In Memoriam: Arwid Lagenpusch

Die Komische Oper Berlin trauert um Arwid Lagenpusch, der am 9. September im Alter von 92 Jahren verstorben ist. Von Anfang der 1960er Jahre bis Mitte der 1990er Jahre war Arwid Lagenpusch an der Komischen Oper Berlin als Fotograf beschäftigt, so dass er über eine Zeit von 34 Jahren hinweg im Wortsinne das Bild unseres Hauses mitbestimmte.

1934 im litauischen Vilkaviškis (Wilkowischken) geboren, kam er 1943 als Neunjähriger nach Potsdam, dessen Nachkriegszustand er früh fotografisch dokumentierte. Als an der Komischen Oper Berlin die Stelle eines Hausfotografen zu besetzen war, entschied sich Walter Felsenstein einer anekdotischen Überlieferung zufolge für Lagenpusch mit den Worten: »Er ist Autodidakt, er weiß, was er will.«

Wer sich heute ein Bild von den großen Inszenierungen der Felsenstein-, Herz- und Kupfer-Jahre oder auch der Choreografien von Tom Schilling machen möchte, kommt an den Aufnahmen Arwid Lagenpuschs nicht vorbei. Sie hoben sich deutlich von der Brecht’schen Modellbuch-Tradition ab und hielten die Aufführungen als lebendige Momente fest. Lagenpuschs Gespür für gestische Spannung ist auch in seinen Aufnahmen aus dem Theateralltag und nicht zuletzt in seinen Porträtstudien gegenwärtig.

Mit Arwid Lagenpusch verlieren wir einen Fotografen, der die Theaterdokumentation als Kunst betrieb. Unser aufrichtiges Beileid gilt seinen Angehörigen.

Susanne Moser & Philip Bröking