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FELIX‘S ROOM

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Eine Handvoll Briefe, eine Kommode und eine Grundriss-Skizze sind alles, was vom Leben von Felix Ganz und seiner Frau Erna in einem sogenannten »Judenhaus« in Mainz zeugt. Hier wurden die beiden ein Jahr lang festgesetzt, nachdem sie aus ihrer Villa mit Rheinblick vertrieben worden waren. Mit der Außenwelt sind sie nur noch durch Geräusche aus der Nachbarschaft und den Blick auf das Hauptquartier der Gestapo auf der anderen Straßenseite verbunden – und durch Felix’ Briefe, in denen aber aus Angst, dass die Gestapo mitlesen könnte, nie die ganze Wahrheit steht.
REKONSTRUKTION EINES LEBENS DURCH HOLOGRAPHISCHE PROJEKTIONEN
Eine Kommode und ein skizzierter Grundriss sind alles, was in einer Ein-Zimmer-Wohnung im sogenannten Judenhaus in der Mainzer Kaiserstraße übrigbleibt. Hier wurden Felix und Erna Ganz ein Jahr lang festgesetzt, nachdem sie aus ihrer Villa mit Rheinblick vertrieben worden waren. Er muss sein Leben als wohlhabender Kaufmann mit internationalen Verbindungen aufgeben. Seine Heimat ist verloren, seine Kinder konnten fliehen. Mit der Außenwelt ist er nur durch Briefe, gelegentliche Geräusche der Nachbarschaft und dem Blick auf das Hauptquartier der Gestapo auf der anderen Straßenseite verbunden. Felix’ Zimmer ist Gefängnis und Gedächtnispalast zugleich, dem er und Erna mithilfe seines Grammophons kurzzeitig entkommen und mit den Geistern von vergangenen ausschweifenden Partys und Reisen in weit entfernte Länder füllen können.

In "Felix‘s Room" fügt Adam Ganz die Geschichte seines Urgroßvaters Felix anhand weniger überlieferter Briefe zusammen, in denen aus Furcht, dass die Gestapo mitlesen könnte, nie die ganze Wahrheit gesagt werden konnte. Unter Leitung des Architekten Matt Shaw rekonstruiert das Team von ScanLAB Projects mit seiner 3D Scan- und Projektionstechnologie das Zimmer nach der Originalskizze und zeichnet die Orte auf, die Felix besuchte. Dieses Gemeinschaftsprojekt verleiht Felix und Erna Bild und Stimme; die Künstler:innen der Komischen Oper Berlin und des Berliner Ensembles hauchen ihrer Geschichte neues Leben ein.
SCANLAB PROJECTS UND ADAM GANZ
Der Schriftsteller und Drehbuchautor Adam Ganz ist Professor am Department of Media Arts an der Royal Holloway University of London und Leiter des Writers Room bei der StoryFutures Academy. Seine Hauptforschungsinteressen konzentrieren sich auf audiovisuelles Erzählen, insbesondere auf die Migration audiovisueller Produktionsprozesse ins Digitale, und andere Formen des kollaborativen Erzählens. ScanLAB Projects ist ein preisgekröntes Kreativstudio aus London. Unter Leitung der Architekten Matt Shaw und William Trossel produziert das Studio einzigartige Kunstwerke, Filme und immersive Installationen mithilfe der innovativen Technik des 3D Scannens. Die preisgekrönten Arbeiten von ScanLAB Projects wurden von BBC, ARTE, National Geographic, The Guardian und der New York Times präsentiert und international von Institutionen wie LACMA, der Biennale, der Louisiana, dem New Museum NYC, der Royal Academy und dem Barbican Centre gezeigt.
Die Produktion wird von der internationalen Theatergruppe Complicité und StoryFutures, dem National Centre for Immersive Storytelling in Großbritannien, unterstützt.

DAS GEMEINSCHAFTSPROJEKT "SPIELRÄUME!
Die Komische Oper Berlin und das Berliner Ensemble haben sich im Rahmen des von der Kulturstiftung des Bundes geförderten Kooperationsprojekts "Spielräume!" zum Ziel gesetzt, neue künstlerisch-digitale Formate zu entwickeln, die digitale Technologien mit den klassischen Elementen, Fähigkeiten und Ressourcen von Theater und Oper verbinden. Im Laufe des Jahres folgen im Rahmen von "Spielräume!" weitere künstlerische und vermittelnde Digital-Projekte in Zusammenarbeit von Komische Oper Berlin und Berliner Ensemble.
Die Koproduktion "Felix‘s Room" ist Teil des Kooperationsprojekts "Spielräume!" gefördert im Programm Kultur Digital der Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.


"Felix’s Room" ist eine Koproduktion von Komische Oper Berlin und Berliner Ensemble in Kooperation mit ScanLAB Projects.

Die Koproduktion "Felix’s Room" ist Teil des Kooperationsprojekts "Spielräume!", gefördert im Programm Kultur Digital der Kulturstiftung des Bundes.

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Die Produktion wird von der internationalen Theatergruppe Complicité und StoryFutures, dem National Centre for Immersive Storytelling in Großbrittanien, unterstützt.
Der Eintritt ist frei. Kostenlose Tickets erhalten Sie über die Theaterkasse oder den Webshop des Berliner Ensembles.

In Kooperation mit

Magazin

09.06.2024

DDR-Operette im Theaterzelt vorm Roten Rathaus: Nadelöhr der Liebe

Ranischs verspielte Version lebt von der Diversität seiner Darsteller, die allesamt echte Charaktere sind, schräge Typen, weit entfernt von der hochprofessionellen Austauschbarkeit der Casts im Kommerzmusical amerikanischer Prägung. Hier treffen singende Schauspieler wie Nico Holonics, Thorsten Merten und Martin Reik auf Andreja Schneider von den Geschwistern Pfister und Johannes Dunz aus dem Komische-Oper-Ensemble. Für Theo Rüster hat Ranisch aus zwei Nebenrollen die schwule Inge erfunden. ... Im Fokus aber stehen zwei fantastische Frauen: einerseits Gisa Flake als uneitle, sturköpfige Titelheldin mit Power-Präsenz, andererseits Maria-Danae Bansen als platinblonde, brachial berlinernde Chefsekretärin Margueritta Kulicke.
Frederik Hanssen, Der Tagesspiegel
#KOBGisela
09.06.2024

Ausgrabung mit Kult-Potenzial

Die Musik ist grandios. Da stimmt alles. Das Tempo und das Timing, die schlagertauglichen Nummern. Alles da und sogar auf Weltniveau, wie es in der DDR immer so schön illusorisch hieß. Und es wird auf dem üblichen Niveau des Hauses von Adam Benzwi von einer Formation des Orchesters der Komischen Oper für das Zelt zündend serviert. ... Gisa Flake gibt die Titelrolle nicht nur schauspielerisch überzeugend als Melange aus Original und Sympathieträgerin, sie singt auch noch fabelhaft. Maria-Danaé Bansen stellt sowohl ihre atemberaubende Berliner Schnauze als auch ihr Sexappeal der Sekretärin Kulicke zur Verfügung. Thorsten Merten ist wie geschaffen für diesen Kuckuck, Andreja Schneider ein Musterbeispiel für den dosierten Einsatz eines weiblichen Selbstbewusstseins, wie man es wohl gerne mehr gehabt hätte.
Roberto Becker, Die Deutsche Bühne
#KOBGisela