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Shortcast zu »Orlando«
The ultimate queer Sci-Fi hybrid Grand opéra!

Or­lan­do

Olga Neuwirth
Deutsche Erstaufführung
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Stellen Sie sich vor, Sie wären unsterblich und könnten über vier Jahrhunderte Geschichte selbst erleben! Als Mann. Und dann als Frau.

Der junge englische Adelige Orlando wird als Favorit der Königin Elisabeth I. mit Orden und Gütern beschenkt und altert fortan nicht mehr. Nach einem unerfüllten Liebesabenteuer mit der schönen Russin Sasha zieht Orlando sich zurück und beschließt, Dichter zu werden. Abermals enttäuscht, lässt sich Orlando als Botschafter in ein fernes Kriegsgebiet versetzen, wo er eines Tages aus einem tranceartigen Schlaf als Frau erwacht. Auf der Suche nach Freiheit schreitet Orlando durch Jahrhunderte der patriarchalischen Ordnung, erlebt barocke Dekadenz, viktorianische Moral, zahlreiche Kriege und den Anbruch des digitalen Zeitalters. Orlandos nichtbinäres Kind verkörpert die Idee der fließenden Identität und stellt schließlich jede Dualität infrage. Als Dichter:in schreibt Orlando gegen Simplifizierung und Populismus an und konfiguriert als Zeitreisende:r das Jetzt immer wieder neu.
I


England, im Jahr 1598. Orlando ist 16 Jahre alt, Schöngeist und Spross alten Adels. Seiner militärischen Erziehung zieht er Einsamkeit und Bücher vor. Wie alle jungen Dichter schreibt Orlando über die Natur, über grünes Gras und Eichenbäume.

II

Trompeten künden die Ankunft von Königin Elisabeth I. Die alternde, kinderlose und von den Pocken gezeichnete Herrscherin bestaunt Orlandos prächtige Beine und liebt seine Jugend. Sie macht ihn zum Ritter des Hosenbandordens, küsst und beschenkt ihn mit Gütern, ehe sie stirbt.


III

Anfang des 17. Jahrhunderts lässt der Große Frost die Themse zufrieren. Auf dem Eis verliebt sich Orlando in die russische Prinzessin Sasha, vergisst seine Verlobte und will mit Sasha durchbrennen. Doch die schöne Moskowiterin lässt Orlando im Regen stehen. Als es taut und er sieht, wie das russische Schiff ablegt, bricht für Orlando eine Welt zusammen.
Eine fiktive musikalische Biografie [2019]
Libretto von Catherine Filloux und Olga Neuwirth
nach dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf
Premiere am 16. Mai 2026
Empfohlen ab Klasse 9
Englisch
2 h 50 min inkl. Pause
30 min vor jeder Vorstellung findet eine Stückeinführung im Foyer statt (außer vor Premieren, Kinderopern, konzertanten Aufführungen, Silvester- und Sonderveranstaltungen)

Die Inszenierung thematisiert Krieg und sexualisierte Gewalt gegen Kinder.

Am 26. Mai findet unter dem Titel »Dazwischen und Außerhalb« eine Soiree zum Phänomen Orlando statt.

Nächste Termine und Besetzung

Schillertheater – Großer Saal

Bismarckstraße 110
10625 Berlin
Do
21. Mai 2026
19:00
So
24. Mai 2026
18:00
Mi
27. Mai 2026
19:00
So
31. Mai 2026
18:00
Sa
6. Jun 2026
19:00
Zum letzten Mal in dieser Spielzeit!

Gefördert von

Medienpartner:in

#KOBOrlando

17. Mai 2026
So überzeugend Alma Sadé als Erzählerin fungiert, schreitet Ema Nikolovska als Orlando mit imponierender Sicherheit alle vokalen Dimensionen ihrer Rolle aus! Die beiden führen ein Ensemble an, das sich für diese Produktion vehement ins Zeug legt. Herausragend: der Counter Eric Jurenas als Schutzengel, Anna Nekhames als Sasha, Günter Papendell als Shelmerdine bzw. Greene und als Putto der Tölzer Knabenchor Solist Benedikt Siewert und natürlich non-binary Performer Kevin(a) Taylor als Orlandos (kämpferisches) Kind.
Joachim Lange, NMZ, 17.05.2026
Im Klangwunderland – Olga Neuwirths »Orlando« an der Komischen Oper Berlin
#KOBOrlando
17. Mai 2026
Unter Dirigent Johannes Kalitzke, ohnehin einer der kompetentesten Fachleute für Gegenwartsmusik, wird das Stück spürbar schneller gespielt als unter Matthias Pintscher in Wien. Das macht die Erzählsause noch atemloser, dennoch bekommt der Hörer mehr Luft – ein musikalisches Interpretationsparadox!

Die Regisseurin Ewelina Marciniak lässt der Choreografie von Agnieszka Kryst viel Raum, und noch mehr den beiden vorzüglichen Hauptdarstellerinnen des Abends: Alma Sadé als Erzählerin und Ema Nikolovska in der Titelrolle des beziehungsweise der Orlando. Ihre Tessitur ist enorm, beginnend mit einem männlich tiefliegenden »I am alone«, um im Lauf der Oper nicht nur höher und »weiblicher« zu steigen, sondern auch in intensive Deklamation und artistisches Flackern auszuschlagen. Dabei ist Nikolovska kein(e) ätherische(r) Orlando wie Tilda Swinton in Sally Potters bekannter Romanverfilmung von 1992, sondern eine bodenständige, manchmal fast burschikose Bühnenerscheinung, quasi grundtonsicher im bodenlos grundtonfreien Raum.

Neuwirths lustvoll eklektizistische Partitur ist grundlegend out of tune, abrupt die stilistischen Schnitte, schichtenreich die musikalische Collage: Das alles wird von Sängern und Riesenorchester mit Bravour absolviert.
Albrecht Selge, Nachtkritik, 17.05.2026
Binär ins Offene

#KOBOrlando
17. Mai 2026
Zwischen Baum und Boxsack, Naturbild und Projektion, höfischer Pose und futuristischem Krach sucht Olga Neuwirths »Orlando« an der Komischen Oper Berlin nach einer Form, in der nichts einfach nur es selbst bleibt. Die Wahrhaftigkeit dieses Abends liegt gerade in diesen Reibungen.

Aus Woolfs fantastischer Erzählung wird ein bewegliches Musiktheater aus Übergängen, Spiegelungen und historischen Schichten. Orlando erscheint darin immer neu, weil sich verändert, was sich in dieser Figur spiegelt. Die Berliner Inszenierung setzt das mit sichtbarer Energie um.

Regisseurin Ewelina Marciniak scheut weder Überzeichnung noch Bruch und findet darin immer wieder präzise Momente… in denen die vielen Ebenen nicht bloß nebeneinanderstehen, sondern sich gegenseitig schärfen.
Johannes Furtwängler, Der Tagesspiegel, 17.05.2026
Wörter wie Schmetterlinge

#KOBOrlando