Selam Opera!

Das Türkisch-Projekt der Komischen Oper Berlin

Die Komische Oper Berlin versteht sich als ein offenes Opernhaus und setzt auf Vielfalt. Daher möchte sie verstärkt Publikum mit türkischen Wurzeln für Oper begeistern und sich als einen Ort des regen gesellschaftlichen Dialogs aller Kulturen etablieren. So stand in der Spielzeit 2013/14 wieder die Kinderoper Ali Baba und die 40 Räuber aus der Feder des in Berlin lebenden türkischen Komponisten Taner Akyol auf dem Programm.

Mit Unterstützung der Deutsche Bank Stiftung, der Robert Bosch Stiftung und der Mercedes-Benz Niederlassung Berlin besteht darüber hinaus ein umfangreiches Vermittlungsangebot mit Workshops und informativen Veranstaltungen der verschiedensten Art. Das zentrale Element des Projekts »Selam Opera!« ist der Dialog, die Gelegenheit zu einem offenen Austausch.

Jetzt zu bestellen: die Publikation »Selam Opera! Interkultur im Kulturbetrieb«

(Ausschnitt aus der Publikation Selam Oper! Interkultur im Kulturbetrieb)

Anne-Kathrin Ostrop
Interkultur an der Komischen Oper Berlin

Kurzer Abriss über die Geschichte der Migration in Deutschland und Berlin
Die gesamte Geschichte der Menschheit ist geprägt von Wanderungsbewegungen der Menschen. Gewollt oder gezwungenermaßen änderten Menschen ihren Lebensort, was sowohl Verlust (der alten Heimat) und Gewinn (von neuen Erfahrungen) für die migrantische Bevölkerung und die bleibende Bevölkerung (Verlust von Mitmenschen und Gewinn von neuen Mitmenschen mit ihren Erfahrungen) bedeutete. Migration an sich ist also nichts Neues und stellt doch für alle Beteiligten eine große Herausforderung dar. Nach den großen Vertreibungen und Deportationen infolge des Zweiten Weltkrieges und den häufig nicht selbstbestimmten Wohnorten der Menschen, kommt es in der Bundesrepublik Deutschland ab 1955 durch einen starken Arbeitskräftemangel zu einem Zuzug von Arbeitern u. a. aus Jugoslawien, Griechenland, Portugal, Italien, Tunesien und der Türkei. Der Bau der Berliner Mauer verschärfte den Arbeitskräftemangel massiv.[i]In Anwerbeabkommen wurden die Anzahl der sogenannten Gastarbeiter und ihre Aufenthaltsdauer in binationalen Verträgen geregelt. Das zunächst eingeführte Rotationsprinzip, das die Aufenthaltsdauer von sogenannten Gastarbeitern, auch Arbeitsmigranten genannt, auf maximal zwei Jahre beschränkte, und das Verbot des Familiennachzugs wurde in der Neufassung des Anwerbeabkommens mit der Türkei bereits im Jahr 1964 außer Kraft gesetzt. Nach der wirtschaftlichen Rezession infolge der Ölkrise im Jahr 1973 entschloss sich die Politik zu einem Anwerbestopp und dazu, den bereits in der Bundesrepublik arbeitenden Gastarbeitern, darunter ca. 500.000 bis 750.000 Türkeistämmige, die Wahl zu lassen, ob sie dauerhaft in die Türkei zurückkehren oder – und dazu entschieden sich die allermeisten – in der Bundesrepublik Deutschland bleiben wollen. Die Gastarbeiter haben massiv zum „Wirtschaftswunder“ nach dem Zweiten Weltkrieg beigetragen. In der DDR fand ebenfalls eine Immigration von sogenannten Vertragsarbeitnehmern statt. Die meisten von ihnen stammten aus Vietnam und lebten in speziell für sie eingerichteten Wohnkomplexen. In West-Berlin kam es durch die wenig visionäre und nicht-vorausschauende Sozial-und Städtebaupolitik (und dem nicht vorhersehbaren Verlauf der Geschichte) dazu, dass sich die türkeistämmigen „Arbeitsmigranten“ mit ihren nachziehenden Familien in den Stadtteilen ansiedelten, in denen die Mieten niedrig waren. Dies war vor allem in den immer noch vom Krieg zum Teil beschädigten oder aber nicht flächensanierten Arbeitervierteln wie Kreuzberg, Wedding oder Neukölln der Fall. Zwar gehört Segregation (= Entmischung) zum Wesen einer Stadt, weil sich Menschen zu ihresgleichen gesellen. „Dennoch kann das für die Integrationspolitik aus zwei Gründen von Nachteil sein: Zum Einen verhindern sprachlich-religiöse Enklaven einen intensiven Austausch mit der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Zum Anderen kann Segregation zu einer Konzentration von sozial benachteiligten Familien in Armutsvierteln führen.“[ii]
Darüber nimmt die Mehrheitsgesellschaft diese Viertel zunehmend als Parallelgesellschaft wahr, und die entscheidenden gesellschaftlichen Einflussmöglichkeiten wie Schule, Arbeitsmarkt und Sozialwesen haben sich nur unzureichend auf die sich verändernden Bedürfnisse ihrer veränderten, bunteren Bürgerschaft eingestellt. Dies wurde für den Bildungsbereich spätestens im Jahr 2001 der breiten Öffentlichkeit bekannt, als die ersten PISA-Ergebnisse veröffentlicht wurden: Das deutsche Bildungssystem benachteiligt systematisch Einwandererkinder. Der Schulerfolg der Kinder ist in Deutschland extrem stark vom sozialen Status ihrer Herkunftsfamilie abhängig. Bei mangelhafter Schulausbildung ist folglich der Übergang in die Berufsausbildung und anschließend von der Ausbildung in die Beschäftigung erschwert. Dies ist insofern für ein interkulturelles Projekt eines Opernhauses von Bedeutung, wissen wir doch, dass die sogenannte Hochkultur-Nutzung vom Bildungsstand abhängig ist.[iii]
Mittlerweile(2014) hat jeder vierte Berliner einen Migrationshintergrund. Nahezu eine Viertel Million Menschen in Berlin blicken auf eine türkeistämmige Familiengeschichte. Im Schuljahr 2013/14 sind 40 % der Berliner Grundschüler nicht-deutscher Herkunftssprache.[iv]

Die Geschichte von Migration und Sprechtheater in Deutschland
Bereits seit den 1960er Jahren haben sich Gastarbeiter in Amateur-Theatergruppen zusammengeschlossen. Da die bundesdeutsche Politik die Haltung vertrat, dass die Gastarbeiter nur eine begrenzte Zeit in Deutschland bleiben würden, um nach wenigen Jahren wieder in ihre Herkunftsländer zurückzugehen, wurde die Beschäftigung mit der Sprache und Kultur des Herkunftslandes gefördert und keinerlei staatliche Unterstützung zu einer Professionalisierung der eigentlichen Theaterarbeit geleistet.[v]
Diese Grundhaltung führte dazu, dass bis heute migrantisches Theater fast ausschließlich in der freien Szene eine Heimat fand. Mit der Gründung desTheaters an der Ruhr in Mülheim im Jahr 1980 durch den Regisseur Roberto Ciulli, den Dramaturgen Helmut Schäfer und den Bühnenbildner Gralf-Edzard Habben und der Gründung des deutsch-türkischen Arkadas Theaters durch den Lehrer Necati Sahin (und später Lale Konuk) im Jahr 1986 in Köln kam es erstmals zu einer Professionalisierung von migrantischem Theater. Unter der Schirmherrschaft von Fatih Akin wurde 2008 das Ballhaus Naunynstraße in Berlin von Shermin Langhoff als translokales Theater neu eröffnet und ist seitdem ein „Kristallisationspunkt für KünstlerInnen migrantischer und postmigrantischer Verortung und darüber hinaus …“[vi] Auch andere professionelle Bühnen (Deutsches Theater Berlin, Theater Dortmund, Bühnen der Stadt Köln etc.) öffneten sich nun für migrantische oder postmigrantische Themen, Darsteller und Darstellungsweisen. Zu einer ersten Sammlung der aktuellen Entwicklung rund um „Migration und Theater“ kam es beider Jahreskonferenz der Dramaturgischen Gesellschaft am Theater Freiburg im Januar 2011, so dass diese Konferenz 50 (!) Jahre nach der Unterzeichnung des Anwerbeabkommens mit der Türkei die Anerkennung von Migration als Thema auch für die Sprechtheatersparte des deutschen Stadt- und Staatstheaters darstellt.[vii]

Komische Oper Berlin – Oper für alle
Die Komische Oper Berlin, die im Jahr 1947 unter diesem Namen von Walter Felsenstein eröffnet wurde, versteht sich seit jeher als ein weltoffenes und bürgernahes Opernhaus, als „Oper für alle“. Der Name bezieht sich auf die Pariser Opéra comique, die mit ihren gesprochenen Dialogen im Gegensatz zur höfischen Opéra seria als volksnah und unmittelbar verständlich galt. Diese Haltung, ein Opernhaus für alle zu sein, führte im Jahr 2002 zu der Gründung des Bereiches „Komische Oper Jung“[viii], der das Opernhaus für Kinder und Jugendliche sowohl künstlerisch auf der Bühne als auch durch spezielle Vermittlungsangebote öffnete. In den Workshops für Kinder und Jugendliche wird die sich verändernde Bevölkerungsstruktur Berlins sichtbar, da sich die vielen verschiedenen Nationen, Kulturen und Traditionen in der Schülerschaft widerspiegeln. Unterschiedliche religiöse, musikalische, moralische, sprachliche Lebenserfahrungen werden von den Schülern und Jugendlichen in die Workshops eingebracht und hinterfragen die Kunstform grundlegend.[ix] Diese Vielfalt kann als Aufgabe, aber auch als weitreichende Chance von Globalisierung und Freiheit verstanden werden. Die daraus resultierende Notwendigkeit, sich als Opernhaus interkulturell zu öffnen und erstmalig ein darauf zielendes Projekt an einem Opernhaus zu etablieren, ist aus der täglichen musiktheaterpädagogischen Arbeit der Komischen Oper Berlin entstanden. 

Was ist seitdem geschehen?
Durch die Erfahrungen in den Workshops, die Beschäftigung mit dem demografischen Wandel in Deutschland allgemein (Stichworte: „weniger – älter – bunter“), durch die Lektüre von Heiner Gembris’[x] und Hans Neuhoffs[xi] Ergebnisse zur Publikumsentwicklung in der Zukunft und nicht zuletzt durch die Feststellung, dass von den rund 450 Mitarbeitern der Komischen Oper Berlin bislang kein einziger türkischer Herkunft war, entwickelte sich die Erkenntnis, dass das Opernhaus etwas unternehmen muss, um mit der sich verändernden Gesellschaft auch die Zusammensetzung seines Publikums weiter zu entwickeln. Interessanterweise kommen die Impulse zu einer interkulturellen wie partizipativen Öffnung von Kulturinstitutionen sehr häufig aus den Vermittlungsabteilungen[xii] der Institutionen, wenn sie denn den Begriff „Vermittlung“ als „permeabel in beide Richtungen“ verstehen – als Kulturvermittlung nach außen und Kulturvermittlung in die Institution hinein.[xiii] In einer Klausurtagung zu Beginn des Jahres 2010 diskutierten die Mitarbeiter von Geschäftsführung, Dramaturgie, Musiktheaterpädagogik, Öffentlichkeitsarbeit und Sponsoring/Fundraising der Komischen Oper Berlin gemeinsam mit den Experten Dr. Martin Greve, Nesrin Tanç und Frank Albers von der Robert Bosch Stiftung über die Möglichkeiten und Grenzen einer interkulturellen Öffnung des Opernhauses. Als Grundlage für diesen Klausurtag diente unter anderem das Buch Interkultur[xiv] von Mark Terkessidis, die Broschüre des Berliner Senats[xv] und die Daten über die Besucherzahlen[xvi] und -struktur der Komischen Oper Berlin. Gemeinsam entwickelten die Anwesenden ein interkulturelles Projekt, das aus zielgruppenspezifischenVermittlungsmaßnahmen, türkischen Übersetzungen der Libretti, spezifischer Öffentlichkeitsarbeit und Ethnomarketing sowie einer lernenden Grundhaltung der Institution Opernhaus bestehen sollte.

Das Konzept
Die Komische Oper Berlin möchte sich interkulturell öffnen. Zunächst soll der Blick vermehrt auf die türkeistämmigen Berliner gerichtet werden. Es soll auf persönlichem Wege Kontakt zu ihnen aufgenommen werden, um sie langfristig als neues Publikum der Komischen Oper Berlin gewinnen zu können. Dabei muss bedacht werden, dass es nicht die eine türkische Community in Berlin gibt – vielmehr ist sie genauso diversifiziert wie die gesamte Bevölkerung in einer globalisierten Stadt. Den Kern des Pilotprojektes bilden zielgruppenspezifische Vermittlungsmaßnahmen sowie das Angebot türkischer Übersetzungen der Libretti in den Untertitel-Displays. Oftmals nämlich sorgt die Befürchtung, in der Oper „nichts zu verstehen“ und der Handlung nicht folgen zu können, gepaart mit diffusen Vorurteilen – dass ein Opernbesuch zum Beispiel nicht erschwinglich und einer gut verdienenden Bildungsbürgerschicht vorbehalten sei – für Schwellenängste und hält davon ab, die Oper zu besuchen. Hier setzt das Projekt der Komischen Oper Berlin an: Zielgruppenspezifische, musiktheaterpädagogische Workshops, Werkeinführungen, Probenbesuche, Führungen „hinter die Kulissen“, Kooperationsprojekte, interkulturelle Schulungen und weitere, speziell zu entwickelnde Veranstaltungsformate sowie die Kommunikation der sozialverträglichen Preisstruktur sollen den Zugang und das Verständnis erleichtern, indem sie Hemmschwellen abbauen. Hierzu kooperiert die KomischeOper Berlin mit Initiativen, Organisationen und Institutionen, die auf dem Gebiet der Integration und des Sozialen bereits erfolgreich tätig sind, und weitet darüber hinaus ihre erfolgreiche Zusammenarbeit mit Schulen, Kitas und Jugendzentren aus. Gleichzeitig soll die in Deutschland bislang einzigartige Übersetzungsanlage, die eine individuelle Mitverfolgung des gesungenen Textes auf Displays in den Stuhllehnen bis dahin in Deutsch, Englisch und Französisch ermöglichte und so insbesondere Opernneulingen und Touristen das Verständnis erleichterte, dazu genutzt werden, die Libretti auch ins Türkische zu übersetzen. Außerdem sollen Texte zur Vorbereitung eines Opernbesuches und die Inhaltsangaben im Programmheft ebenfalls in diese Sprachen übersetzt werden. Ein sorgfältig auf die unterschiedlichen „Unter-Zielgruppen“ abgestimmtes Marketing sowie eine spezifische Öffentlichkeitsarbeit sollen dafür sorgen, dass die in Berlin lebenden Bürger mit türkischem Migrationshintergrund unabhängig von ihren Kenntnissen der deutschen Sprache vom neuen Angebot der Komischen Oper Berlin erfahren. Für das Projekt ist die Haltung der Komischen Oper Berlin, sich als „lernende Institution“ zu begreifen, maßgeblich; denn nur so ist der interkulturelle Aspekt auch wirklich einzulösen, damit die Komische Oper Berlin das, was sie von den Türkeistämmigen lernt, auf Dauer in der künstlerischen oder institutionellen Arbeit umsetzen kann. Das Projekt hat mit der Spielzeit 2010/11 begonnen und ist auf Nachhaltigkeit angelegt. Zu Beginn trug es den Titel Türkisch – Oper kann das! Dieser Titel wurde jedoch aufgrund der ersten Erfahrungen revidiert, da er, zu eng gefasst, Kurden, Aleviten, Araber und weitere Volksgruppen dieses Kulturraumes auszuschließen schien. Mit dem neuen Projekttitel Selam Opera! wurde zur Spielzeit 2013/14 ein international verständlicherer und inkludierender Akzent gesetzt.

Umsetzung an der Komischen Oper Berlin - Selam Opera!
Im Jahr 2011 konnten dank der Unterstützung von Förderern und Stiftungen mit Mustafa Akça und Oliver Brandt zwei Mitarbeiter eingestellt werden, die seither nicht nur die Vernetzung in die Stadt und den direkten Kontakt mit der türkischen Community kontinuierlich vorantreiben, sondern auch innerhalb des Hauses für eine stärkere interkulturelle Sensibilisierung sorgen. Das Projekt Selam Opera! besteht seitdem aus einer Vielzahl von Modulen, die für ihre gelungene Umsetzung gleichermaßen und unbedingt die erwähnte Vernetzung einerseits, ein Verstehen der Kunstform Oper und der Institution Opernhaus andererseits benötigen. Als große künstlerische Wegmarke war die deutsch-türkische Kinderoper Ali Baba und die vierzig Räuber (Uraufführung 2013) von Taner Akyol zu sehen, die auf der großen Bühne über zwei Spielzeiten von über 15.000 Kindern und ihren Familien besucht wurde. Für diese Kinderoper wurde zur Vor- und Nachbereitung von Vorstellungsbesuchen ein Hörbuch herausgegeben. Im Bereich der Vernetzung wurden zunächst über persönliche Ansprache Kontakte zu den türkeistämmigen Berlinern geknüpft. Die Projektmitarbeiter besuchten türkische Geschäftsleute zu einemTee in deren Geschäften, fuhren zu Frauencafés in die Quartiersmanagement-Büros oder boten ihre Mitwirkung bei interkulturellen Aktivitäten anderer Vereine und Verbände an. Zentrale Personen der türkischen Welt Berlins, die türkischen Konsulatslehrer und Vertreter der türkisch-deutschen Handelskammer wurden zu Opernvorstellungen und anschließendem Erfahrungsaustausch eingeladen. Der Operndolmuş stellt den Projektbaustein der„aufsuchenden Arbeit“ dar. Der mit zwei Sängern, drei Musikern und einem Dramaturgen der Komischen Oper Berlin voll besetzte Bus fährt Begegnungsstätten, Seniorenheime, Migrantenorganisationen oder auch Bildungseinrichtungen in Stadtteilen mit einem besonders hohen Anteil an Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen an. Ziel des Vorhabens ist es, Menschen in ihren Stadtteilen aufzusuchen und „vor Ort“ Brücken zur Welt der Oper aufzubauen, um den Besuch des Opernhauses zu erleichtern, aber auch den Institutionen auf diese Art und Weise Respekt für ihre interkulturelle Arbeit zu zollen. Für Gruppen aller Art bietet die Komische Oper Berlin Vorbereitungsworkshops zu einem Opernbesuch an. Diese Workshops werden auf die Gruppen sehr genau „zugeschnitten“. So unterscheiden sich Workshops für Frauencafés von Workshops für türkisch-arabische Männergruppen.
30 türkei- und arabischstämmige Kinder wurden in den Kinderchor aufgenommen, in dem nun Kinder aller Herkunft nicht nur miteinander singen, sondern auch voneinander lernen. Seit Beginn des Projekts schaltet die Komische Oper Berlin für ihre Angebote in denjenigen Medien Werbung, die von Berliner Türken besonders genutzt werden, u. a. in den Tageszeitungen Hürriyet und Sabah und in ausgewählten Kinos. Es existiert eine enge Medienkooperation mit dem türkischen Radiosender Radyo Metropol FM. Insgesamt sind dies sicherlich nur erste Schritte auf dem Weg zu einer interkulturellen Grundhaltung. Denn alle müssen noch viel über das türkische Berlin lernen. Alle Mitarbeiter der Komischen Oper Berlin – vom Kassenpersonal bis zur Geschäftsführung –, sind aufgefordert eine Willkommenskultur zu schaffen, die von gegenseitigem Respekt, interkulturellem und geschichtlichem Wissen, von Neugier und Herzlichkeit geprägt ist. Die Kunst der Vermittlung besteht nun genau darin, die Bedürfnisse der türkeistämmigen Zielgruppe – und langfristig die Bedürfnisse eines in sich vielfältigen, bunten Publikums – und die Bedürfnisse des Gesamtkunstwerks Oper – und die dafür notwendige Institution Opernhaus – miteinander in Kontakt zu bringen. Konkret bedeutet dies zum Beispiel, für die Auftritte der Operndolmuş-Musiker geeignete Auftrittsbedingungen in den unterschiedlichen Räumen sozialer Einrichtungen zu schaffen; Anzeigengestaltungen zu kreieren, die sowohl die migrantische Bevölkerung in ihren Medien anspricht als auch den gestalterischen Ansprüchen des Opernhauses genügt; kulturell bedingte unterschiedliche Zeitvorläufe für Einladungen mit denen des streng organisierten Opernhauses in Einklang zu bringen; Empfehlungen für Opernvorstellungen unter ganz anderen Kriterien auszusprechen und für die Bedürfnisse der Kinderchor-Familien stets ein offenes Ohr zu haben; gleichermaßen strategisch wie emotional bei der Einladung der bunten, vielfältigen Bürgerschaft Berlins vorzugehen – und sich selbst als Mitarbeiter und als Institution eine Offenheit für Veränderungen von Beziehungen und Kultur zu bewahren. Dieser Weg ist alles andere als konfliktfrei. Es bedarf einer ausgeprägten interkulturellen Kompetenz der Mitarbeiter, sich dem Diskussionsprozess immer wieder zu stellen und Differenzen als Möglichkeit zu begreifen, um einer neuen „Kultur des Zwischen“ in allen Bereichen eine notwendige und vor allem sich lohnende Chance zu geben.

[i]http://www.bpb.de/apuz/59739/fachkraeftebedarf-und-zuwanderung-geschichte-und-perspektiven?p=all, letzter Zugriff 10.6.2014
[ii]Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales Berlin: Das ABC der Berliner Integrationspolitik.Berlin 2009. S. 50
[iii]Susanne Keuchel (Zentrum für Kulturforschung): Das 1. InterKulturBarometer. Migration als Einflussfaktor auf Kunst und Kultur. Köln 2012
[iv]„Schüler nicht-deutscher Herkunftssprache sind Schüler, deren Mutter- bzw. Familiensprache nicht deutsch ist. Die Staatsangehörigkeit ist dabei ohne Belang; entscheidend ist die Kommunikationssprache innerhalb der Familie. Für diese Schüler besteht i. d. R. ein erhöhter Förderbedarf.“
[v]vgl. Azadeh Sharifi: Gastarbeiter und Einwanderer auf der Bühne. In: Wolfgang Schneider (Hg.): Theater und Migration. Bielefeld 2011. S. 36
[vi]http://www.berlin-buehnen.de/de_DE/stage/20999, letzter Zugriff 29.5.2014
[vii]vgl. dramaturgie. Zeitschrift der Dramaturgischen Gesellschaft: wer ist WIR? Theater in der interkulturellen Gesellschaft. 01/11
[viii]Vgl. Anne-Kathrin Ostrop: Musiktheaterpädagogik an der Komischen Oper Berlin.Diskussion Musikpädagogik 36/2007, S. 31-37
[ix]In den Workshops wird immer mit der Methode der Szenischen Interpretation von Musik und Theater (ISIM) gearbeitet, bei der Opernszenen von den Teilnehmern aufgrund ihrer unterschiedlichen Lebenserfahrung individuell interpretiert werden.
[x]vgl. Heiner Gembris: Entwicklungsperspektiven zwischen Publikumsschwund und Publikumsentwicklung. In: Martin Tröndle (Hg.): Das Konzert. Bielefeld 2009. S. 61-82
[xi]http://www.miz.org/static_de/themenportale/einfuehrungstexte_pdf/03_KonzerteMusiktheater/neuhoff.pdf, letzter Zugriff: 29.5.2014: „Scheiden die geburtsstarken Jahrgänge dann aber ab Ende der 2020er Jahre sukzessive aus dem Konzertbesuchsalter aus, wird es zu einem raschen Einbruch der Besucherzahlen kommen, zumal sich der Musikgeschmack der nachrückenden, MTV-und internetsozialisierten Jahrgänge noch weiter von einer Klassikaffinität entfernt haben wird. Spätestens ab 2030 ist daher mit einem tiefgreifenden Strukturwandel zu rechnen.“
[xii]IXYPSILONZETT. Das Magazin für Kinder- und Jugendtheater: Migration – Herausforderung für die Bühne. Theater der Zeit. 02.2012
[xiii]Vgl. Vanessa-Isabelle Reinwand: Transkulturelle Bildung. In: Wolfgang Schneider (Hg.): Theater und Migration. Bielefeld 2011. S. 209
[xiv]Mark Terkessidis: Interkultur. Berlin 2010
[xv]Der Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration (Hg.): Berlin deutsch-türkisch. Berlin 2008
[xvi]Kultur-Monitoring KULMON, 2009
Mustafa Akça
Projektleiter »Selam Opera!«
Mitarbeiter für Dramaturgie & Musiktheaterpädagogik
Telefon (030) 202 60 492
E-MAIL

Oliver Brandt
Mitarbeiter für Marketing & Kommunikation
Telefon (030) 202 60 386
E-MAIL
»›Jawoll‹ ruft es aus dem Publikum. So nah ist man den Sängern sonst nie, selbst wenn man in der Oper in der ersten Reihe säße ... Eine sagt: ›Also, mein Herz habt ihr erobert.‹ Das Operndolmus scheint zu funktionieren.«
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Die Komische Oper Berlin ist das erste Opernhaus der Welt, das Untertitel in vier Sprachen anbietet. Jeder Sitzplatz ist mit einer Übersetzungsanlage ausgestattet, durch die sich der gesungene Text während der Vorstellung individuell mitverfolgen lässt: auf Deutsch, Englisch, Französisch – und Türkisch!
Im Rahmen von »Selam Opera!« bietet die Komische Oper Berlin ein umfangreiches Vermittlungsprogramm rund um die aufregende Welt des Musiktheaters an. Zu allen Produktionen können Workshops besucht werden, in denen die Opern spielerisch erkundet werden. Auch interkulturelle Themen stehen dabei im Fokus. Die Workshops richten sich an alle Altersgruppen von jung bis alt.
»Dolmuş« (übersetzt: »voll«) ist in der Türkei die Bezeichnung für einen Kleinbus. Der mit zwei Sängern, drei Musikern und einem Dramaturgen der Komischen Oper Berlin voll besetzte Bus fährt Begegnungsstätten, Seniorenheime, Migrantenorganisationen oder auch Bildungseinrichtungen in Stadtteilen mit einem besonders hohen Anteil an Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen an. Interessierte Institutionen können sich für einen Besuch durch den Operndolmuş jederzeit bewerben. Ziel des Vorhabens ist es, Menschen in ihren Stadtteilen aufzusuchen und »vor Ort« Brücken zur Welt der Oper aufzubauen. 
Chorsingen verbindet: Etwa 80 Jungen und Mädchen im Alter zwischen 6 und 16 Jahren singen im Kinderchor der Komischen Oper Berlin. Sie bekommen kostenlos professionellen Schauspiel- und Gesangsunterricht und sind in zahlreichen Opernaufführungen auf der Bühne zu erleben. Zur Spielzeit 2012/13 konnten 25 Kinder mit türkischen Wurzeln in den Kinderchor aufgenommen werden.
»Sesam, öffne dich!« – Die deutsch-türkische Kinderoper Ali Baba und die 40 Räuber aus der Feder des in Berlin lebenden türkisch-kurdischen Komponisten Taner Akyol wurde im Oktober 2012 im Rahmen von »Selam Opera!« uraufgeführt. Türkische Instrumente wie Zurna und Kaval trafen dabei auf Oboe und Querflöte, türkische Textpassagen auf deutsche, orientalische Melodien auf Operngesang.
Um auch zukünftig Kinder, Jugendliche, Erwachsene mit türkischen Wurzeln für die faszinierende Welt des Musiktheaters zu begeistern, sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen: Engagieren Sie sich als Förderer bei diesem Projekt, das wir langfristig fortsetzen und ausweiten möchten.

»Dolmuş« (übersetzt: »voll«) ist in der Türkei die Bezeichnung für einen Kleinbus. Der mit zwei Sängern, drei Musikern und einem Dramaturgen der Komischen Oper Berlin voll besetzte Bus fährt ab sofort Begegnungsstätten, Migrantenorganisationen oder auch Bildungseinrichtungen in Stadtteilen mit einem besonders hohen Anteil an Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen an.
 … das verspricht Sonne, Samba, Lebensfreude! Der Opernball 2015 lässt Sie die winterlichen Temperaturen in Berlin vergessen. Träumen Sie sich zu den Klängen von Samba und Bossa nova gemeinsam mit Barrie Kosky sowie Sängern und Musikern der Komischen OperBerlin auf die sonnige Seite des Erdballs und feiern Sie mit uns auf der Bühne des Opernhauses!
Die meistgespielte deutsche Oper in einer verblüffenden Umsetzung.
Zu leicht, zu albern, zu kitschig, zu oberflächlich? Vom 31. Januar bis zum 2. Februar wird an der Komischen Oper Berlin über die Qualität der Operette diskutiert!
Mit Unterstützung des Hauptstadtkulturfonds, der Deutsche Bank Stiftung und der Robert Bosch Stiftung hat die Komische Oper Berlin in der vergangenen Spielzeit ein langfristiges Projekt begonnen, das zum Ziel hat, Publikum mit türkischen Wurzeln für das Musiktheater zu begeistern. 
Advent, Advent! Wir freuen uns auf Weihnachten und möchten Ihnen die Tage bis dahin versüßen, und das nicht nur mit Schokolade. Hinter den 24 »Türchen« unseres Adventskalender verbergen sich kleine und größere Überraschungen. Viel Glück!
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