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Das Floß der Medusa
Monumentales Werk im Flughafen Tempelhof
Raus aus dem Haus, rein in die Kieze! In den kommenden Jahren steht jeweils zum Spielzeitbeginn eine große Produktion an außergewöhnlichem Ort auf dem Spielplan der Komischen Oper Berlin. Erste Station: Flughafen Tempelhof (Hangar 1). Erstes Werk: Hans Werner Henzes Menschlichkeitsbefragung Das Floß der Medusa.
83 Chorsänger:innen, über 40 Statist:innen, 20 Chorknaben, 82 Musiker:innen und drei Solist:innen erzählen in dieser überlebensgroßen Inszenierung von Regisseur Tobias Kratzer vom bedrohlichen Diktat der Knappheit und dem Willen zu überleben.
83 Chorsänger:innen, über 40 Statist:innen, 20 Chorknaben, 82 Musiker:innen und drei Solist:innen erzählen in dieser überlebensgroßen Inszenierung von Regisseur Tobias Kratzer vom bedrohlichen Diktat der Knappheit und dem Willen zu überleben.
150 Menschen treiben auf hoher See einer ungewissen Zukunft entgegen. Kaum Platz und zu wenig Nahrung bietet das dürftige Floß der havarierten »Medusa«. Offiziere und Kommandanten auf dem seetauglicheren Rettungsboot haben das Tau zum Floß längst gekappt, um sich selbst zu retten und überlassen den Rest der Besatzung ihrem Schicksal. Unter den Verratenen und Unterdrückten bricht der Kampf ums nackte Überleben aus. — 1816 kenterte das französische Schiff »Medusa« auf hoher See vor der Küste Senegals. Nur wenig Menschen konnten sich retten und zwar auf unsagbare Weise. Der französische Maler Théodore Géricault hielt das Ereignis in einem eindrücklichen Gemälde fest, das bei seiner Ausstellung im Pariser Salon 1819 für einen Skandal sorgte, der bis heute nachhallt.
Ebenso skandalös war Hans Werner Henzes und Librettist Ernst Schnabels »Oratorio volgare e militare«. 1968, in einer Zeit der revolutionären Studentenproteste trafen sie mit diesem Che Guevara gewidmeten Werk den Nerv der Zeit. Denn Das Floß der Medusa ist ein musikalisches Bekenntnis gegen die Herrschaft des Menschen über den Menschen. Seine klanglich aufgewühlte Komposition zeigt das Unrecht hochdramatisch und drastisch. Ein Meilenstein des Musiktheaters des 20. Jahrhunderts, im Glauben daran, dass Wegsehen keine Lösung ist.
Die Ko-Intendant:innen Susanne Moser und Philip Bröking: »Das wird für die Komische Oper Berlin in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnliches Ereignis! Wir sind sehr froh, dass unser erster ‚Satellit‘ im Flughafen Tempelhof starten kann! Denn wie bereits die Eröffnungspremiere der Spielzeit 2022/23 — Luigi Nonos Intolleranza 1960 — hat auch Das Floß der Medusa nichts von seiner Aktualität eingebüßt und wird durch die besondere Inszenierung noch intensiver erfahrbar gemacht: Regisseur Tobias Kratzer legt den humanistischen Kern von Henzes Vertonung dieses brutalen Falls der Klassenherrschaft frei und überträgt ihn in einer bildgewaltigen Inszenierung auf den riesigen Hangar des Flughafens Tempelhof. - Wir danken der Tempelhof GmbH für ihre Unterstützung.«
Seit der Schließung des Flughafens im Jahr 2008 beherbergen die sieben Hangars wechselweise Geflüchtete, Sozialprojekte und Kulturveranstaltungen. Das Bühnenbild von Rainer Sellmaier holt den Ozean in den 6000 m² großen Hangar und bietet Henzes revolutionärem Werk zwischen zwei Zuschauertribünen den Raum, aus jeder möglichen Perspektive betrachtet zu werden.
MUSIKALISCHE LEITUNG Titus Engel INSZENIERUNG Tobias Kratzer BÜHNENBILD UND KOSTÜME Rainer Sellmaier DRAMATURGIE Julia Jordà Stoppelhaar CHÖRE David Cavelius LICHT Olaf Freese
BESETZUNG: LA MORT Gloria Rehm JEAN-CHARLES Günter Papendell
CHARON N. N.
Chorsolisten der Komischen Oper Berlin, Staats- und Domchor Berlin und Vocal-
consort Berlin.
Der Vorverkauf für die Das Floß der Medusa-Vorstellungen startet am Mittwoch, 15. März 2023, 11 Uhr!
Achtung! Nur fünf Termine in zwei Wochen! Premiere am 16. September,
weitere Vorstellungen am 23., 26., 28. September, letzte Vorstellung am 30. September, jeweils 20.00.
Così fan tutte
»Liebe ist nichts für Anfänger:innen«
Kirill Serebrennikovs Inszenierung seziert die Seelenzustände der beiden Frauen, ihren Umgang mit der Trauer und das körperliche Verlangen zwischen zwei Menschen und macht damit Mozarts Meisterwerk sinnlicher erfahrbar denn je. Aus dem weiblichen »tutte« im Titel, wörtlich, »so machen es alle Frauen(!)«, wird bei Serebrennikov ein universeller Bilderreigen, der die Komplexität von Anziehung, Trauer, Treue und Sex einer modernen Beziehung mit Mozarts Musik verbindet. Das Werk verurteilt keine der Figuren, sondern ermöglicht den Zuschauenden einen tiefen Blick in die Herzen vierer Liebender.
Als Kirill Serebrennikovs Inszenierung von Così fan tutte 2018 am Opernhaus Zürich entstand, saß der Regisseur in Russland in Hausarrest. Sein Choreograph und Assistent Evgeni Kulagin leitete die Proben. Über seinen Anwalt als Mittelsmann konnte Serebrennikov Aufzeichnungen erhalten und mithilfe von Videobotschaften aus der Ferne seine Regiearbeit fortsetzen. Für die Berliner Fassung an der Komischen Oper führte Serebrennikov nun zum ersten Mal in Anwesenheit Regie bei Così fan tutte.
Così fan tutte bildet an der Komischen Oper Berlin den Auftakt einer Da-Ponte-Trilogie, jene drei Opern, die Mozart mit seinem herausragenden Librettisten Lorenzo Da Ponte schrieb: Così fan tutte, Le nozze di Figaro und Don Giovanni.
Nach American Lulu und Il barbiere di Siviglia ist Così fan tutte bereits die dritte Arbeit von Regisseur Kirill Serebrennikov an der Komischen Oper Berlin.
Transatlantic
Sinfoniekonzert mit James Gaffigan und John Chest
Mit einem Programm zwischen den Kontinenten stellt sich James Gaffigan als designierter Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin dem Publikum vor. Solist ist Bariton John Chest.
Vier Komponisten des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart, die sich zwischen den kulturellen Zentren New York und Berlin verorten: Der gebürtige Berliner Lukas Foss, der die Konventionen einer amerikanischen Cocktailparty in eine absurd-komische Kurzoper zu gießen weiß, Paul Hindemiths in den USA entstandene Metamorphose, der US-Amerikaner Samuel Barber, dessen erste Sinfonie wiederum in Europa entstand und die dennoch den Sound Amerikas in sich trägt, und eine Uraufführung des Komponisten Sven Daigger maßgeschneidert für die Komische Oper Berlin – sie alle vereint, dass sie sich, egal auf welchem Kontinent, in keine Schublade stecken lassen.
Zu hören sind am 24. Februar, 20.00:
Lukas Foss [1922–2009]
Introductions and Good-Byes, Libretto: Gian Carlo MenottiPaul Hindemith [1895–1963]
Sinfonische Metamorphosen von Themen Carl Maria von WebersSven Daigger [*1984]
Schwärmen in V Formationen, Auftragskomposition der Komischen Oper Berlin (Uraufführung)Samuel Barber [1910–1981]
Sinfonie Nr. 1 op. 9
Tom Sawyer
»Gib jedem Tag die Chance, der Schönste deines Lebens zu werden.«
Nachdem Kurt Weill Mitte der 1930er Jahre in die USA emigriert war, schrieb er 1949 fünf Lieder für ein Musical nach Mark Twains Abenteuer-Roman. Weill konnte das Werk zwar nicht mehr vollenden, aber mit weiteren Stücken aus seiner Feder ergänzt, feiert die Kinderoper Tom Sawyer nun doch ihre wohlverdiente Premiere auf der Bühne der Komischen Oper Berlin!
Das wird spannendes Musiktheater für Kinder mit starken Nerven (ab Grundschulalter)! Wir zeigen Mark Twains Kinderbuchklassiker über Freundschaft, wilde Abenteuer, das Erwachsenwerden und die erste zarte Liebe mit der Musik des Deutsch-Amerikaners Kurt Weill.
In einer kleinen Stadt am Mississippi genießt Tom Sawyer ein unbeschwertes Leben bei seiner Tante Polly. Seine größten Probleme: Jeden Tag in die Schule gehen zu müssen, Becky, die ihn nicht mal anschaut und der doofe Streber Alfred Temple. Eines Nachts aber werden Tom und sein bester Freund Huckleberry Finn Zeugen eines schauerlichen Mordes. Aus Furcht vor dem gefährlichen Täter schwören sie sich, keinem etwas zu verraten. Als der Verdacht dann aber auf den Falschen fällt, ist der Mut und der Zusammenhalt der beiden Jungen gefragt…
Die Rache der Fledermaus
Die Fledermaus im alle Grenzen sprengenden Taschenformat
Stefan Huber, der an der Komischen Oper Berlin mit seinen Inszenierungen von Clivia und Roxy und ihr Wunderteam Erfolge feierte, braucht nicht mehr als einige Sessel, ein paar Requisiten und stilechte Kostüme für diese irrwitzige Show! Und wer Stefan Kurt bereits als Zaza in La Cage aux Folles erlebt hat, sollte ihn nicht in seiner unschlagbar virtuosen Spielfreude als Frosch verpassen!
Pünktlich zum 75. Geburtstag der Komischen Oper Berlin kehrt Johann Strauss’ Die Fledermaus, zurück – jenes Werk, mit dem Walter Felsenstein 1947 das Haus an der Behrenstraße eröffnete. Jetzt allerdings in einer radikal neuen Fassung mit Bass, Gitarre und schrägen Rhythmen! Die Komische Oper Berlin zeigt den Klassiker in einer Form, die Operettenfans wie -skeptiker:innen gleichermaßen zu begeistern vermag.
In ihrer witzig-schrägen Bearbeitung der Fledermaus bedienen sich der musikalische Leiter Kai Tietje und Regisseur Stefan Huber respektlos aller musikalischer Klischees, verarbeiten die Hits des Walzerkönigs zu Swing und Tango oder lassen die berühmte Ouvertüre a-cappella erklingen. In der Geschichte um Vergnügungssucht, Schadenfreude und elende Besäufnisse singen, spielen und betrügen die Geschwister Pfister, während Stefan Kurt als dauerbesoffener Gefängniswärter Frosch durch das Geschehen stolpert. Begleitet werden sie dabei von den drei Zucchini-Sistaz, Kai Tietje am Klavier und Akkordeon und dem auf zehn Instrumenten fast gleichzeitig spielenden Francesco Carpino. Musik und Figuren wirbeln – nicht zuletzt dank der mitreißenden Choreographien von Danny Costello – wild durch die musikalische Zauber- und Mottenkiste, von der Belle Époque bis zur Hippie-Zeit.
Uraufführung von Felix's Room
Komische Oper Berlin und Berliner Ensemble zeigen im Juni ein digitales Hybridprojekt von Adam Ganz und ScanLAB Projects
Felix’s Room, in der Regie von Adam Ganz und ScanLAB Projects, ist eine Koproduktion von Komische Oper Berlin und Berliner Ensemble in Kooperation mit ScanLAB Projects.
Komische Oper Berlin und Berliner Ensemble zeigen Ende Juni 2023 in Berlin als Koproduktion die digital-hybride Uraufführung Felix‘s Room, inszeniert von Adam Ganz und dem Kreativstudio ScanLAB Projects. Die theatrale Installation mit Musik wurde im Rahmen des von der Kulturstiftung des Bundes geförderten Verbundprojektes Spielräume! von einer Jury unter über 300 internationalen Bewerbungen ausgewählt. Ziel der Ausschreibung war es, ein Pilotprojekt jenseits der klassischen Grenzen von Schauspiel und Musiktheater zu ermöglichen, das einen neuen Blick und neue Möglichkeiten in Bezug auf digital-animierte Kunst eröffnet und den analogen und digitalen Raum miteinander verbindet. Die Uraufführung wird auf einer eigens für die Produktion eingerichteten Bühne am Berliner Ensemble stattfinden.
Komische Oper Berlin und Berliner Ensemble zeigen Ende Juni 2023 in Berlin als Koproduktion die digital-hybride Uraufführung Felix‘s Room, inszeniert von Adam Ganz und dem Kreativstudio ScanLAB Projects. Die theatrale Installation mit Musik wurde im Rahmen des von der Kulturstiftung des Bundes geförderten Verbundprojektes Spielräume! von einer Jury unter über 300 internationalen Bewerbungen ausgewählt. Ziel der Ausschreibung war es, ein Pilotprojekt jenseits der klassischen Grenzen von Schauspiel und Musiktheater zu ermöglichen, das einen neuen Blick und neue Möglichkeiten in Bezug auf digital-animierte Kunst eröffnet und den analogen und digitalen Raum miteinander verbindet. Die Uraufführung wird auf einer eigens für die Produktion eingerichteten Bühne am Berliner Ensemble stattfinden.
Dieses historische Drama, das die Lebensgeschichten von Felix Ganz und seiner Frau Erna auf Grundlage von Archivquellen rekonstruiert, entwickelt neue digitale Erzählformen an der Schnittstelle von Theater, Musik und technischer Innovation. Das Publikum wird mithilfe von projizierten holographischen Effekten und Bühnenbildern aus hochaufgelösten 3D-Scans in das Leben von Felix Ganz versetzt, der 1942 in ein Judenhaus gesperrt wurde und in Briefen und Zeitdokumenten auf seine Vergangenheit zurückblickt. Die ausgefeilte Hologramm-Technologie erlaubt es dabei, reale Orte, Reisen und Erinnerungen auf der Bühne erlebbar zu machen.
Schall&Rausch
Festival für brandneues Musiktheater vom 17. bis 26. Februar 2023
Am 17. Februar startet unter dem Namen Schall&Rausch unser neues, jährlich stattfindendes Festival für brandneues Musiktheater! Auf dem Areal der ehemaligen Kindl-Brauerei in Berlin-Neukölln – im Vollgutlager, SchwuZ Queer Club und im KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst – finden bis zum 26. Februar verschiedenste Performances, Installationen und Konzerte von etablierten sowie aufstrebenden Künstler:innen statt.
Ohne Scheu vor Melodien, Beats und Stroboskopen bringt die Komische Oper Berlin das Musiktheater zehn Tage lang zum Glühen! Opernstimmen treffen auf Elektrosound, Profis auf Laien, Lokales auf Internationales, der Musiker und Regisseur Schorsch Kamerun auf den chinesischen Künstler Tianzhuo Chen, der belgische Performer und Regisseur Benjamin Abel Meirhaeghe auf Künstler:innen des südafrikanischen, von William Kentridge gegründeten Centre for the Less Good Idea … um in guter Komische-Oper-Tradition den Spagat zwischen Experiment und Pop, Tiefgang und funkelnder Oberfläche zu wagen.
Auf dem Areal der ehemaligen Kindl-Brauerei in Berlin-Neukölln – zwischen fußläufig erreichbarem Vollgutlager, KINDL - Zentrum für zeitgenössische Kunst und SchwuZ Queer Club – lädt Schall&Rausch dazu ein, brennende Themen und experimentierfreudige Musik mit popkulturellem Glanz und Glamour zu feiern.
Schall&Rausch pulsiert im Rhythmus der Gegenwart und kratzt am Putz des Musiktheaters. Es gibt einen Ausblick auf eine mögliche Zukunft des Genres und zugleich auf die bevorstehende Sanierungszeit, in der die Komische Oper Berlin ihr Stammhaus verlässt und an verschiedenen Orten der Stadt zu Gast sein wird. Mit Schall&Rausch wagt sie einen großen Schritt hinaus in die Stadt!
La Cage Aux Folles
(Ein Käfig voller Narren)
Jerry Herman schuf mit La Cage aux Folles einen Klassiker des Musical-Genres: einmal gehört, bekommt man dessen bekannteste Melodie »I am what I am« nicht mehr aus dem Ohr! Inszeniert von Barrie Kosky wird es zum immer gültigen Plädoyer für den Mut, zu sich selbst und zueinander zu stehen.
»Ich bin, was ich bin und was ich bin, ist kein Geheimnis« – und das soll es auch nicht sein! – 1983 schallt ein Befreiungsschlag vom Broadway bis nach London, Paris, Wien und Berlin und läutet den Siegeszug eines Musicals ein, das alle aufatmen lässt, die sich ein Leben jenseits kleinkarierter Konventionen wünschen. Ein Plädoyer dafür, den eigenen Gefühlen zu trauen, sich nicht zu verstellen und so die Welt zu einem ein bisschen bunteren, schöneren und lebenswerteren Ort zu machen.
Die deutsche Erstaufführung 1985 am Theater des Westens mit Helmut Baumann als Zaza ist legendär. Er darf in Barrie Koskys Inszenierung natürlich nicht fehlen - diesmal als elegante Restaurantbesitzerin Jacqueline!
Let’s celebrate!
Die Komische Oper Berlin feiert 75. Geburtstag
In einer festlichen Gala, inszeniert von Opern- und Filmregisseur Axel Ranisch, feiert das Haus an der Behrenstraße seine 75-jährige Geschichte in Ton und Bild und mit ganz viel Musik, Zuschauer:innen und seinem Ensemble. Es werden neben der Ko-Intendanz Susanne Moser und Philip Bröking auch die Ehemaligen Andreas Homoki, Barrie Kosky, dem Sohn des Gründers der Komischen Oper, Christoph Felsenstein, und natürlich auch die Publikumslieblinge Nadja Mchantaf, Günter Papendell, Dagmar Manzel, Stefan Kurt, Max Hopp und viele andere auf der Bühne dabei sein.
Begonnen hat alles im bitterkalten Winter 1947, pünktlich zum Weihnachtsfest: die Berliner:innen erhielten ein ganz besonderes Geschenk. Denn am 23. Dezember 1947 wurde inmitten des vom Krieg zerstörten Stadtzentrums zum allerersten Mal in der neu gegründeten Komischen Oper gespielt! Die Türen der Komischen Oper am Ort des ehemaligen Metropol-Theaters öffneten sich. Auf dem Programm stand »Die Fledermaus«.
Es war die Geburtsstunde eines Musiktheaters, das die Welt der Oper revolutionieren sollte. An diesem Haus, dessen Geschicke wie kein anderes von starken Regiepersönlichkeiten geprägt wurden, setzte Gründer Walter Felsenstein weltweit neue Standards für die Opernbühne. Sein Motto: »Musik, die nicht aus dem dargestellten Vorgang wächst, hat nichts mit Theater zu tun, und eine Darstellung, die sich nicht präzise und künstlerisch gültig mit der Musik identifiziert, sollte besser auf Musik verzichten«, inspiriert bis heute das Ensemble und die Regisseur:innen.
Auf Walter Felsenstein folgten Joachim Herz, Harry Kupfer, Andreas Homoki und zuletzt Barrie Kosky, von denen jeder die Handschrift des Hauses nachhaltig beeinflusste.
Durch die turbulente (deutsch-)deutsche Geschichte hindurch bestand die Komische Oper als Konstante, an der so manche Weltkarriere begann. Von der deutschen Teilung bis zur Wiedervereinigung, vom Aufbau des fast völlig zerstörten Berlins – die Komische Oper Berlin war eines der wenigen Theater, dessen Zuschauerraum fast unversehrt blieb – bis zur bevorstehenden Sanierung für die Oper von morgen spiegelten sich die historischen Zeitläufe immer auch am Haus selbst.
Zurückschauen heißt deshalb an der Komischen Oper Berlin auch immer nach vorne schauen! Denn das Gebäude der Komischen Oper Berlin ist inzwischen in die Jahre gekommen. Ab Sommer 2023 werden die Kisten für den Umbau gepackt und das Haus umfassend saniert, modernisiert und erweitert. Den seit langem geplanten Umzug anzutreten, wird allerdings auch höchste Zeit: es wird auch Abschied genommen von einer bröckelnden Saaldecke, maroden Sanitäranlagen und einer Bühnentechnik, die knirscht und knarzt.
Das Haus wird jedoch nicht nur in einen zeitgemäßen baulichen Zustand mit moderner Theater- und Gebäudetechnik überführt, das Opernhaus für das 21. Jahrhundert wird sich weiter zur Stadt und ihrer Gesellschaft hin öffnen. Der entstehende Neubau mit Büro- und Probenräumen, Shop, Café und Besucherterrasse auf dem Dach wird somit ein Ort der Begegnungen. – Das ist der Blick in die Zukunft! Auf die nächsten 75 Jahre!
Dank gilt all jenen Menschen, die mit ihrem Einsatz, ihrem Engagement und ihrer Neugierde zu den vergangenen 75 Jahren Komische Oper Berlin beigetragen haben: Künstler:innen, Mitarbeiter:innen, Politiker:innen, Förder:innen, Journalist:innen und insbesondere – dem Publikum!
Seit 1. Dezember gibt es einen Geburtstags-Countdown auf der Homepage der Komischen Oper, der die Zuschauer:innen mit besonderen Geschenken überrascht!
Musikalische Leitung: Erina Yashima
Mit Solist:innen und Chorsolisten der Komischen Oper Berlin, Es spielt das Orchester der Komischen Oper Berlin.
23. Dezember 2022, 19.30
Oyayaye / Fortunios Lied
(konzertant)
Nach dem Erfolg der konzertanten Jazz-Operetten zur Weihnachtszeit schlägt die Komische Oper Berlin ein neues Kapitel auf – genauer gesagt das erste Kapitel der Operette überhaupt: Die feurige Feder von Jacques Offenbach, dem Urvater der modernen Operette, steht nun im Mittelpunkt! Den Auftakt bilden die zwei Einakter Oyayaye und Fortunios Lied. Die könnten zwar unterschiedlicher kaum sein, werden aber von Schauspiellegende Burghart Klaußner, der als Fortunio höchstpersönlich durch den Abend führt, fest in den Händen gehalten. Und Max Hopp gibt seinen Einstand als Regisseur an der Komischen Oper Berlin!
Auch wenn Titel wie Orpheus in der Unterwelt, Die schöne Helena oder Hoffmanns Erzählungen ihren festen Platz auf den Bühnen dieser Welt haben, so waren es doch die Einakter, die Jacques Offenbach zum großen Durchbruch verhalfen: schwungvoll und auf den Punkt, mit pfeffrigem Humor gewürzt und getragen von einigen seiner besten Melodien! Die Entstehung von Oyayaye fällt in dasselbe Jahr, in dem Offenbach mit »seinem« Theater, dem Théâtre des Bouffes-Parisiens erste große Erfolge feierte und steht somit ganz am Beginn seiner Karriere als Musiktheater-Komponist.
Nach einem desaströsen Konzert flieht der mittellose Kontrabassvirtuose Racle-à-mort und schifft sich als Matrose ein. Blöd nur, dass er in der Südsee Schiffbruch erleidet und auf der Insel der menschenfressenden Königin Oyayaye landet … Der alternde Advokat Fortunio würde sich auf ein solches Eiland wiederum geradezu wünschen. Ein Herzensbrecher sondergleichen, wacht er inzwischen verbissen über seine junge Frau Marie. Nicht zu Unrecht, hat sich doch Valentin, sein Sekretär, in die Schönheit verliebt. Als dieser nun die Noten zu eben jenem geheimnisvollen Lied findet – mit dem Fortunio einst die Frauenwelt bezirzte – und es einzusetzen weiß, ist die Zeit der jungen Liebenden gekommen.
In der Beziehung zwischen dem Kontrabassvirtuosen Schrubdichwund und der Menschenfresserin Oyayaye erzählt Jacques Offenbach die zeitlose Parabel des Künstlers, der vor seinem Publikum bestehen muss und sonst »gefressen« wird. Während das parodistische Oyayaye mit seinem wilden Witz vor allem den Exotismus späterer Werke wie Häuptling Abendwind oder auch Robinson Crusoe vorwegnimmt zeigt Offenbach sich mit Fortunios Lied voller emotionaler Feinheiten.
Die Melodie, die Fortunios Lied im gleichnamigen Werk bildet, entstand schon viele Jahre vor der eigentlichen »Opérette« und begleitete Offenbach als Talisman bis zu seinem Tod. Sie wurde bei seiner Totenmesse auf der Orgel gespielt zu seinem letzten Geleit.