Stärke und Verletzlichkeit
Die koreanische Sängerin Gloria Jieun Choi hat sich mit ihrem leuchtenden Sopran und ihrer intensiven Bühnenpräsenz einen Namen gemacht. An der Komischen Oper ist sie nun als Titelheldin in Puccinis „Madama Butterfly“ zu erleben. Sie will nicht nur die Tragik der verlassenen Geisha zeigen, sondern auch ihre innere Stärke zum Ausdruck bringen.
Das Singen wurde Gloria Jieun Choi nicht erst in die Wiege gelegt. Schon vor ihrer Geburt wünschte sich ihre Familie, sie eines Tages auf der Bühne zu sehen. »Als meine Mutter mit mir schwanger war, hat sie mit meiner Großmutter dafür gebetet, dass ich einmal Sängerin werde. Mein künstlerischer Weg begann also sehr früh«, erzählt Choi, die in der koreanischen Hauptstadt Seoul aufwuchs. Ihre Eltern waren beide große Musikliebhaber. »Mein Vater leitete einen Kirchenchor, und meine Mutter, die selbst gerne sang, förderte mein Talent. Meine Stimme klingt ganz ähnlich wie ihre«, erzählt die Sopranistin.
Nach dem Studium in Korea kam sie an die Hanns-Eisler-Musikhochschule in Berlin. »Das war für mich eine wichtige Erfahrung«, erinnert sie sich. »In meiner Heimat hatte ich gelernt, äußerst diszipliniert zu arbeiten und auf alle technischen Details zu achten.« In Deutschland lernte sie dann, sich auch als Künstlerin weiterzuentwickeln. »Mir wurde bewusst, wie sehr es auf die eigene Interpretation und die persönliche Ausdruckskraft ankommt. Heute versuche ich, technische Präzision mit künstlerischer Freiheit zu verbinden. Beides ergänzt sich ideal.«
Choi, die für ihren leuchtenden Sopran und eine charismatische Bühnenpräsenz gelobt wird, war zunächst Ensemblemitglied am Staatstheater Cottbus und gewann in der Zeit mehrere internationale Wettbewerbe. Die Bandbreite ihres Repertoires ist beachtlich. Italienische Opern zählen ebenso dazu wie Mozarts »Zauberflöte«, der »Rosenkavalier« von Richard Strauss oder Wagners »Ring des Nibelungen«. Bei ihrem Debüt an der Komischen Oper übernimmt sie jetzt die Titelpartie der Cio-Cio-San in Giacomo Puccinis »Madama Butterfly«. Regie führt Andrea Breth. Ihre Inszenierung, die sich durch eine poetische Bildsprache auszeichnet, hatte bereits 2024 beim Festival d’Aix-en-Provence Premiere.
»Musik ist für mich eine universelle Sprache«, bekennt Choi. »Die menschlichen Gefühle, die sie ausdrückt, sind zeitlos und ähneln sich überall auf der Welt.« Auch die koreanische Kultur hilft ihr dabei, Brücken zwischen unterschiedlichen Welten zu schlagen. »Der Begriff ›Han‹ steht bei uns für ein tiefes Gefühl, in dem sich Schmerz, Trauer und Sehnsucht mit einer gewissen inneren Stärke verbinden. In der Musik von Verdi oder Puccini finde ich oft ähnliche Emotionen, die ich als Koreanerin sicherlich sehr intensiv ausdrücken kann. Vielleicht gelingt es mir deshalb, den Figuren eine ganz persönliche Tiefe zu verleihen.«
Die vom Vater ihres Kindes verlassene japanische Geisha Cio-Cio-San sei eine junge Frau mit eigenen Träumen und Hoffnungen, sagt sie über Puccinis Opernheldin. »Was mich besonders berührt, ist der Gegensatz zwischen ihrer Stärke und Verletzlichkeit. ›Madama Butterfly‹ ist für mich nicht bloß eine tragische Liebesgeschichte. Hier geht es auch um ein Machtgefälle, kulturelle Unterschiede und nicht zuletzt um menschliche Würde. Auf der Bühne möchte ich nicht nur ihr Leiden zeigen, sondern vor allem ihren Mut und ihre Kraft.«
Puccinis Oper, in deren Musik auch japanische Klänge einfließen, spricht sie wegen der schönen Gesangslinien an. An Breths Inszenierung interessiert sie wiederum der starke Kontrast zwischen den schönen Bildern und der erschütternden Geschichte. »Mir ist es wichtig, die intensiven Gefühle von Cio-Cio-San nicht immer ganz direkt auszudrücken. Auch stille, kleine Gesten können viel sagen. Ich möchte einen Menschen mit all seinen Emotionen und inneren Konflikten darstellen.«
Corina Kolbe, Der Tagesspiegel – Spielzeit (11/2026)
Stärke und Verletzlichkeit
Nach dem Studium in Korea kam sie an die Hanns-Eisler-Musikhochschule in Berlin. »Das war für mich eine wichtige Erfahrung«, erinnert sie sich. »In meiner Heimat hatte ich gelernt, äußerst diszipliniert zu arbeiten und auf alle technischen Details zu achten.« In Deutschland lernte sie dann, sich auch als Künstlerin weiterzuentwickeln. »Mir wurde bewusst, wie sehr es auf die eigene Interpretation und die persönliche Ausdruckskraft ankommt. Heute versuche ich, technische Präzision mit künstlerischer Freiheit zu verbinden. Beides ergänzt sich ideal.«
Choi, die für ihren leuchtenden Sopran und eine charismatische Bühnenpräsenz gelobt wird, war zunächst Ensemblemitglied am Staatstheater Cottbus und gewann in der Zeit mehrere internationale Wettbewerbe. Die Bandbreite ihres Repertoires ist beachtlich. Italienische Opern zählen ebenso dazu wie Mozarts »Zauberflöte«, der »Rosenkavalier« von Richard Strauss oder Wagners »Ring des Nibelungen«. Bei ihrem Debüt an der Komischen Oper übernimmt sie jetzt die Titelpartie der Cio-Cio-San in Giacomo Puccinis »Madama Butterfly«. Regie führt Andrea Breth. Ihre Inszenierung, die sich durch eine poetische Bildsprache auszeichnet, hatte bereits 2024 beim Festival d’Aix-en-Provence Premiere.
»Musik ist für mich eine universelle Sprache«, bekennt Choi. »Die menschlichen Gefühle, die sie ausdrückt, sind zeitlos und ähneln sich überall auf der Welt.« Auch die koreanische Kultur hilft ihr dabei, Brücken zwischen unterschiedlichen Welten zu schlagen. »Der Begriff ›Han‹ steht bei uns für ein tiefes Gefühl, in dem sich Schmerz, Trauer und Sehnsucht mit einer gewissen inneren Stärke verbinden. In der Musik von Verdi oder Puccini finde ich oft ähnliche Emotionen, die ich als Koreanerin sicherlich sehr intensiv ausdrücken kann. Vielleicht gelingt es mir deshalb, den Figuren eine ganz persönliche Tiefe zu verleihen.«
Die vom Vater ihres Kindes verlassene japanische Geisha Cio-Cio-San sei eine junge Frau mit eigenen Träumen und Hoffnungen, sagt sie über Puccinis Opernheldin. »Was mich besonders berührt, ist der Gegensatz zwischen ihrer Stärke und Verletzlichkeit. ›Madama Butterfly‹ ist für mich nicht bloß eine tragische Liebesgeschichte. Hier geht es auch um ein Machtgefälle, kulturelle Unterschiede und nicht zuletzt um menschliche Würde. Auf der Bühne möchte ich nicht nur ihr Leiden zeigen, sondern vor allem ihren Mut und ihre Kraft.«
Puccinis Oper, in deren Musik auch japanische Klänge einfließen, spricht sie wegen der schönen Gesangslinien an. An Breths Inszenierung interessiert sie wiederum der starke Kontrast zwischen den schönen Bildern und der erschütternden Geschichte. »Mir ist es wichtig, die intensiven Gefühle von Cio-Cio-San nicht immer ganz direkt auszudrücken. Auch stille, kleine Gesten können viel sagen. Ich möchte einen Menschen mit all seinen Emotionen und inneren Konflikten darstellen.«
Corina Kolbe, Der Tagesspiegel – Spielzeit (11/2026)
Stärke und Verletzlichkeit