© Jan Windszus Photography
»Man muss sich die Begriffe zurückholen«
Regisseur Axel Ranisch und Musikalischer Leiter Adam Benzwi über DDR- Unterhaltung, Friedenssehnsucht und die Revue als Form der Erinnerung in Mokka-Hits und Milchbarträume
In unserer Spielplanvorschau wurde eure Revue Mokka-Hits und Milchbar-Träume mit dem schönen Untertitel »Ein Kessel Buntes unter Druck« beworben, und tatsächlich stand »Ein Kessel Buntes« ja durchaus am Anfang der Überlegungen zu diesem Abend. Für Menschen, die nicht in der DDR aufgewachsen sind: Was war »Ein Kessel Buntes«?
Axel Ranisch: Das war eine aufwändige Unterhaltungsshow im DDR-Fernsehen – und in der Mischung aus Kabarett, eindrucksvollen Tanzeinlagen und sehr viel Musik so international wie irgend möglich. Es gab ein paar Vorgänger-Musiksendungen, aber ab den 1970er Jahren hat sich der »Kessel Buntes« als die wichtigste Show herausgeschält. Anfangs gab es dort noch die sogenannten »Drei Dialektiker« – drei Kabarettisten aus verschiedenen ostdeutschen Regionen: ein Berliner, ein Sachse und ein Norddeutscher. Die machten kleine Witze über Bürokratismus, Mangelwirtschaft oder Staatsapparat. Das war alles sehr brav, aber allein dadurch, dass es überhaupt vorkam, wirkte es erfrischend. Später wurde die Show immer größer und internationaler. In den achtziger Jahren war es wichtig, dass auch Künstler:innen aus der Bundesrepublik oder den USA auftraten, manche waren sogar häufiger da, wie zum Beispiel Katja Ebstein. Es gab ein riesiges Bühnenbild mit Orchester auf der Bühne – all das steckt auch in unserer Revue.
Axel Ranisch: Das war eine aufwändige Unterhaltungsshow im DDR-Fernsehen – und in der Mischung aus Kabarett, eindrucksvollen Tanzeinlagen und sehr viel Musik so international wie irgend möglich. Es gab ein paar Vorgänger-Musiksendungen, aber ab den 1970er Jahren hat sich der »Kessel Buntes« als die wichtigste Show herausgeschält. Anfangs gab es dort noch die sogenannten »Drei Dialektiker« – drei Kabarettisten aus verschiedenen ostdeutschen Regionen: ein Berliner, ein Sachse und ein Norddeutscher. Die machten kleine Witze über Bürokratismus, Mangelwirtschaft oder Staatsapparat. Das war alles sehr brav, aber allein dadurch, dass es überhaupt vorkam, wirkte es erfrischend. Später wurde die Show immer größer und internationaler. In den achtziger Jahren war es wichtig, dass auch Künstler:innen aus der Bundesrepublik oder den USA auftraten, manche waren sogar häufiger da, wie zum Beispiel Katja Ebstein. Es gab ein riesiges Bühnenbild mit Orchester auf der Bühne – all das steckt auch in unserer Revue.
Mokka-Hits und Milchbarträume
Ein Kessel Buntes unter Druck
Eine Revue [2026]
Premiere am 14. Juni 2026
Und die Leute haben das tatsächlich geschaut, oder haben sie doch lieber »Musik ist Trumpf« mit Peter Frankenfeld im Westfernsehen gesehen?
Axel Ranisch: Natürlich! Zu meinen frühen Kindheitserinnerungen gehört es, mit der ganzen Familie »Ein Kessel Buntes« zu gucken. Das war ein kollektiver Fernsehmoment.
Adam Benzwi: Was mich heute daran fasziniert, ist der unglaubliche Aufwand, der betrieben wurde. Wenn man sich anschaut, mit welcher Präzision dort Unterhaltung produziert wurde – mit Chor, Orchester, Tänzerinnen und Tänzern –, dann fragt man sich schon, wie ein Staat mit all seinen ökonomischen Problemen alle zwei Monate solche Produktionen stemmen konnte. Da steckt enormes handwerkliches Können dahinter.
War der »Kessel Buntes« von Anfang an die Folie für eure Revue?
Axel Ranisch: Ich mag diesen Titel einfach sehr gerne. Während meines Studiums an der Filmhochschule habe ich sehr viele Kurzfilme gedreht, die ich dann auf DVDs brannte und sie »Kessel Buntes« Volume 1, Volume 2, Volume 3 usw. nannte. Diese Idee eines bunt durchmischten Abends hat mich immer angezogen. Als Adam und ich uns nach Messeschlager Gisela, unserer Komischen-Oper-Produktion im Zelt vor dem Roten Rathaus, mit weiteren Operetten und Musicals des heiteren Musiktheaters der DDR beschäftigten, haben wir uns beide immer wieder gegenseitig unsere Lieblingslieder vorgesungen – und sind dann immer wieder zwischendurch bei Holger Biege, Manfred Krug, Gisela May oder Gaby Rückert gelandet. Da wurde klar: Eigentlich wollen wir einen eigenen »Kessel Buntes« auf die Bühne bringen.
Axel Ranisch: Natürlich! Zu meinen frühen Kindheitserinnerungen gehört es, mit der ganzen Familie »Ein Kessel Buntes« zu gucken. Das war ein kollektiver Fernsehmoment.
Adam Benzwi: Was mich heute daran fasziniert, ist der unglaubliche Aufwand, der betrieben wurde. Wenn man sich anschaut, mit welcher Präzision dort Unterhaltung produziert wurde – mit Chor, Orchester, Tänzerinnen und Tänzern –, dann fragt man sich schon, wie ein Staat mit all seinen ökonomischen Problemen alle zwei Monate solche Produktionen stemmen konnte. Da steckt enormes handwerkliches Können dahinter.
War der »Kessel Buntes« von Anfang an die Folie für eure Revue?
Axel Ranisch: Ich mag diesen Titel einfach sehr gerne. Während meines Studiums an der Filmhochschule habe ich sehr viele Kurzfilme gedreht, die ich dann auf DVDs brannte und sie »Kessel Buntes« Volume 1, Volume 2, Volume 3 usw. nannte. Diese Idee eines bunt durchmischten Abends hat mich immer angezogen. Als Adam und ich uns nach Messeschlager Gisela, unserer Komischen-Oper-Produktion im Zelt vor dem Roten Rathaus, mit weiteren Operetten und Musicals des heiteren Musiktheaters der DDR beschäftigten, haben wir uns beide immer wieder gegenseitig unsere Lieblingslieder vorgesungen – und sind dann immer wieder zwischendurch bei Holger Biege, Manfred Krug, Gisela May oder Gaby Rückert gelandet. Da wurde klar: Eigentlich wollen wir einen eigenen »Kessel Buntes« auf die Bühne bringen.
© Jan Windszus Photography
Und wie ist es schließlich zur konkreten Musikauswahl gekommen?
Adam Benzwi:Wir haben beide Listen mit unseren 50 Lieblingsliedern gemacht. Da gab es natürlich auch Überschneidungen, gar nicht so viele, aber zehn dürften es gewesen sein. Von diesen Liedern sind nun einige in der Revue, aber wir haben auch gleich an unsere Besetzung gedacht und überlegt, womit sich die einzelnen Darsteller und natürlich die Chorsolisten besonders gut zeigen können. Aus den Listen haben sich aber auch Themen ergeben – und aus den Themen kristallisierte sich langsam ein Format heraus.
Axel Ranisch: Anfangs wollten wir keine Chronologie. Wir dachten über eine Rahmenhandlung bzw. eine durchgängige Geschichte nach – mit Moderatoren, die den »Kessel Buntes« präsentieren. Aber irgendwann merkten wir, dass der Abend stärker wird, wenn man die Widersprüche offen neben- und gegeneinander stellt. Darum beginnt die Revue nun tatsächlich bei der Stunde Null: Die Stadt liegt in Trümmern, alles soll neu aufgebaut werden. Und dann arbeiten wir uns bis zur Wende vor.
Adam Benzwi: Was auch den Vorzug hat, dass fast zwangsläufig ein Spannungsbogen entsteht. Die ersten Lieder sind noch voller Hoffnung und guter Vorsätze. Und dann kommt es zu Ernüchterungen, die Utopie des Anfangs wird brüchig.
Axel Ranisch: Ja, es bröckelt am laufenden Band. Was man sich im schönen Glauben an die sozialistische Ideologie vorgenommen hat, klatscht mit der Realität zusammen, und es entstehen Bürokratie, Machtmissbrauch, Gewalt, Bespitzelung. Gleichzeitig erzählen die Lieder aber immer auch von Menschen, die lieben, feiern, arbeiten, scheitern. Die ihre ganz privaten Probleme haben und die alle in diesem Land zurechtkommen müssen. Was den einen besser und den anderen schlechter gelingt.
In den Liedern, die jetzt im Programm sind, gibt es eine große Spannweite. Nicht zuletzt habt ihr auch offen propagandistische Stücke in die Revue aufgenommen. Warum?
Adam Benzwi: Weil sie dazugehören. Man kann die DDR nicht erzählen und diese Musik auslassen.
Axel Ranisch: Nehmen wir das Lied »Zwei liebevolle Schwestern sind Moskau und Berlin«. Heute bekommt man bei solchen Zeilen natürlich einen Schreck. Aber man muss verstehen: Viele Menschen meinten das damals ernst. Diese Sehnsucht nach Frieden oder Brüderlichkeit war nicht automatisch zynisch. Mit den Sketchen, die wir danach bringen, ordnen wir das auch wieder ein – aber ich finde es wichtig, dass wir uns nicht von vornherein darüber lustig machen, dass etwa zum 40. Jahrestag der Oktoberrevolution die besten Künstler der DDR Texte und Musik schrieben.
Adam Benzwi: Die Chorsolisten singen in der Revue zum Beispiel die Kinderhymne von Brecht und Eisler. Das ist ein wirklich bewegendes Lied, an Kinder gerichtet, das dem Schrecken der Vergangenheit mit Demut und Friedenssehnsucht begegnet. Das ist erst einmal etwas Schönes.
Axel Ranisch: Ich habe noch selbst als Kind auf jeden Wunschzettel ganz oben geschrieben: »Ich wünsche mir Frieden in der Welt.« Und das habe ich als kleiner Junge wirklich geglaubt. Ich habe auch daran geglaubt, dass das für meine Eltern kein politischer Begriff war, sondern eine Sehnsucht und ein menschliches Bedürfnis. Während des Erwachsenwerdens zu lernen, dass man den Friedensbegriff nicht einfach so naiv verwenden kann, sondern dass er schon immer zum Missbrauch gedient hat – das hat sehr wehgetan.
Adam Benzwi: Das gilt ja auch für andere Wörter, gerade als Amerikaner darf ich das sagen: Freiheit, Demokratie. Viele Begriffe sind heute beschädigt.
Axel Ranisch: Und trotzdem habe ich heute das Bedürfnis, mir solche Begriffe zurückzuholen. Meine Mutter sagt bis heute: »Ich lasse mir den Frieden nicht kaputtmachen.« Sie akzeptiert nicht, dass ein Begriff, den sie als menschliche Sehnsucht erlebt hat, nur noch mit Propaganda verbunden wird. Vielleicht muss man auch dafür kämpfen, dass man diese Begriffe zurückbekommt.
Adam Benzwi: Das ist eine Hoffnung, die ich mit unserem Stück verbinde: Dass man, nach dem Ende der DDR, über dort verwendete Begriffe neu diskutieren kann. Ohne Aggression. Dass man die Gelegenheit hat, im Foyer über die Ideale eines untergegangenen Landes zu reflektieren und dabei zugleich über das Jetzt zu reden.
Adam Benzwi:Wir haben beide Listen mit unseren 50 Lieblingsliedern gemacht. Da gab es natürlich auch Überschneidungen, gar nicht so viele, aber zehn dürften es gewesen sein. Von diesen Liedern sind nun einige in der Revue, aber wir haben auch gleich an unsere Besetzung gedacht und überlegt, womit sich die einzelnen Darsteller und natürlich die Chorsolisten besonders gut zeigen können. Aus den Listen haben sich aber auch Themen ergeben – und aus den Themen kristallisierte sich langsam ein Format heraus.
Axel Ranisch: Anfangs wollten wir keine Chronologie. Wir dachten über eine Rahmenhandlung bzw. eine durchgängige Geschichte nach – mit Moderatoren, die den »Kessel Buntes« präsentieren. Aber irgendwann merkten wir, dass der Abend stärker wird, wenn man die Widersprüche offen neben- und gegeneinander stellt. Darum beginnt die Revue nun tatsächlich bei der Stunde Null: Die Stadt liegt in Trümmern, alles soll neu aufgebaut werden. Und dann arbeiten wir uns bis zur Wende vor.
Adam Benzwi: Was auch den Vorzug hat, dass fast zwangsläufig ein Spannungsbogen entsteht. Die ersten Lieder sind noch voller Hoffnung und guter Vorsätze. Und dann kommt es zu Ernüchterungen, die Utopie des Anfangs wird brüchig.
Axel Ranisch: Ja, es bröckelt am laufenden Band. Was man sich im schönen Glauben an die sozialistische Ideologie vorgenommen hat, klatscht mit der Realität zusammen, und es entstehen Bürokratie, Machtmissbrauch, Gewalt, Bespitzelung. Gleichzeitig erzählen die Lieder aber immer auch von Menschen, die lieben, feiern, arbeiten, scheitern. Die ihre ganz privaten Probleme haben und die alle in diesem Land zurechtkommen müssen. Was den einen besser und den anderen schlechter gelingt.
In den Liedern, die jetzt im Programm sind, gibt es eine große Spannweite. Nicht zuletzt habt ihr auch offen propagandistische Stücke in die Revue aufgenommen. Warum?
Adam Benzwi: Weil sie dazugehören. Man kann die DDR nicht erzählen und diese Musik auslassen.
Axel Ranisch: Nehmen wir das Lied »Zwei liebevolle Schwestern sind Moskau und Berlin«. Heute bekommt man bei solchen Zeilen natürlich einen Schreck. Aber man muss verstehen: Viele Menschen meinten das damals ernst. Diese Sehnsucht nach Frieden oder Brüderlichkeit war nicht automatisch zynisch. Mit den Sketchen, die wir danach bringen, ordnen wir das auch wieder ein – aber ich finde es wichtig, dass wir uns nicht von vornherein darüber lustig machen, dass etwa zum 40. Jahrestag der Oktoberrevolution die besten Künstler der DDR Texte und Musik schrieben.
Adam Benzwi: Die Chorsolisten singen in der Revue zum Beispiel die Kinderhymne von Brecht und Eisler. Das ist ein wirklich bewegendes Lied, an Kinder gerichtet, das dem Schrecken der Vergangenheit mit Demut und Friedenssehnsucht begegnet. Das ist erst einmal etwas Schönes.
Axel Ranisch: Ich habe noch selbst als Kind auf jeden Wunschzettel ganz oben geschrieben: »Ich wünsche mir Frieden in der Welt.« Und das habe ich als kleiner Junge wirklich geglaubt. Ich habe auch daran geglaubt, dass das für meine Eltern kein politischer Begriff war, sondern eine Sehnsucht und ein menschliches Bedürfnis. Während des Erwachsenwerdens zu lernen, dass man den Friedensbegriff nicht einfach so naiv verwenden kann, sondern dass er schon immer zum Missbrauch gedient hat – das hat sehr wehgetan.
Adam Benzwi: Das gilt ja auch für andere Wörter, gerade als Amerikaner darf ich das sagen: Freiheit, Demokratie. Viele Begriffe sind heute beschädigt.
Axel Ranisch: Und trotzdem habe ich heute das Bedürfnis, mir solche Begriffe zurückzuholen. Meine Mutter sagt bis heute: »Ich lasse mir den Frieden nicht kaputtmachen.« Sie akzeptiert nicht, dass ein Begriff, den sie als menschliche Sehnsucht erlebt hat, nur noch mit Propaganda verbunden wird. Vielleicht muss man auch dafür kämpfen, dass man diese Begriffe zurückbekommt.
Adam Benzwi: Das ist eine Hoffnung, die ich mit unserem Stück verbinde: Dass man, nach dem Ende der DDR, über dort verwendete Begriffe neu diskutieren kann. Ohne Aggression. Dass man die Gelegenheit hat, im Foyer über die Ideale eines untergegangenen Landes zu reflektieren und dabei zugleich über das Jetzt zu reden.
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Bei den »Liebevollen Schwestern« fällt es ja noch leicht, ein ernstgemeintes Bedürfnis herauszuhören. Aber ein Lied wie »Im Sommer 61«, das den Mauerbau feiert, ist doch schlicht zynisch.
Axel Ranisch: Ja, das ist pure Propaganda. Natürlich gab es damals auf die DDR-Führung durch den Wegzug der Menschen einen enormen wirtschaftlichen Druck – und selbst in diesem Fall gab es Leute, die daran geglaubt haben, dass das Hochziehen der Mauer in einer Nacht- und Nebelaktion etwas Gutes hatte. Was mich wirklich aufregt, ist, dass ein toller Schriftsteller wie Heinz Kahlau, der ganz berührende Lyrik geschrieben hat, sich für einen so dummen Text hergegeben hat. Auch die Melodie ist schrecklich banal. Alles, was Propagandamusik auszeichnet, steckt in diesem Lied. Aber es ist der offizielle Soundtrack für diesen historischen Augenblick. Und auch wenn ich so etwas nicht gerne mache: An dieser Stelle kommt in der Revue ein kurzer sarkastischer Moment, der wehtun muss. Ansonsten ist Sarkasmus nicht mein Stilmittel. Hier bleibt mir nichts anderes übrig. Und gleichzeitig hoffe ich, dass man in den Gesichtern unserer Chorsolisten, die der Darbietung dieses Propagandaprodukts zuschauen, lesen wird, wie schmerzhaft dieses Lied ist.
Adam Benzwi: Wichtig ist, dass niemand im Publikum das Gefühl bekommen soll, hier werde Propaganda gefeiert. Wir versuchen, das mit der Choreografie, mit abrupten Übergängen, mit Blicken und Text zu brechen.
Die Revue zeigt aber auch die andere Seite der DDR-Unterhaltungsmusik: Holger Biege, Manfred Krug, die Puhdys. Was erzählen diese Lieder?
Axel Ranisch: Für mich gehören sie erst einmal zu meiner Kindheit, sie erzeugen bei mir ein Zuhause-Gefühl. Erst später habe ich verstanden, wie subversiv manche Texte eigentlich waren. Nehmen wir Manfred Krugs »Auf der Sonnenseite«, wo die schlimmen Sorgen – und damit sind ja die privaten und die politischen gemeint – direkt thematisiert werden. Und es geht auf sehr ironische Weise darum, wie die Menschen mit diesen Sorgen umgehen. Das habe ich als Kind nicht gemerkt. Adam Benzwi: Mich fasziniert vor allem, wie universell viele dieser Lieder sind. Sehnsucht, Liebe, Hoffnung – das sind keine spezifisch ostdeutschen Gefühle. Anstatt ein ganzes Land schwarz-weiß zu zeichnen, wollen wir zeigen, dass die Menschen dort vor denselben Herausforderungen standen wie alle anderen Menschen auch.
Als jemand, der in sehr vielen verschiedenen musikalischen Welten unterwegs ist: Würdest du sagen, dass die Unterhaltungsmusik der DDR eine spezifische DNA hat?
Adam Benzwi: Nicht unbedingt. Westdeutschland war regelrecht mit amerikanischer Musik geflutet, die war im Osten schwerer zugänglich. Trotzdem höre ich musikalisch kaum Unterschiede. Die zeigen sich eher in den Texten. Es ist aber immer sehr aufwendig und sehr gut produzierte Musik. Was auch mit dem hohen Standard der Ausbildung zu tun hat: Tanzunterhaltungsmusik wurde an den Hochschulen gelehrt. Das gab es im Westen erst später.
Axel Ranisch: Mein Schwiegervater ist Jazzmusiker und hat beim Kontrabassisten der Komischen Oper gelernt!
Adam Benzwi: Möglicherweise gab es im Westen häufiger gerade dadurch eine starke subversive Kraft der Musik, dass die Musiker ihr Handwerk nicht von Grund auf gelernt hatten. In den Aufnahmen der DDR dagegen fällt schon auf, wie gut das alles gemacht ist. Beim Lied »In der Mokka-MilchEisbar« zum Beispiel intonieren sie einfach sehr, sehr sauber – es ist kein Operngesang natürlich, aber es ist handwerklich unglaublich gut. Und man blieb trotzdem nah an der Arbeiterkultur: Stimmen wie die von Manfred Krug oder Thomas Natschinski klingen überhaupt nicht bürgerlich.
Axel Ranisch: Wenn wir von der DNA von Texten und Musik sprechen, ist es aber auch sehr wichtig zu sehen, dass in der DDR einfach alle darauf trainiert waren, zwischen den Zeilen zu lesen. Die Leute hatten eine enorme Sensibilität für die Zwischentöne. Wenn man sich heute Mitschnitte aus dem Kabarett Die Distel anhört, ist es hochspannend zu erleben, wann die Leute lachen und wann nicht.
Axel Ranisch: Ja, das ist pure Propaganda. Natürlich gab es damals auf die DDR-Führung durch den Wegzug der Menschen einen enormen wirtschaftlichen Druck – und selbst in diesem Fall gab es Leute, die daran geglaubt haben, dass das Hochziehen der Mauer in einer Nacht- und Nebelaktion etwas Gutes hatte. Was mich wirklich aufregt, ist, dass ein toller Schriftsteller wie Heinz Kahlau, der ganz berührende Lyrik geschrieben hat, sich für einen so dummen Text hergegeben hat. Auch die Melodie ist schrecklich banal. Alles, was Propagandamusik auszeichnet, steckt in diesem Lied. Aber es ist der offizielle Soundtrack für diesen historischen Augenblick. Und auch wenn ich so etwas nicht gerne mache: An dieser Stelle kommt in der Revue ein kurzer sarkastischer Moment, der wehtun muss. Ansonsten ist Sarkasmus nicht mein Stilmittel. Hier bleibt mir nichts anderes übrig. Und gleichzeitig hoffe ich, dass man in den Gesichtern unserer Chorsolisten, die der Darbietung dieses Propagandaprodukts zuschauen, lesen wird, wie schmerzhaft dieses Lied ist.
Adam Benzwi: Wichtig ist, dass niemand im Publikum das Gefühl bekommen soll, hier werde Propaganda gefeiert. Wir versuchen, das mit der Choreografie, mit abrupten Übergängen, mit Blicken und Text zu brechen.
Die Revue zeigt aber auch die andere Seite der DDR-Unterhaltungsmusik: Holger Biege, Manfred Krug, die Puhdys. Was erzählen diese Lieder?
Axel Ranisch: Für mich gehören sie erst einmal zu meiner Kindheit, sie erzeugen bei mir ein Zuhause-Gefühl. Erst später habe ich verstanden, wie subversiv manche Texte eigentlich waren. Nehmen wir Manfred Krugs »Auf der Sonnenseite«, wo die schlimmen Sorgen – und damit sind ja die privaten und die politischen gemeint – direkt thematisiert werden. Und es geht auf sehr ironische Weise darum, wie die Menschen mit diesen Sorgen umgehen. Das habe ich als Kind nicht gemerkt. Adam Benzwi: Mich fasziniert vor allem, wie universell viele dieser Lieder sind. Sehnsucht, Liebe, Hoffnung – das sind keine spezifisch ostdeutschen Gefühle. Anstatt ein ganzes Land schwarz-weiß zu zeichnen, wollen wir zeigen, dass die Menschen dort vor denselben Herausforderungen standen wie alle anderen Menschen auch.
Als jemand, der in sehr vielen verschiedenen musikalischen Welten unterwegs ist: Würdest du sagen, dass die Unterhaltungsmusik der DDR eine spezifische DNA hat?
Adam Benzwi: Nicht unbedingt. Westdeutschland war regelrecht mit amerikanischer Musik geflutet, die war im Osten schwerer zugänglich. Trotzdem höre ich musikalisch kaum Unterschiede. Die zeigen sich eher in den Texten. Es ist aber immer sehr aufwendig und sehr gut produzierte Musik. Was auch mit dem hohen Standard der Ausbildung zu tun hat: Tanzunterhaltungsmusik wurde an den Hochschulen gelehrt. Das gab es im Westen erst später.
Axel Ranisch: Mein Schwiegervater ist Jazzmusiker und hat beim Kontrabassisten der Komischen Oper gelernt!
Adam Benzwi: Möglicherweise gab es im Westen häufiger gerade dadurch eine starke subversive Kraft der Musik, dass die Musiker ihr Handwerk nicht von Grund auf gelernt hatten. In den Aufnahmen der DDR dagegen fällt schon auf, wie gut das alles gemacht ist. Beim Lied »In der Mokka-MilchEisbar« zum Beispiel intonieren sie einfach sehr, sehr sauber – es ist kein Operngesang natürlich, aber es ist handwerklich unglaublich gut. Und man blieb trotzdem nah an der Arbeiterkultur: Stimmen wie die von Manfred Krug oder Thomas Natschinski klingen überhaupt nicht bürgerlich.
Axel Ranisch: Wenn wir von der DNA von Texten und Musik sprechen, ist es aber auch sehr wichtig zu sehen, dass in der DDR einfach alle darauf trainiert waren, zwischen den Zeilen zu lesen. Die Leute hatten eine enorme Sensibilität für die Zwischentöne. Wenn man sich heute Mitschnitte aus dem Kabarett Die Distel anhört, ist es hochspannend zu erleben, wann die Leute lachen und wann nicht.
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Szenen und Lieder aus der Ostberliner Distel bilden ja eine weitere Schicht eurer Revue. Wie seid ihr an diese Texte überhaupt gekommen?
Axel Ranisch: Mit der Hilfe von Hagen Bulwan vom Deutschen Kabarettarchiv in Bernburg. Ich habe nach Texten aus der Zeit gesucht, die wir auf der Bühne erzählen, also speziell auch nach Texten aus den 50er, 60er Jahren und am Ende wieder aus den 80er Jahren. Ich wollte gerne die originale Sprache der Zeit im Stück haben und nicht einfach irgendetwas erfinden. Wir haben dann vor allem auf die Distel geschaut, weil viele Nummern der Distel später in der ganzen DDR nachgespielt wurden – und natürlich auch, weil die Distel in Berlin ist, wo wir die Revue ja nun auch aufführen. Besonders spannend war zu sehen, wie sich von Programm zu Programm der Tonfall änderte: mal schärfer, mal haben sie einen Gang zurückgeschaltet. Und manche Nummern sind auch richtig unangenehm: Wenn sie als Kabarett verpflichtet waren, etwas über den Westen zu machen, bekam das schnell das Niveau von »Im Sommer 61«. Da war dann nichts mehr zwischen den Zeilen, weswegen ich immer sage: Wenn es zwischen den Zeilen nichts mehr zu lesen gibt, muss man vorsichtig sein.
Aber das Zwischen-den-Zeilen-Lesen muss man ja auch lernen bzw. das hat einen das Leben unter den entsprechenden Umständen gelehrt. Sind denn die Texte von damals heute noch verständlich?
Axel Ranisch: hoffe. Mein Augenmerk lag jedenfalls darauf, Texte auszuwählen, die uns auch heute noch etwas erzählen. So ein Lied wie »Zweierlei Deutschland« etwa, das sehr berührend auf den Punkt bringt, dass es in Wirklichkeit nicht um Ost und West geht, sondern dass die zwei Zonen von Deutschland schon immer die Kantaten Bachs auf der einen Seite und Krupps Granaten auf der anderen Seite waren.
Was ist der Kern dessen, was ihr von der DDR erzählen wollt?
Axel Ranisch: Dass in all den Widersprüchlichkeiten lauter Menschen gelebt haben und ich diese Menschen gerne wertschätzen möchte. Es geht nicht darum, das System wertzuschätzen, das auf keinen Fall – aber die Menschen, die darin gelebt haben.
Adam Benzwi: Und diese Menschen dafür zu bewundern, wie sie das gemeistert haben. Und wie sie Musik gemacht haben. Die Musik dieser Menschen zu achten, »Cola-Wodka« oder den Lipsi, auch wenn man Aspekte davon heute belächeln kann.
Hat sich euer Blick auf die DDR durch die Arbeit an der Revue verändert?
Axel Ranisch: Der verändert sich ständig. Immer, wenn ich eine Geschichte höre, wird das Bild nicht klarer, aber breiter. Für mich ist das eine Art von Spurensuche, weil ich mir die Frage stelle: Was war das denn für ein Land, in dem ich groß geworden wäre, wenn es die Wende nicht gegeben hätte? Wäre ich der Regisseur geworden, der ich heute bin? Wäre ich mit meinem Freund zusammen? Wäre ich offen schwul? Ich habe ja tatsächlich keine Ahnung, wie es sich angefühlt hat, in diesem Land zu leben mit seinem Bürokratismus, seiner Ideologie etc. Und trotzdem bin ich ja durch und durch Ossi, weil mich die Menschen sozialisiert und erzogen haben, die in der DDR gelebt haben – Menschen, denen ich mit sehr viel Achtung und Liebe begegne. Und es ist schmerzhaft für mich zu erleben, wenn diese Menschen das Gefühl haben, nicht mehr vorzukommen. Es ist doch merkwürdig, dass die meisten Filme über die DDR von Regisseuren aus dem Westen gemacht wurden. Ich bin natürlich auch nicht besser als jemand aus dem Westen, auch ich kenne das System nicht. Aber ich kenne die Menschen, die darin gelebt haben.
Eine letzte Frage: Was soll das Publikum im besten Fall mitnehmen: ein Gefühl, eine Erkenntnis – oder eher offene Fragen?
Axel Ranisch: Interesse. Das fehlt den Ostdeutschen oft bis heute: das Gefühl, dass sich jemand wirklich für ihre Erfahrungen interessiert. Vor einiger Zeit war ich bei einem CSU-Stammtisch eingeladen. Dort merkte ich: Viele hatten sich zuletzt zur Wende ernsthaft mit der DDR beschäftigt. Ihr Bild bestand im Wesentlichen aus dem Film Das Leben der Anderen. Das hat mich erschüttert. Deshalb braucht es diese Revue. Nicht als nostalgischen Abend, sondern als Einladung, genauer hinzuschauen.
Adam Benzwi: Und gleichzeitig darf es ein berauschender Abend sein, mit all seinem Reichtum an Witz, Tanz, Chor, Orchester und Gesang. Wenn das Publikum mit neuen Melodien und neuen Fragen nach Hause geht, dann haben wir viel erreicht.
Axel Ranisch: Mit der Hilfe von Hagen Bulwan vom Deutschen Kabarettarchiv in Bernburg. Ich habe nach Texten aus der Zeit gesucht, die wir auf der Bühne erzählen, also speziell auch nach Texten aus den 50er, 60er Jahren und am Ende wieder aus den 80er Jahren. Ich wollte gerne die originale Sprache der Zeit im Stück haben und nicht einfach irgendetwas erfinden. Wir haben dann vor allem auf die Distel geschaut, weil viele Nummern der Distel später in der ganzen DDR nachgespielt wurden – und natürlich auch, weil die Distel in Berlin ist, wo wir die Revue ja nun auch aufführen. Besonders spannend war zu sehen, wie sich von Programm zu Programm der Tonfall änderte: mal schärfer, mal haben sie einen Gang zurückgeschaltet. Und manche Nummern sind auch richtig unangenehm: Wenn sie als Kabarett verpflichtet waren, etwas über den Westen zu machen, bekam das schnell das Niveau von »Im Sommer 61«. Da war dann nichts mehr zwischen den Zeilen, weswegen ich immer sage: Wenn es zwischen den Zeilen nichts mehr zu lesen gibt, muss man vorsichtig sein.
Aber das Zwischen-den-Zeilen-Lesen muss man ja auch lernen bzw. das hat einen das Leben unter den entsprechenden Umständen gelehrt. Sind denn die Texte von damals heute noch verständlich?
Axel Ranisch: hoffe. Mein Augenmerk lag jedenfalls darauf, Texte auszuwählen, die uns auch heute noch etwas erzählen. So ein Lied wie »Zweierlei Deutschland« etwa, das sehr berührend auf den Punkt bringt, dass es in Wirklichkeit nicht um Ost und West geht, sondern dass die zwei Zonen von Deutschland schon immer die Kantaten Bachs auf der einen Seite und Krupps Granaten auf der anderen Seite waren.
Was ist der Kern dessen, was ihr von der DDR erzählen wollt?
Axel Ranisch: Dass in all den Widersprüchlichkeiten lauter Menschen gelebt haben und ich diese Menschen gerne wertschätzen möchte. Es geht nicht darum, das System wertzuschätzen, das auf keinen Fall – aber die Menschen, die darin gelebt haben.
Adam Benzwi: Und diese Menschen dafür zu bewundern, wie sie das gemeistert haben. Und wie sie Musik gemacht haben. Die Musik dieser Menschen zu achten, »Cola-Wodka« oder den Lipsi, auch wenn man Aspekte davon heute belächeln kann.
Hat sich euer Blick auf die DDR durch die Arbeit an der Revue verändert?
Axel Ranisch: Der verändert sich ständig. Immer, wenn ich eine Geschichte höre, wird das Bild nicht klarer, aber breiter. Für mich ist das eine Art von Spurensuche, weil ich mir die Frage stelle: Was war das denn für ein Land, in dem ich groß geworden wäre, wenn es die Wende nicht gegeben hätte? Wäre ich der Regisseur geworden, der ich heute bin? Wäre ich mit meinem Freund zusammen? Wäre ich offen schwul? Ich habe ja tatsächlich keine Ahnung, wie es sich angefühlt hat, in diesem Land zu leben mit seinem Bürokratismus, seiner Ideologie etc. Und trotzdem bin ich ja durch und durch Ossi, weil mich die Menschen sozialisiert und erzogen haben, die in der DDR gelebt haben – Menschen, denen ich mit sehr viel Achtung und Liebe begegne. Und es ist schmerzhaft für mich zu erleben, wenn diese Menschen das Gefühl haben, nicht mehr vorzukommen. Es ist doch merkwürdig, dass die meisten Filme über die DDR von Regisseuren aus dem Westen gemacht wurden. Ich bin natürlich auch nicht besser als jemand aus dem Westen, auch ich kenne das System nicht. Aber ich kenne die Menschen, die darin gelebt haben.
Eine letzte Frage: Was soll das Publikum im besten Fall mitnehmen: ein Gefühl, eine Erkenntnis – oder eher offene Fragen?
Axel Ranisch: Interesse. Das fehlt den Ostdeutschen oft bis heute: das Gefühl, dass sich jemand wirklich für ihre Erfahrungen interessiert. Vor einiger Zeit war ich bei einem CSU-Stammtisch eingeladen. Dort merkte ich: Viele hatten sich zuletzt zur Wende ernsthaft mit der DDR beschäftigt. Ihr Bild bestand im Wesentlichen aus dem Film Das Leben der Anderen. Das hat mich erschüttert. Deshalb braucht es diese Revue. Nicht als nostalgischen Abend, sondern als Einladung, genauer hinzuschauen.
Adam Benzwi: Und gleichzeitig darf es ein berauschender Abend sein, mit all seinem Reichtum an Witz, Tanz, Chor, Orchester und Gesang. Wenn das Publikum mit neuen Melodien und neuen Fragen nach Hause geht, dann haben wir viel erreicht.
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KOBMokkaHits
09.06.2024
Ausgrabung mit Kult-Potenzial
Die Musik ist grandios. Da stimmt alles. Das Tempo und das Timing, die schlagertauglichen Nummern. Alles da und sogar auf Weltniveau, wie es in der DDR immer so schön illusorisch hieß. Und es wird auf dem üblichen Niveau des Hauses von Adam Benzwi von einer Formation des Orchesters der Komischen Oper für das Zelt zündend serviert. ... Gisa Flake gibt die Titelrolle nicht nur schauspielerisch überzeugend als Melange aus Original und Sympathieträgerin, sie singt auch noch fabelhaft. Maria-Danaé Bansen stellt sowohl ihre atemberaubende Berliner Schnauze als auch ihr Sexappeal der Sekretärin Kulicke zur Verfügung. Thorsten Merten ist wie geschaffen für diesen Kuckuck, Andreja Schneider ein Musterbeispiel für den dosierten Einsatz eines weiblichen Selbstbewusstseins, wie man es wohl gerne mehr gehabt hätte.
Roberto Becker, Die Deutsche Bühne
#KOBGisela
09.06.2024
DDR-Operette im Theaterzelt vorm Roten Rathaus: Nadelöhr der Liebe
Ranischs verspielte Version lebt von der Diversität seiner Darsteller, die allesamt echte Charaktere sind, schräge Typen, weit entfernt von der hochprofessionellen Austauschbarkeit der Casts im Kommerzmusical amerikanischer Prägung. Hier treffen singende Schauspieler wie Nico Holonics, Thorsten Merten und Martin Reik auf Andreja Schneider von den Geschwistern Pfister und Johannes Dunz aus dem Komische-Oper-Ensemble. Für Theo Rüster hat Ranisch aus zwei Nebenrollen die schwule Inge erfunden. ... Im Fokus aber stehen zwei fantastische Frauen: einerseits Gisa Flake als uneitle, sturköpfige Titelheldin mit Power-Präsenz, andererseits Maria-Danae Bansen als platinblonde, brachial berlinernde Chefsekretärin Margueritta Kulicke.
Frederik Hanssen, Der Tagesspiegel
#KOBGisela
8. Juni 2024
Echt flott!
Als in den 1950er Jahren das angloamerikanische Musical weltweit Erfolge feierte, ersannen die Kulturgenossen der damaligen DDR einen verwegenen Plan: als Antwort auf den »Klassenfeind« muss ein eigenes Genre auf den Bühnen des Staates auferstehen. Geboren war das sogenannte »Heitere Musiktheater«, eine Art realsozialistische Operettenform. Die Stücke um Liebesgeschichten literaturunkundiger Fußballer, allzu strenger Vopos und ehrgeiziger Modedesigner waren Zuckerstückchen auf den Spielplänen von Ahlbeck bis Zwickau, wurden allerdings nach der politischen Wende 1989 nur noch selten gespielt. Mit Messeschlager Gisela macht die Komische Oper Berlin nun den Anfang, diesen Teil deutscher Kulturgeschichte wieder auf die Bühne zu bringen. Im Gespräch sprechen Regisseur Axel Ranisch und der musikalischen Leiter Adam Benzwi über verschüttete Traditionen, echten Gemeinsinn und die hohe Kunst der Fröhlichkeit im »Heiteren Musiktheater«.
#KOBGisela
8. März 2024
»Du bist in Berlin, Baby!«
Barrie Kosky und Adam Benzwi über Humor, Liebesflöten und das perfekte Timing in ihrer Inszenierung Die Perlen der Cleopatra
#KOBCleopatra
Interview
6. März 2024
Spielwut von Knast bis Klapse
Dagmar Manzel und Max Hopp über Tempo, Sandkästen und die Schauspielerei in Eine Frau, die weiß, was sie will.
#KOBEineFrau
3. November 2023
Ein Hoch auf die Nummer zwei!
Der musikalische Leiter Adam Benzwi im Gespräch über linke Hände, die hohe Schule der Travestieclubs und pure Lebensfreude in Barrie Koskys Inszenierung Chicago.
#KOBChicago
29.10.2023
Killer-Girls rocken den Knast
Katharine Mehrling als berlinernde Göre Roxy röhrt, tanzt, singt, bettelt, lügt, jammert, gewinnt und verliert einfach hinreißend, ebenso Ruth Brauer-Kvam, ihre Schicksalsschwester Velma, ruchlos, neidisch, böse und geschockt.
Maria Ossowski, rbb24/ARD
#KOBChicago
#Vaudeville
#Musical
29.10.2023
Unmoral siegt!
...hier kickt bald der Musical-Drive, den so nur die Komische Oper kann, groovt das Orchester unter Adam Benzwi besonders lässig und jazzy, reißt es das Publikum am Ende von den Sitzen.
Georg Kasch, Nachtkritik
#KOBChicago
#Vaudeville
#Musical
29.10.2023
Barrie Kosky zeigt die Welt als eine selbstverliebte Show
Nach fünf Minuten weiß man in der Premiere bereits, dass das Ensemble der Komischen Oper in seiner Interimsspielstätte Schillertheater angekommen ist. ... Es gibt Applaus auf offener Szene. Das geht den dreistündigen Abend über so weiter.
Volker Blech, Berliner Morgenpost
#KOBChicago
#Vaudeville
#Musical
29. Mai 2023
»Eine schöne Idee, dem großartigen Aryeh Nussbaum Cohen nach dem Schlusschor noch ein Lied von Herbert Howells anzuvertrauen... Es zeigt Cohen als einen Altus von einzigartigem Schmelz... Rupert Charlesworths Tenorstimme verbindet Klarheit und Unbedingtheit zu einer sprechenden vokalen Geste. Ebenso leuchtet aus Nadja Mchantafs Sopran die reine und einfache Zuneigung der Michal zu David... Dazu kommt ein fantastisch wendiger, klein besetzter, aber wunderbar präsenter Chor, den David Cavelius im Sinne bester britischer Chöre einstudiert hat. Seine Leistung im letzten Bild mit einzeln verlöschenden Einsätzen, der ergreifenden Klage und dem Aufschwung zum Jubelchor formt eine der eindrucksvollsten Chorszenen, die man in den letzten Jahren in Berliner Opernhäusern hören konnte.«
Händels »Saul«: Eine der eindrucksvollsten Chorszenen der letzten Jahre
Peter Uehling, Berliner Zeitung
Peter Uehling, Berliner Zeitung
#KOBSaul
28. Mai 2023
»Ranisch erzählt die Geschichte erfrischend neu ... am Ende stürmischer Beifall für alle. Für Dirigent David Bates und sein furioses Orchester. Beifall für den Chor und die allesamt stimmgewaltigen Solisten. Beifall auch für den Regisseur, der künftig weiter am Haus arbeiten wird. Ein Riesen-Erfolg, um in der Bildsprache zu bleiben.«
Komische Oper: Vor dem Umzug noch ein Highlight — mit »Saul«
Peter Zander, Berliner Morgenpost
Peter Zander, Berliner Morgenpost
#KOBSaul
22. Mai 2023
Die Schwermut der Mächtigen
Regisseur Axel Ranisch und Dirigent David Bates im Gespräch über Familiengeschichten, die Leerstellen im Herzen und die Wichtigkeit, dass jemand an dich glaubt in ihrer Inszenierung des Oratoriums Saul.
#KOBSaul
Oratorium
Interview
31. Januar 2015
Damit ist in dieser Aufführung tatsächlich alles drin, von überdrehtem Tingel-Tangel bis zur eindringlichen Jazz-Ballade. Dieser Abend hat Sogwirkung, ist ganz großes Theater, eine Sternstunde der Saison.
Virtuoser Schleudergang
Eckhard Weber, Siegessäule
Eckhard Weber, Siegessäule
#KOBEineFrau
