musst nur fest daran glauben! Du musst nur feste blasen.« Na dann: Geben wir der Melodica noch eine Chance!
Die Zaubermelodika
Kinderoper von Iiro Rantala