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Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse
So schnell kann’s gehen: Der Zusteller klingelt, man nimmt etwas entgegen, unterschreibt. Und ob-wohl man sich eigentlich nicht erinnern kann, eine übergroße Konservendose bestellt zu haben, öff-net man sie und findet darin – ein Kind?!
Die diesjährige Kinderopern-Uraufführung, komponiert von Samuel Penderbayne, bringt eine der bekanntesten Geschichten der österreichischen Autorin Christine Nöstlinger auf die Bühne der Ko-mischen Oper @ Schillertheater. Das Libretto stammt vom Dreamteam Susanne Lütje und Anne X. Weber, die bereits an mehreren Kinderopern am Haus mitgewirkt haben. Auch Regisseurin Ruth Brauer-Kvam (»Nils Holgerssons wundersame Abenteuer«) und die musikalische Leiterin Anne Hin-richsen (»Die kleine Hexe«) waren bereits in den vergangenen Spielzeiten Teil des Kreativteams der neuen Kinderopern.
Die diesjährige Kinderopern-Uraufführung, komponiert von Samuel Penderbayne, bringt eine der bekanntesten Geschichten der österreichischen Autorin Christine Nöstlinger auf die Bühne der Ko-mischen Oper @ Schillertheater. Das Libretto stammt vom Dreamteam Susanne Lütje und Anne X. Weber, die bereits an mehreren Kinderopern am Haus mitgewirkt haben. Auch Regisseurin Ruth Brauer-Kvam (»Nils Holgerssons wundersame Abenteuer«) und die musikalische Leiterin Anne Hin-richsen (»Die kleine Hexe«) waren bereits in den vergangenen Spielzeiten Teil des Kreativteams der neuen Kinderopern.
Eigentlich wollte Frau Berti Bartolotti ja heute Abend mit Herrn Egon in die Oper, aber nun muss sie wohl umplanen. Niemals hätte Berti gedacht, dass sie durch die Fehlzustellung einer Konserven-büchse plötzlich Mutter wird! Die Firma Himmelblau, spezialisiert auf die Fließbandproduktion von Musterkindern, hat ihr das Modell Premium Chromo.XY/3859 geliefert, das einen Seitenscheitel trägt und Konrad heißt. Aber was braucht denn so ein Kind? Und woher weiß man, was es mag? Pe-peroni, Wackelpeter, Schnapspralinen oder doch lieber Ölsardinen? Ach, erstmal von allem ein biss-chen auf den Teller! Konrad liebt Ordnung und Regeln, daher weiß er auch leider nur zu gut, dass brave Kinder ihren Teller immer leer essen …
Schnell haben »Mama« Berti, »Papa« Egon und Freundin Kitti Konrad in ihr Herz geschlossen. Weil sie unbedingt verhindern wollen, dass die Firma Himmelblau ihn wieder abholt, schmieden sie ei-nen wilden Plan: Konrad muss so werden, dass die Firma ihr eigenes Produkt nicht mehr wiederer-kennt – ungehorsam, frech und laut!
Christine Nöstlinger hat die antiautoritäre Erziehung bei ihren eigenen Töchtern ausprobiert. Die Nöstlinger-Mädchen durften toben, Wände anmalen, mit Dingen werfen, wenn ihnen danach zu-mute war - bis die Jüngere ihrer Mutter eines Tages den Schulranzen entgegenschleuderte und dazu den Vorwurf: »Ich möchte endlich einen, der mir sagt, was ich tun soll.« Auch die Geschichte von »Konrad« zeigt, wie schädlich übermäßige Strenge und starre Regeln sein können, dass Eltern nicht perfekt sein müssen und dass Fehler erlaubt sind – bei Kindern genauso wie bei Erwachsenen. Kinder sieht die Autorin nicht als »unfertige Erwachsene«, die geformt werden müssen, sondern als eigenständige Persönlichkeiten mit eigenen Bedürfnissen, Gedanken und Gefühlen.
Die rebellischen und humorvollen Außenseitergeschichten von Christine Nöstlinger wurden zu ge-liebten Klassikern der österreichischen Kinderliteratur. Ruth Brauer-Kvam inszeniert die Urauffüh-rung von Samuel Penderbaynes Kinderoper Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse als far-benfrohes modernes Märchen über Zusammenhalt und Unterschiedlichkeit, über die Bedeutung von Familie und die Frage, was es heißt, perfekt zu sein.
Chorsolisten von der Zeitschrift »Opernwelt« ausgezeichnet
Komische Oper Berlin hat den »Chor des Jahres«
Die Chorsolisten der Komischen Oper Berlin mit ihrem Chorleiter David Cavelius sind in der Kritiker-umfrage der Zeitschrift »Opernwelt« als »Chor des Jahres« der Spielzeit 2024/25 ausgezeichnet worden! Der Titel geht damit zum dritten Mal nach 2007 und 2015 an die Komische Oper Berlin.
Die Ko-Intendanz, Susanne Moser und Philip Bröking, ist glücklich über die abermalige Auszeich-nung: »In der vergangenen Spielzeit haben unsere Chorsolisten bei zahlreichen Inszenierungen (da-runter »MESSIAS« von G.F. Händel und »Echnaton« von Philip Glass) eine beeindruckende und au-ßergewöhnliche Leistung gezeigt. Dass das von den Kritikerinnen und Kritikern der »Opernwelt«-Umfrage ebenso gesehen wird, bestätigt, dass unsere Chorsolisten für die künstlerische Arbeit der Komischen Oper Berlin eine herausragende Rolle spielen.«
Hervorgehoben wurde von Chefredakteur Jürgen Otten die »phänomenale Spielfreude: der auch sängerisch fabelhafte, von David Cavelius prächtig einstudierte Chor« in der Neuproduktion von »Echnaton« (Regie: Barrie Kosky). Für die Umfrage werden unabhängige Kritiker und Kritikerinnen nach ihrer persönlichen Spielzeitbilanz befragt. Zu den Opernhäusern des Jahres wurde das Opern-haus Zürich in der letzten Spielzeit in der Intendanz von Andreas Homoki gekürt. Dirigent des Jahres ist zum achten Mal der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker Kirill Petrenko.
Hier wird's Ereignis!
Tausend in Tempelhof
»Denken Sie sich, dass das Universum zu tönen und zu klingen beginnt.« So sprach Gustav Mahler über seine 8. Sinfonie. Das Ausnahmewerk wird gern als »Sinfonie der Tausend« bezeichnet, denn Mahlers Besetzungsanforderungen sind riesig: zwei gemischte Chöre, ein Knabenchor, acht Solist:innen, ein Riesenorchester, eine Orgel und eine Extra-Bläser-Gruppe. Da überrascht es wenig, dass von allen Werken Gustav Mahlers die 8. Sinfonie dem Komponisten bei ihrer Uraufführung den größten Erfolg bescherte.
Vor gut 3.200 Menschen spielte laut Ankündigungszettel bei der Uraufführung im September 1910 die beachtliche Zahl von 1.030 Mitwirkenden – das würde selbst heute noch mühelos als Großspektakel durchgehen.
»Veni, creator, spiritus!«: Mit diesem Pfingsthymnus – der Anrufung des Heiligen Geistes – beginnt Teil 1 der Sinfonie. Für Teil 2 verwendet Mahler die Schluss-Szene aus Goethes Faust II: »Gerettet ist das edle Glied der Geisterwelt vom Bösen«, die den Weg von Fausts Seele in den Himmel beschreibt. Es heben Engel und weiteres himmlisches Flug-Personal die aus den Klauen des Teufels gerettete Seele Fausts hinauf in die Sphären des »Ewig-Weiblichen«. Die Musik steigert sich zu einer gewaltigen Apotheose,
in der die gesamte Besetzung – bis hin zur Orgel des Anfanges – zum
Einsatz kommt. Im finalen Orchesternachspiel wird das »Veni«-Thema aus
dem 1. Teil von einem Fernorchester gespielt – der Wunsch nach Erleuchtung
hat sich erfüllt. Faust, der Frühindustrielle und Sphären-Erweiterungs-Techniker, passt bestens in das industrielle Bauwerk Tempelhof. Da wird Mahlers 8. Sinfonie ganz einmalig »tönen und klingen« können; zumal Generalmusikdirektor James Gaffigan höchstselbst am Pult stehen und den Flug durch Mahlers Universum steuern wird.
This Jesus Must Dance!
Jesus Christ Superstar
Gesangstexte von Tim Rice
Musik von Andrew Lloyd Webber
Musik von Andrew Lloyd Webber
Zu Beginn der Spielzeit öffnet der Hangar 4 im Flughafen Tempelhof abermals seine Tore für ein Großereignis der Superlative: Nach hunderten Chorsänger:innen bei Händels »MESSIAS« in der vergangenen Spielzeit erwarten das Publikum bei »Jesus Christ Superstar« nun mehrere hundert Tänzer:innen! Regisseur Andreas Homoki und Bühnenbildner Philipp Stölzl verwandeln den Raum in eine monumentale Rockshow-Kulisse, genau passend für einen richtigen Superstar ...
War Jesus der Messias? Hat er die Menschheit erlöst? Und warum suchte er sich ausgerechnet das besetzte Israel vor über 2000 Jahren als Wirkungsstätte aus? – Es sind durchaus nachvollziehbare Fragen, die sich Judas im Song »Superstar« stellt. Für die 1970 noch unbekannten Musicalgrößen Tim Rice und Andrew Lloyd Webber war das Lied Ausgangspunkt für ein Konzeptalbum, das sich bald zu einem weltweiten Bühnenerfolg entwickelte. Die überlebensgroße Rockoper ist geprägt von gefühlvollen Balladen, schrillen Revue-Einlagen, aber auch Elementen aus Rock, Pop, Gospel, Folk, und gipfelt in einem Gitarrenriff für die Ewigkeit.
Eindrucksvoll thematisiert »Jesus Christ Superstar« die Wirkung von Massenmedien und Starkulten. Folgerichtig konzeptioniert Regisseur Andreas Homoki im Flughafen-Hangar ein gigantisches Rockkonzert. Die Charaktere sind also einerseits selbst Teil einer Show, greifen aber auch immer wieder in die Handlung ein. Die Tänzer:innen der Komischen Oper Berlin werden von 350 Freizeittänzer:innen unterstützt. In dieser Größenordnung wurde »Jesus Christ Superstar« vermutlich noch nie gespielt – für jeden Fan des Großspektakels ein absolutes Muss!
This Jesus Must Dance!
Jesus Christ Superstar - Zusatzvorstellungen!
Gesangstexte von Tim Rice
Musik von Andrew Lloyd Webber
Musik von Andrew Lloyd Webber
Wie auch bei anderen Superstars ist der Run auf Tickets für »Jesus Christ Superstar« bereits enorm – und weil die Nachfrage so groß ist, gibt es zwei zusätzliche Vorstellungen am 7. und 8. Oktober! Tickets für diese Termine sind ab sofort telefonisch unter +49 (0) 30 47 99 74 00, an der Opernkasse Unter den Linden und online erhältlich.
Premiere: 19. September @ Hangar 4, Flughafen Tempelhof
Weitere Vorstellungen am 20., 21., 27., 28., 30. September, 1., 2., 3., 4., 5., 7. Oktober, letzte Vorstellung am 8. Oktober.
Premiere: 19. September @ Hangar 4, Flughafen Tempelhof
Weitere Vorstellungen am 20., 21., 27., 28., 30. September, 1., 2., 3., 4., 5., 7. Oktober, letzte Vorstellung am 8. Oktober.
Das Chorkonzert unter den Sinfoniekonzerten
Stimmen
Die Komische Oper Berlin verfügt über einen Opernchor der Sonderklasse. Auszeichnungen der Fachzeitschrift »Opernwelt« als Opernchor des Jahres belegen dies, aber eigentlich muss man sie in ihrer vollen Wucht einfach erleben, die Chorsolisten der Komischen Oper Berlin!
Normalerweise brillieren sie in Produktionen vom Händel-Oratorium bis zur Berliner Jazz-Operette ebenso munter tanzend wie hochprofessionell spielend. In diesem Konzert nun sind alle Kräfte fokussiert auf die Kernkompetenz: exquisiter Chorklang der Extraklasse. Mit großen romantischen Werken des Genres von Alexander Zemlinsky und Erich Wolfgang Korngold bis zu selten Gehörtem von Franz Schreker unter der Leitung von Chordirektor David Cavelius.
Normalerweise brillieren sie in Produktionen vom Händel-Oratorium bis zur Berliner Jazz-Operette ebenso munter tanzend wie hochprofessionell spielend. In diesem Konzert nun sind alle Kräfte fokussiert auf die Kernkompetenz: exquisiter Chorklang der Extraklasse. Mit großen romantischen Werken des Genres von Alexander Zemlinsky und Erich Wolfgang Korngold bis zu selten Gehörtem von Franz Schreker unter der Leitung von Chordirektor David Cavelius.
Die beiden 1896 entstandenen Gedichtsvertonungen »Frühlingsglaube« und »Frühlingsbegräbnis« von Alexander Zemlinsky eröffnen dieses besondere Chorkonzert. Die Vertonung des Gedichts »Frühlingsglaube« von Ludwig Uhland kam aufgrund widriger Umstände allerdings erst 1988 in Köln zur Uraufführung.
Das Gedicht »Frühlingsbegräbnis« von Paul Heyse erzählt von Elfenscharen, die klagend den Frühling betrauern, Zemlinskys Werk für Sopran- und Baritonsolo, gemischten Chor und großes Orchester ist aber statt nur dem des Frühlings auch dem Andenken des vom Komponisten hochverehrten Johannes Brahms gewidmet.
Auch Franz Schreker bewunderte Brahms‘ romantischen Klassizismus. Schrekers 1901 uraufgeführte Vertonung des 116. Psalms ist an Brahms‘ Tonsprache angelehnt und weist dieselbe Besetzung wie Brahms »Deutsches Requiem« auf – möglicherweise, um eine gemeinsame Aufführung der beiden Werke anzuregen…?
Die ursprüngliche Besetzung von Schrekers »Der Holdestein« bestand aus Sopran- und Basssolo, gemischtem Chor und Klavier. David Cavelius, Chordirektor der Komischen Oper Berlin, hat Schrekers Klavierbegleitung arrangiert, sodass »Der Holdestein« bei diesem Sinfoniekonzerterstmals in vollem Orchesterklang zu hören ist.
Franz Schrekers Opus 11 für gemischten Chor und Orchester»Schwanensang« wurde 1903 im Wiener Musikverein uraufgeführt. Der impressionistische, melancholische Text des spätromantischen Chorwerks stammt von der Wiener Dichterin Dora Leen.
Für seine üppige, romantizistische Filmmusik wurde Erich Wolfgang Korngold zweimal mit einem Oscar ausgezeichnet. Das Lied »Tomorrow« schuf er für den 1943 erschienenen Film »The Constant Nymph.
Zu hören sind:
ALEXANDER ZEMLINSKY
Frühlingsglaube
Frühlingsbegräbnis
FRANZ SCHREKER
Der 116. Psalm
Der Holdestein (Orchesterfassung von David Cavelius)Schwanensang
ERICH WOLFGANG KORNGOLD
Tomorrow
Stab
Musikalische Leitung: David Cavelius
Besetzung
Sopran: Penny Sofroniadou
Alt: Ulrike Helzel
Bariton: Hubert Zapiór
Chorsolisten und Orchester der Komischen Oper Berlin.
Goldener Vorhang für Katharine Mehrling
Die Besucherorganisation Berliner Theaterclub e. V. verleiht seit über 45 Jahren jährlich die Auszeichnung Goldener Vorhang an die beliebteste Bühnendarstellerin und den beliebtesten Bühnendarsteller Berlins. Bereits zum achten Mal fiel die Wahl der mehr als 18.000 Mitglieder auf Katharine Mehrling! Sie bekommt den Preis in diesem Jahr für ihre Darstellung der Roxie Hart in »Chicago« (Regie: Barrie Kosky) an der Komischen Oper Berlin sowie ihr Brecht-Programm »Fremder als der Mond« am Berliner Ensemble.
Erst im vergangenen Jahr wurde Katharine Mehrling für ihre facettenreiche Darstellung im Kurt-Weill-Liederabend »…und mit morgen könnt ihr mich!« ausgezeichnet. Den ersten Goldenen Vorhang erhielt sie 2010 mit dem Ensemble von »Ewig jung« am Renaissance-Theater. Als alleinige Preisträgerin wurde sie danach als beliebteste Bühnendarstellerin in den Jahren 2013, 2015, 2016, 2018, 2019 und 2023 ausgezeichnet. Das beweist ihre große Vielseitigkeit, da sie den Goldenen Vorhang bereits für Darstellungen in zahlreichen Genres — darunter Musical, Operette und Liederabend — erhielt.
Als beliebtester Bühnendarsteller wurde Boris Aljinović bereits am 27. Mai für seine Darstellungen in »Onkel Wanja« am Schlosspark-Theater und »Cluedo — Das Mörderspiel« in der Komödie am Kurfürstendamm geehrt.
Die Verleihung der Goldenen Vorhangs an Katharine Mehrling findet am 14. Juni im Schillertheater im Anschluss an die Vorstellung von »Lonely House« statt.
Ein Sinfoniekonzert nicht nur mit Mozart
Frühlingsgefühle
Es liegt eine bittersüße Note in der Musik Wolfgang Amadeus Mozarts, die zu beschreiben sich die Menschen seit Jahrhunderten die Zähne ausbeißen. Ist es die Fröhlichkeit in der Tiefe? Oder das Melancholische in der Süße? Parallel zu Don Giovanni/Requiem entsteht mit dem Klavierkonzert Nr. 22 ein Werk, das eben genau jenen Charakterton in sich trägt und dessen sich der norwegische Pianist Christian Ihle Hadland annimmt: packend und tänzerisch – und nicht eine Sekunde banal.
Ebenso leichtfüßig wie Mozart eröffnet Elena Kats-Chernins Dance of the Paper Umbrellas das Programm. Für dieses lebensbejahende Werk hatte die usbekisch-australische Komponistin eine klare Vision: »Ich stellte mir eine Torte vor, die mit bunten Papierschirmen verziert war. In meinem Kopf entstand ein Tanz, der mit einem Muster aus Harfe, Marimba, gezupften Streichern und Flöten begann.«
Grażyna Bacewiczs rasante Ouvertüre für Orchester, die während des Zweiten Weltkrieges 1943 im von den Nazis besetzten Warschau entstand, bildet mit ihren zahlreichen Tempowechseln die damals aufkeimenden heroischen Widerstandsimpulse ab und zieht die Hörer:innen mit in diese frenetische Atmosphäre, die niemals stillsteht.
Ravels Märchen-Zyklus Ma mère l’oye rundet den Abend effektvoll ab. Er vereint bekannte Märchenstoffe in Miniaturszenen, die kindlich schlicht daherkommen, dabei aber zu jeder Zeit ein geistreiches impressionistisches Klangbild offenbaren. Von Dornröschen über den kleinen Däumling zur Schönen und dem Biest… Eine Achterbahn der (Frühlings-)Gefühle!
Zu hören sind:
ELENA KATS-CHERNIN [*1957]
Dance of the Paper Umbrellas
WOLFGANG AMADEUS MOZART [1756–1791]
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 22 in Es-Dur KV 482
GRAŻYNA BACEWICZ [1909–1969]
Ouvertüre für Orchester
MAURICE RAVEL [1875–1937]
Ma mère l’oye. Cinq Pièces enfantines
Stab
Musikalische Leitung: James Gaffigan
Besetzung
Klavier: Christian Ihle Hadland
Es spielt das Orchester der Komischen Oper Berlin.
Heilig? Ist ihm nichts!
Don Giovanni/Requiem
Wolfgang Amadeus Mozart
Dramma giocoso in zwei Akten [1787]
Libretto von Lorenzo Da Ponte
Requiem in d-Moll KV 626 [1791]
Introitus, Kyrie, Sequenz
Dramma giocoso in zwei Akten [1787]
Libretto von Lorenzo Da Ponte
Requiem in d-Moll KV 626 [1791]
Introitus, Kyrie, Sequenz
In seinem furchtlosen Zugriff auf das Meisterwerk zeigt Serebrennikov die abseitigen Vergnügungen des Lebemanns Don Giovanni als Vorbereitungen auf das Jenseits und lässt dazu auf dessen Höllenfahrt Mozarts Totenmesse folgen.
In seiner Inszenierung verbindet Kirill Serebrennikov das Requiem mit dem tausende Jahre alten Tibetischen Totenbuch, das eine Art Leitfaden für die Seele des Sterbenden darstellt. Es lehrt, dass der Tod nicht das Ende sei, sondern, dass der Mensch auch nach dem Tod noch Entscheidungen treffen könne und das eigene Schicksal selbst in der Hand habe. Die Verbindung entstand, da die beiden Werke einander in ihrer Funktion ähneln: Sowohl im Requiem als auch im Tibetischen Totenbuch geht es vorrangig tatsächlich um den Verstorbenen selbst – weniger um das Trösten der Hinterbliebenen.
Mit diesen Änderungen aber nicht genug: Statt einer Donna Elvira gibt es in dieser Neuinszenierung einen Don Elviro – und was für einen! Der brasilianische Male Soprano Bruno de Sá gibt in dieser fulminanten Partie sein Debüt an der Komischen Oper Berlin.
Für die Wiener Erstaufführung von »Don Giovanni« im Frühjahr 1788 überarbeiteten Mozart und Da Ponte die Fassung wesentlich und schufen eigens für Wien drei neue Nummern: die Arien »Dalla sua pace« (Don Ottavio) und »Mi tradì« (Donna Elvira) sowie ein Duett für Zerlina und Leporello, das heute üblicherweise gestrichen wird. Alle drei Nummern sind in dieser Produktion zu hören!
Am Schillertheater vollendet Kirill Serebrennikov seinen Mozart-Da-Ponte-Zyklus mit der wohl abgründigsten der drei komischen Opern, in der Don Giovanni höchstselbst das Publikum mit auf eine Tour durch die überlebensgroße Sammlung seiner Errungenschaften und Erinnerungen nimmt. Die Musikalische Leitung übernimmt, wie bereits bei »Le nozze di Figaro«, Generalmusikdirektor James Gaffigan.
Das literarische Sinfoniekonzert
Klang der Stille
Florian Illies liest Auszüge aus »Zauber der Stille. Caspar David Friedrichs Reise durch die Zeiten«: In seinem Roman blickt der studierte Kunsthistoriker Florian Illies weit zurück in die deutsche Romantik und zeichnet anhand des Lebens des Malers Caspar David Friedrich eine Epoche der deutschen Geschichte nach, die in sich den Keim der Moderne trägt. Er präsentiert Friedrich als Maler gottesfürchtiger Innerlichkeit am Rande des Abgrunds zum Abstrakten. Das Sinfoniekonzert »Klang der Stille« liefert den Soundtrack und zeigt, dass Friedrich nicht der Einzige war, der diesen künstlerischen Weg ging.
Carl Maria von Webers Ouvertüre zu »Oberon« bildet mit dem Ruf des Zauberhorns eine langsame romantische Einleitung und eröffnet dem Publikum eine Welt voller Fantasie und Abenteuer. Bekannt als früheste sinfonische Dichtung brachte die Ouvertüre dem Komponisten sogar die Verehrung Richard Wagners ein. Während Franz Schubert mit seinen Ouvertüren »im italienischen Stile« 1818 den Beweis führte, dass ihm auch der spielerisch-dramatische Tonfall eines Rossini leicht von der Hand ging, stellt die Melancholie in seiner Musik zum Schauspiel »Rosamunde« wieder die Verbindung zu der Stimmung vieler Werke Caspar David Friedrichs her. Der postromantische Minimalismus von Wojchech Kilars 1986 komponiertem Werk »Orawa« wurzelt seinerseits in der Naturverbundenheit des 19. Jahrhunderts, die sich auch in vielen Werken des Malers zeigt. Sein Titel bezieht sich auf den namensgleichen polnisch-slowakischen Fluss. Mit Arnold Schönbergs »Verklärter Nacht« beschließt den Abend ein Meilenstein der spätromantischen Musik. In dieser eindrucksvollen Komposition für Streichorchester entfaltet sich eine tiefgründige emotionale Reise, die die Sehnsucht der Epoche in sich vereint.
Florian Illies hatte bereits mit seinem Erstling »Generation Golf« den großen Durchbruch als Chronist der deutschen Befindlichkeit. In jüngster Zeit begeisterten seine feuilletonistischen Kompilationen »1913« und »Liebe in Zeiten des Hasses« das Publikum. Diese Werke lassen schlaglichtartig die Epochen kurz vor den Weltkriegen lebendig werden.
Zu hören sind:
CARL MARIA VON WEBER [1786–1826]
Ouvertüre aus Oberon
FRANZ SCHUBERT [1797–1828]
Ouvertüre »im italienischen Stile« D 591
Musik zum Schauspiel Rosamunde, Fürstin von Zypern D 797
WOJCIECH KILAR [1932–2013]
Orawa
ARNOLD SCHÖNBERG [1874–1951]
Verklärte Nacht op. 4 für Streichorchester
Florian Illies liest Auszüge aus Zauber der Stille. Caspar David Friedrichs Reise durch die Zeiten.