In Memorian
Anny Schlemm
22. Februar 1929 – 20. August 2026
Die Komische Oper Berlin trauert um ihr Ehrenmitglied Anny Schlemm. Sie verstarb am 20. August 2026 im Alter von 97 Jahren in Graz.
Anny Schlemm war eine der herausragenden Sängerdarstellerinnen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Einen entscheidenden Einfluss auf ihre Karriere hatte dabei ihre frühe Begegnung mit dem Regisseur Walter Felsenstein, der sie 1949 als 20-Jährige erstmals an die Komische Oper Berlin verpflichtete: »Ihm verdanke ich alles, was ich bin. Er hat mich gelehrt, eine Rolle nicht nur zu singen, nicht nur zu spielen, sondern zu sein.« Diese von Felsenstein entscheidend geprägte Verbindung von Gesang und Darstellung sollte Anny Schlemm ihrerseits zur prägenden Kraft an der Komischen Oper der 1950er und 1960er Jahre machen. Marksteine waren hier der Cherubino im »Figaro«, die Marie in »Die verkaufte Braut« oder Micaëla in »Carmen«, vor allem aber ihr alle Opferklischees hinter sich lassendes, auf Selbstbestimmtheit setzendes Porträt der Desdemona in Verdis »Otello«. 1963 fand sie dann zu einer ihrer Lebensrollen, der Boulotte in Felsensteins legendärer Inszenierung von Offenbachs »Ritter Blaubart«: Über 250-mal verkörperte sie diese Partie mit einer geradezu überbordenden darstellerischen Energie, die nie auf Kosten der sängerischen und sprachlichen Präzision ging.
Anny Schlemm war eine der herausragenden Sängerdarstellerinnen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Einen entscheidenden Einfluss auf ihre Karriere hatte dabei ihre frühe Begegnung mit dem Regisseur Walter Felsenstein, der sie 1949 als 20-Jährige erstmals an die Komische Oper Berlin verpflichtete: »Ihm verdanke ich alles, was ich bin. Er hat mich gelehrt, eine Rolle nicht nur zu singen, nicht nur zu spielen, sondern zu sein.« Diese von Felsenstein entscheidend geprägte Verbindung von Gesang und Darstellung sollte Anny Schlemm ihrerseits zur prägenden Kraft an der Komischen Oper der 1950er und 1960er Jahre machen. Marksteine waren hier der Cherubino im »Figaro«, die Marie in »Die verkaufte Braut« oder Micaëla in »Carmen«, vor allem aber ihr alle Opferklischees hinter sich lassendes, auf Selbstbestimmtheit setzendes Porträt der Desdemona in Verdis »Otello«. 1963 fand sie dann zu einer ihrer Lebensrollen, der Boulotte in Felsensteins legendärer Inszenierung von Offenbachs »Ritter Blaubart«: Über 250-mal verkörperte sie diese Partie mit einer geradezu überbordenden darstellerischen Energie, die nie auf Kosten der sängerischen und sprachlichen Präzision ging.
In den Folgejahrzehnten verlagerte sich der Schwerpunkt ihrer Karriere an die Oper Frankfurt, die nach dem Mauerbau zu ihrem dauerhaften künstlerischen Zuhause wurde. Ihre ungebrochene Verbundenheit mit der Komischen Oper Berlin zeigte sie jedoch in den 1990er Jahren, als Harry Kupfer, in dessen Bayreuther »Der fliegende Holländer« sie zuvor die Mary gesungen hatte, sie für seine Inszenierungen »Der gewaltige Hahnrei« und »Das Märchen vom Zaren Saltan« zurückholte. 1997 euphorisierte sie mit einer unvergesslichen Gräfin in »Pique Dame« noch einmal das Publikum. Und unglaubliche 50 Jahre nach ihrem ersten Engagement stand sie 1999 als Öffentliche Meinung in Offenbachs »Orpheus in der Unterwelt« letztmals in einer Premiere auf der Bühne unseres Hauses.
Mit Anny Schlemm tritt eine Ausnahmekünstlerin ab, eine große Persönlichkeit und eine Pionierin des realistischen Musiktheaters. Unsere Anteilnahme gilt ihren Angehörigen. Wir aber bleiben dankbar zurück.
Mit Anny Schlemm tritt eine Ausnahmekünstlerin ab, eine große Persönlichkeit und eine Pionierin des realistischen Musiktheaters. Unsere Anteilnahme gilt ihren Angehörigen. Wir aber bleiben dankbar zurück.