The ultimate queer Sci-Fi hybrid Grand opéra!
Orlando
Olga Neuwirth
Deutsche Erstaufführung
Stellen Sie sich vor, Sie wären unsterblich und könnten über vier Jahrhunderte Geschichte selbst erleben! Als Mann. Und dann als Frau.
Der junge englische Adelige Orlando wird als Favorit der Königin Elisabeth I. mit Orden und Gütern beschenkt und altert fortan nicht mehr. Nach einem unerfüllten Liebesabenteuer mit der schönen Russin Sasha zieht Orlando sich zurück und beschließt, Dichter zu werden. Abermals enttäuscht, lässt sich Orlando als Botschafter in ein fernes Kriegsgebiet versetzen, wo er eines Tages aus einem tranceartigen Schlaf als Frau erwacht. Auf der Suche nach Freiheit schreitet Orlando durch Jahrhunderte der patriarchalischen Ordnung, erlebt barocke Dekadenz, viktorianische Moral, zahlreiche Kriege und den Anbruch des digitalen Zeitalters. Orlandos nichtbinäres Kind verkörpert die Idee der fließenden Identität und stellt schließlich jede Dualität infrage. Als Dichter:in schreibt Orlando gegen Simplifizierung und Populismus an und konfiguriert als Zeitreisende:r das Jetzt immer wieder neu.
Der junge englische Adelige Orlando wird als Favorit der Königin Elisabeth I. mit Orden und Gütern beschenkt und altert fortan nicht mehr. Nach einem unerfüllten Liebesabenteuer mit der schönen Russin Sasha zieht Orlando sich zurück und beschließt, Dichter zu werden. Abermals enttäuscht, lässt sich Orlando als Botschafter in ein fernes Kriegsgebiet versetzen, wo er eines Tages aus einem tranceartigen Schlaf als Frau erwacht. Auf der Suche nach Freiheit schreitet Orlando durch Jahrhunderte der patriarchalischen Ordnung, erlebt barocke Dekadenz, viktorianische Moral, zahlreiche Kriege und den Anbruch des digitalen Zeitalters. Orlandos nichtbinäres Kind verkörpert die Idee der fließenden Identität und stellt schließlich jede Dualität infrage. Als Dichter:in schreibt Orlando gegen Simplifizierung und Populismus an und konfiguriert als Zeitreisende:r das Jetzt immer wieder neu.
Virginia Woolf widmete ihren visionären Roman Orlando 1928 ihrer Geliebten Vita Sackville-West. Mit der 2019 uraufgeführten Oper Orlando setzt die österreichische Komponistin Olga Neuwirth die fiktive Biografie in ihre Gegenwart fort und begibt sich selbst auf eine musikalische Zeitreise von Madrigal bis Elektronik. Regisseurin Ewelina Marciniak bringt das kaleidoskopische Werk über die Fluidität von Zeit, Stil und Geschlechterrollen in dieser Neuproduktion der Komischen Oper Berlin erstmals auf eine deutsche Bühne.
I
England, im Jahr 1598. Orlando ist 16 Jahre alt, Schöngeist und Spross alten Adels. Seiner militärischen Erziehung zieht er Einsamkeit und Bücher vor. Wie alle jungen Dichter schreibt Orlando über die Natur, über grünes Gras und Eichenbäume.
II
Trompeten künden die Ankunft von Königin Elisabeth I. Die alternde, kinderlose und von den Pocken gezeichnete Herrscherin bestaunt Orlandos prächtige Beine und liebt seine Jugend. Sie macht ihn zum Ritter des Hosenbandordens, küsst und beschenkt ihn mit Gütern, ehe sie stirbt.
III
Anfang des 17. Jahrhunderts lässt der Große Frost die Themse zufrieren. Auf dem Eis verliebt sich Orlando in die russische Prinzessin Sasha, vergisst seine Verlobte und will mit Sasha durchbrennen. Doch die schöne Moskowiterin lässt Orlando im Regen stehen. Als es taut und er sieht, wie das russische Schiff ablegt, bricht für Orlando eine Welt zusammen.
England, im Jahr 1598. Orlando ist 16 Jahre alt, Schöngeist und Spross alten Adels. Seiner militärischen Erziehung zieht er Einsamkeit und Bücher vor. Wie alle jungen Dichter schreibt Orlando über die Natur, über grünes Gras und Eichenbäume.
II
Trompeten künden die Ankunft von Königin Elisabeth I. Die alternde, kinderlose und von den Pocken gezeichnete Herrscherin bestaunt Orlandos prächtige Beine und liebt seine Jugend. Sie macht ihn zum Ritter des Hosenbandordens, küsst und beschenkt ihn mit Gütern, ehe sie stirbt.
III
Anfang des 17. Jahrhunderts lässt der Große Frost die Themse zufrieren. Auf dem Eis verliebt sich Orlando in die russische Prinzessin Sasha, vergisst seine Verlobte und will mit Sasha durchbrennen. Doch die schöne Moskowiterin lässt Orlando im Regen stehen. Als es taut und er sieht, wie das russische Schiff ablegt, bricht für Orlando eine Welt zusammen.
IV
Zurückgezogen auf sein Landgut, fällt Orlando in einen todesähnlichen Schlaf. Ärzte versuchen vergeblich, ihn mit dubiosen Methoden zu kurieren. Am siebenten Tag erwacht Orlando fest entschlossen, ab jetzt ganz Dichter sein zu wollen: Sein Werk soll den Titel The Oak Tree tragen. Er lädt den Schriftsteller Nicholas Greene ein, um sich mit ihm über Dichtkunst auszutauschen. Greene, borniert und selbstgefällig, nimmt Orlandos Geld, verreißt dessen Dichtung aber öffentlich.
V
Abermals enttäuscht, kehrt Orlando England den Rücken und lässt sich als Botschafter in ein möglichst weit entferntes Land entsenden. Inmitten heftiger Kriegswirren fällt Orlando erneut in einen einwöchigen Schlaf.
VI
Die drei Schwestern Keuschheit, Reinheit und Bescheidenheit versuchen zu verbergen, zu verschleiern und zu verhüllen, doch die Wahrheit bricht sich Bahn:
VII
Orlando erwacht als Frau. Ohne Zweifel. Orlando hat das Geschlecht gewechselt, ist sonst jedoch ganz dieselbe Person geblieben.
VIII
Orlando besteigt ein Schiff zurück nach England, kehrt als Frau in ihre Heimat zurück und bemerkt die Blicke der Männer auf ihrem Körper.
IX
England, 1719. Orlando strebt nach einer Karriere als Dichterin. Sie lädt die bedeutenden Schriftsteller Pope, Dryden und Addison zum Tee, bleibt als Frau jedoch von ihren Gesprächen ausgeschlossen. Ein aufdringlicher Herzog macht ihr einen Heiratsantrag – Nein, danke.
X
19. Jahrhundert. Orlando beobachtet, wie das Familienideal des viktorianischen Zeitalters zur Unterdrückung von Frauen und zu sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Kinder führt. Sie beschließt, dagegen zu schreiben, um das Erzählen der Geschichte nicht den Männern zu überlassen.
XI
1917. Orlando kann sich nicht vorstellen, jemals zu heiraten, bis sie den Kriegsberichterstatter Shelmerdine trifft. Mit ihm wird sie ein Kind bekommen.
XII
Orlando und Shelmerdine heiraten, die Kriege und Gräuel nehmen jedoch kein Ende.
XIII
Die 68er-Bewegung rebelliert und kämpft für Frieden, Bürger- und Frauenrechte.
XIV
1989. Das digitale Zeitalter hat begonnen. Orlando schreibt, obwohl Kritiker ihr das Talent absprechen. Zufällig trifft sie Greene wieder, der inzwischen ein mächtiger Verleger ist.
XV
Greene lehnt The Oak Tree ab. Das Werk sei zu kompliziert, es müsse vereinfacht werden, doch das kommt für Orlando nicht in Frage.
XVI
Kapitalismus und Konsum: Supermarkt-Kassiererinnen arbeiten im Akkord. Orlandos Kind ist mittlerweile erwachsen und macht sich als nonbinary Künstler:in für sexuelle Freiheit und körperliche Selbstbestimmung stark.
XVII
Auch die Gegenkräfte werden stärker: Ein Mob aus Mutanten ruft Parolen, die Orlando zutiefst verstören. Sie glaubt, in der wütenden Masse Menschen aus ihrer Vergangenheit wiederzuerkennen, jedoch entstellt durch Hass und Desinformation.
XVIII
Die Gegenwart ist angebrochen. Orlando blickt in eine ungewisse Zukunft.
XIX
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft lösen sich auf. Orlando schreibt und wird weiterschreiben, um ihre Geschichte zu teilen, um Widerstand zu leisten, gegen Vorurteile und für Freiheit und Humanität. Auch die Gegenkräfte werden stärker: Ein Mob aus Mutanten ruft Parolen, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft lösen sich auf. Orlando schreibt und wird weiterschreiben, um ihre Geschichte zu teilen, um Widerstand zu leisten, gegen Vorurteile und für Freiheit und Humanität.
Eine fiktive musikalische Biografie [2019]
Libretto von Catherine Filloux und Olga Neuwirth
nach dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf
Libretto von Catherine Filloux und Olga Neuwirth
nach dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf
Premiere am 16. Mai 2026
Empfohlen ab Klasse 9
Englisch
2 h 50 min inkl. Pause
30 min vor jeder Vorstellung findet eine Stückeinführung im Foyer statt (außer vor Premieren, Kinderopern, konzertanten Aufführungen, Silvester- und Sonderveranstaltungen)
Die Inszenierung thematisiert Krieg und sexualisierte Gewalt gegen Kinder.
Am 26. Mai findet unter dem Titel »Dazwischen und Außerhalb« eine Soiree zum Phänomen Orlando statt.
Die Inszenierung thematisiert Krieg und sexualisierte Gewalt gegen Kinder.
Am 26. Mai findet unter dem Titel »Dazwischen und Außerhalb« eine Soiree zum Phänomen Orlando statt.
#KOBOrlando
17. Mai 2026
So überzeugend Alma Sadé als Erzählerin fungiert, schreitet Ema Nikolovska als Orlando mit imponierender Sicherheit alle vokalen Dimensionen ihrer Rolle aus! Die beiden führen ein Ensemble an, das sich für diese Produktion vehement ins Zeug legt. Herausragend: der Counter Eric Jurenas als Schutzengel, Anna Nekhames als Sasha, Günter Papendell als Shelmerdine bzw. Greene und als Putto der Tölzer Knabenchor Solist Benedikt Siewert und natürlich non-binary Performer Kevin(a) Taylor als Orlandos (kämpferisches) Kind.
Joachim Lange, NMZ, 17.05.2026
Im Klangwunderland – Olga Neuwirths »Orlando« an der Komischen Oper Berlin
Im Klangwunderland – Olga Neuwirths »Orlando« an der Komischen Oper Berlin
#KOBOrlando
17. Mai 2026
Unter Dirigent Johannes Kalitzke, ohnehin einer der kompetentesten Fachleute für Gegenwartsmusik, wird das Stück spürbar schneller gespielt als unter Matthias Pintscher in Wien. Das macht die Erzählsause noch atemloser, dennoch bekommt der Hörer mehr Luft – ein musikalisches Interpretationsparadox!
Die Regisseurin Ewelina Marciniak lässt der Choreografie von Agnieszka Kryst viel Raum, und noch mehr den beiden vorzüglichen Hauptdarstellerinnen des Abends: Alma Sadé als Erzählerin und Ema Nikolovska in der Titelrolle des beziehungsweise der Orlando. Ihre Tessitur ist enorm, beginnend mit einem männlich tiefliegenden »I am alone«, um im Lauf der Oper nicht nur höher und »weiblicher« zu steigen, sondern auch in intensive Deklamation und artistisches Flackern auszuschlagen. Dabei ist Nikolovska kein(e) ätherische(r) Orlando wie Tilda Swinton in Sally Potters bekannter Romanverfilmung von 1992, sondern eine bodenständige, manchmal fast burschikose Bühnenerscheinung, quasi grundtonsicher im bodenlos grundtonfreien Raum.
Neuwirths lustvoll eklektizistische Partitur ist grundlegend out of tune, abrupt die stilistischen Schnitte, schichtenreich die musikalische Collage: Das alles wird von Sängern und Riesenorchester mit Bravour absolviert.
Die Regisseurin Ewelina Marciniak lässt der Choreografie von Agnieszka Kryst viel Raum, und noch mehr den beiden vorzüglichen Hauptdarstellerinnen des Abends: Alma Sadé als Erzählerin und Ema Nikolovska in der Titelrolle des beziehungsweise der Orlando. Ihre Tessitur ist enorm, beginnend mit einem männlich tiefliegenden »I am alone«, um im Lauf der Oper nicht nur höher und »weiblicher« zu steigen, sondern auch in intensive Deklamation und artistisches Flackern auszuschlagen. Dabei ist Nikolovska kein(e) ätherische(r) Orlando wie Tilda Swinton in Sally Potters bekannter Romanverfilmung von 1992, sondern eine bodenständige, manchmal fast burschikose Bühnenerscheinung, quasi grundtonsicher im bodenlos grundtonfreien Raum.
Neuwirths lustvoll eklektizistische Partitur ist grundlegend out of tune, abrupt die stilistischen Schnitte, schichtenreich die musikalische Collage: Das alles wird von Sängern und Riesenorchester mit Bravour absolviert.
Albrecht Selge, Nachtkritik, 17.05.2026
Binär ins Offene
Binär ins Offene
#KOBOrlando
17. Mai 2026
Zwischen Baum und Boxsack, Naturbild und Projektion, höfischer Pose und futuristischem Krach sucht Olga Neuwirths »Orlando« an der Komischen Oper Berlin nach einer Form, in der nichts einfach nur es selbst bleibt. Die Wahrhaftigkeit dieses Abends liegt gerade in diesen Reibungen.
Aus Woolfs fantastischer Erzählung wird ein bewegliches Musiktheater aus Übergängen, Spiegelungen und historischen Schichten. Orlando erscheint darin immer neu, weil sich verändert, was sich in dieser Figur spiegelt. Die Berliner Inszenierung setzt das mit sichtbarer Energie um.
Regisseurin Ewelina Marciniak scheut weder Überzeichnung noch Bruch und findet darin immer wieder präzise Momente… in denen die vielen Ebenen nicht bloß nebeneinanderstehen, sondern sich gegenseitig schärfen.
Aus Woolfs fantastischer Erzählung wird ein bewegliches Musiktheater aus Übergängen, Spiegelungen und historischen Schichten. Orlando erscheint darin immer neu, weil sich verändert, was sich in dieser Figur spiegelt. Die Berliner Inszenierung setzt das mit sichtbarer Energie um.
Regisseurin Ewelina Marciniak scheut weder Überzeichnung noch Bruch und findet darin immer wieder präzise Momente… in denen die vielen Ebenen nicht bloß nebeneinanderstehen, sondern sich gegenseitig schärfen.
Johannes Furtwängler, Der Tagesspiegel, 17.05.2026
Wörter wie Schmetterlinge
Wörter wie Schmetterlinge
#KOBOrlando
12. Mai 2026
Vita von Virginia
Stell Sie sich vor, Sie verlieren Ihr Zuhause, nur weil Sie zur falschen Zeit als Frau geboren wurden. Vita Sackville-West kannte diesen Schmerz: Knole House, ihr geliebtes Elternhaus, ging an ihren Onkel – weil die Erbfolge nur Männer zuließ. Doch aus diesem Verlust entstand etwas Unsterbliches: Virginia Woolf, fasziniert von Vitas aristokratischer Aura, ihren „schönen Beinen“ und ihrem androgynen Charme, schenkte ihr stattdessen ein Buch: Orlando. Eine (fiktive) Biografie, die kein Geschlecht kennt, keine Zeit – und die bis heute als der „längste und bezauberndste Liebesbrief der Literatur“ gilt. Eine Einführung zur gleichnamigen Oper von Olga Neuwirth über ein Herrenhaus mit 365 Zimmern, eine Frau, die zum Mann wurde – und ein Liebesbrief, der die Literaturgeschichte veränderte.
#KOBOrlando
Einführung
11. Mai 2026
Tausende Ichs
Mezzosopranistin Ema Nikolovska und Dirigent Johannes Kalitzke im Gespräch über Ambivalenzen, Schieflagen und den Griff in die Spielzeugkiste
#KOBOrlando
Interview
11. Mai 2026
Natur und Erwartung
Eine Eiche stürzt um, wenn das Herz bricht. Aus ihrem Holz wächst etwas Neues. So erzählt Regisseurin Ewelina Marciniak von Veränderung in ihrer Inszenierung Orlando: nicht als Skandal, sondern als Natur. Als etwas, das einfach geschieht — im Körper, in der Geschichte, auf der Bühne. Doch das so Selbstverständliche stetigen Wandels zu einem Leben in Vielfalt ist mehr denn je bedroht: 2019 wirkte Olga Neuwirths Oper Orlando noch wie eine albtraumhafte Warnung vor einer Realität, die längst eingetreten ist: der wütende, von Rechtspopulisten angetriebene Mob ist kein Fantasiebild mehr. An der Komischen Oper Berlin kämpft Virginia Woolfs unsterbliche Figur Orlando deshalb immer noch gegen unzeitgemäße Fragen: Wer darf über sich sprechen, wer darf wen lieben, wer darf sich verändern — ohne sich dafür erklären zu müssen?
#KOBOrlando
Interview


