Meisterkurs für Opernregie

mit Barrie Kosky
Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin
Barrie Kosky - hier bei den Proben für Jewgeni Onegin im Januar 2016 © Jan Windszus Photography
Barrie Kosky - hier bei den Proben für Jewgeni Onegin im Januar 2016 © Jan Windszus Photography
Während es in der Ausbildung von Musiker*innen und Sänger*innen gang und gäbe ist, sogenannte Meisterkurse (meist mehrtägige Workshops) zu besuchen, in denen erfahrene Musiker*innen ihr Wissen an den Nachwuchs weitergeben, ist dies im Bereich Regie eher eine Seltenheit. Genau wie beim Singen und Musizieren bildet auch beim Regieführen ein fundiertes handwerkliches Können eine wichtige Basis für gültige künstlerische Ergebnisse. Seit ihrer Gründung im Jahre 1947 durch den Regisseur Walter Felsenstein wird an der Komischen Oper Berlin der Regie trotz wechselnder ästhetischer Vorzeichen stets ein besonderes Gewicht beigemessen. Somit erscheint das Haus als Austragungsort für solch einen Meisterkurs in Sachen praxisnaher Regie als geradezu prädestiniert.

In ihrer Jubiläumsspielzeit 2017/18 hat die Komische Oper Berlin erstmals drei Nachwuchsregisseur*innen zu einem fünftägigen Regie-Meisterkurs mit Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky eingeladen (16. bis 20. Mai 2018). In der Saison 2019/20 wird der nächste Meisterkurs stattfinden ...

Meisterkurs für Opernregie
23. bis 27. März 2020

Barrie Kosky

Barrie Kosky ist Schauspiel- und Musiktheaterregisseur sowie Intendant und Chefregisseur an der Komischen Oper Berlin. Er inszeniert an Opernhäusern wie der Bayerischen Staatsoper in München, Glyndebourne, dem Teatro Real Madrid, der Oper Frankfurt, dem Royal Opera House Covent Garden in London, der English National Opera London, dem Opernhaus Zürich und dem Opernhaus Amsterdam sowie an Schauspielhäusern wie dem Deutschen Theater Berlin und dem Schauspiel Frankfurt. 1996 war er Künstlerischer Leiter des Adelaide Festivals, von 2001 bis 2005 Co-Direktor des Wiener Schauspielhauses, seit 2012 ist er Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin. Für seine Inszenierung von Aus einem Totenhaus an der Staatsoper in Hannover erhielt er 2009 den Theaterpreis Der Faust, für seine Inszenierung von Castor et Pollux an der English National Opera 2011 den Laurence Olivier Award. 2014 wurde er in der Kategorie Regisseur des Jahres mit dem International Opera Award ausgezeichnet und 2016 in der Kritikerumfrage der internationalen Zeitschrift Opernwelt zum Regisseur des Jahres gewählt. Die Komische Oper Berlin wurde in derselben Zeitschrift für die Spielzeit 2012/13 zum Opernhaus des Jahres ernannt, 2015 folgte der International Opera Award in der Kategorie Ensemble des Jahres. Im Jahre 2018 kürte die Zeitschrift Opernwelt Barrie Koskys Inszenierung Die Meistersinger von Nürnberg bei den Bayreuther Festspielen zur Aufführung des Jahres.

Die drei Meisterschüler*innen

2019/20

Nadezhda Bakhshieva

Hrvoje Korba

Kenza Koutchoukali


Opera director Nadezhda Bakhshieva was born in Russia. She studied stage directing at the Saint Petersburg University of Culture and Arts, then graduated from the Russian Institute of Dramatic Art (GITIS) in Moscow as a music theatre director. In 2016, she made her directorial debut with the opera Mozart and Salieri by Nikolai Rimsky-Korsakov at the Astrakhan State Opera and Ballet Theatre. In 2018, she produced her version of Hänsel and Gretel by Engelbert Humperdink at the Natalie Sats State Children's Theatre in Moscow as her graduation work from university. Later that year she was invited to Samara State Opera and Ballet to stage Giacomo Puccini’s Gianni Schicchi, which also was shown in 2019 at the festival of Russian music theatres in Moscow. She is also a regular participant of theatre workshops for young directors. Next season, Nadezhda will stage productions of Pagliacci by Ruggero Leoncavallo and Francesca da Rimini by Sergei Rachmaninov.

Hrvoje Korbar (1995) was born and raised in Zagreb, Croatia. In 2017 he obtained his Bachelor degree and began his Masters in stage directing and broadcasting at the Academy of Dramatic Art in Zagreb. He worked both on small-scale independent productions, in institutional theatres (Satyrical Theatre Kerempuh, Croatian National Theatre in Zagreb, Dubrovnik Summer Festival) and as a freelance radio author. In 2019, he adapted and directed The Little Prince (Antoine de Saint-Exupery) with Croatian composer Ivan Josip Skender, who composed a suite for chamber orchestra specially for this purpose. He is currently focused on researching new and innovative ways of using sound and music in theatre, as well as his interest in comedy and satire. His work has received a very positive reception and he is considered to be one of last season's theatrical discoveries in Croatian theatre.

Kenza Koutchoukali encountered opera at the age of 10 when she sang in the children's choir in Tosca at the Dutch National Opera (DNO). From that moment she was hooked. Her focus on interdisciplinary art continued throughout her undergraduate degree in Music Education at the Utrecht School of Arts. After being assigned a student production of Benjamin Britten's Billy Budd for the community department of DNO, three incredibly formative years at the DNO followed, amplifying her natural passion for dramaturgy and knowledge of opera. In 2015/16 she made her directorial debut with a festival production of Mozart’s Figaro for Bold Opera. That same season she directed the contemporary opera All Rise! By Jan-Peter de Graaff, after which DNO offered her a two-year talent development program. This enabled her to assist Lotte de Beer, Romeo Castellucci and Claus Guth, in both Amsterdam and Paris. Soon after, she was selected as the new director for Kameroperahuis (Zwolle). Recently she directed the contemporary song cycle This is (not) a fairy tale by Anne-Maartje Lemereis, which was well received by the press. Currently she’s preparing several contemporary opera productions (De Graaff, Lemereis amongst others) and a new dance opera (MANIICO). In her work she’s always looking for the fantastic dimension called reality.

Die drei Meisterschüler*innen
2017/18

Béatrice Lachaussée

Natalia Kozłowska

Kai Anne Schuhmacher

Die Opernregisseurin Béatrice Lachaussée ist in Paris geboren und aufgewachsen. Sie studierte Philosophie an der Sorbonne, später dann Musiktheater-Regie an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. 2013 gab sie ihr Regie-Debüt mit der Welturaufführung der Oper Biedermann und die Brandstifter von Šimon Voseček an der Neuen Oper Wien. Ihre Inszenierung von Wolfgang Rihms Oper Jakob Lenz inder Trinitatiskirche der Oper Köln gewann den Götz-Friedrich Studio-Preis 2014 für die beste Kammeropern-Inszenierung im deutschsprachigen Raum. Daraufhin folgten Regieengagements am Luzerner Theater (Béatrice et Bénédict), am Theater Aachen (Die verkaufte Braut) und an der Oper Köln (L’heure espagnole/ L’enfantet les sortilèges). In der nächsten Spielzeit wird Béatrice Lachaussée Puccinis Madama Butterfly am Stadttheater Bremerhaven inszenieren.
»Der Meisterkurs der Komischen Oper Berlin bietet eine wunderbare Gelegenheit, die eigene Regiemethode beim Proben unter der konzentrierten Beobachtung und durch die scharfe Analyse von Barrie Kosky zu verfeinern. Im Mittelpunkt steht die Personenführung, und es wird mit hervorragenden Sänger*innen des Ensembles gearbeitet. Auf eine wertschätzende Art und Weise gelingt es Barrie Kosky, kostbare Regiewerkzeuge zu vermitteln: ein durchaus inspirierender Austausch!«
Natalia Kozłowska studierte an der A. Zelwerowicz Warschauer Theaterakademie Regie. Sie war Regieassistentin an der Polnischen Staatsoper in Warschau, wo sie unter anderem mit M. Treliński und B. Wysocka gearbeitet hat. Mit einer Inszenierung von Dido and Aeneas von H. Purcell debütierte sie als Regisseurin. Es folgten 16 Opernproduktionen, unter anderem: A. Vivaldis Farnace (im königlichen Theater Warschau), vier G. Puccini-Opern: Le Villi, Gianni Schicchi, Suor Angelica und Il tabarro (an der Baltischen Oper Danzig), A. Schönbergs Pierrot Lunaire (Center for Contemporary Art in Warschau), S. Rachmaninoffs Francesca da Rimini, L. Różyckis Eros i Psyche (an der Baltischen Oper Danzig), G.F. Händels Agrippina und (im königlichen Theater Warschau), Pasticcio Baroque Living Room (an der Königlichen Philharmonie in Warschau), J. P. Rameaus Ballett-Akt Pygmalion (für die Kammer Oper Warschau) und die Ballettoper Les Indes galantes (an der Opera Nova in Bydgoszcz). Im Jahr 2014 hospitierte sie bei Luc Bondys Produktion Les Fausses Confidences von P. de Marivauxes am Théâtre national de l'Europe. Ihre Darbietung von G. F. Händels Agrippina wurde 2015 in der Kategorie Aufführung des Jahres für den Koryfeusz-Preis nominiert.
»Die von der Komischen Oper Berlin veranstaltete Meisterklasse bietet jungen Operndirigenten die seltene Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen und dem wahren Meister dieser Kunstform zu begegnen – Barrie Kosky. Unter seiner Anleitung zu arbeiten, gab mir die Chance, meine Methoden zu überdenken und meine Stärken und Schwächen herauszufinden. Barrie Kosky ist wirklich daran gelegen, seine Erfahrung weiterzugeben, er weiß, wie wichtig es für Anfänger ist, ihr Können zu verbessern, und sein Rat war eine Erleuchtung. Durch diese Meisterklasse konnte man auch als Insider erleben, wie die Komische Oper funktioniert – ein wirklich inspirierendes Abenteuer.«
Nach einem abgeschlossenen Studium in Musikwissenschaft an der Universität Bayreuth und der Università degli Studi di Ferrara begann Kai Anne Schuhmacher 2011 ihr Regiestudium an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien, das 2014 mit einem Diplom abschloss. Bereits während des Studiums arbeitete Kai Anne Schuhmacher als Assistentin und Spielleiterin in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz. 2016 gab sie mit Brittens The Rape of Lucretia an der Oper Köln ihr Regiedebüt, wo sie in Folge auch Pierrot Lunaire in Szene setzte. In ihrer Inszenierung von Hoffmanns Erzählungen für Kinder an der Oper Köln bezog sie erstmals Elemente aus dem Figuren- und Maskentheater ein, baute selbst Figuren dafür und verfasste auch das Libretto selbst. Seit der Spielzeit 2017/18 ist Schuhmacher Artist in Residence am Figurentheater Gera. Neben Produktionen im Sprech- und Musiktheater gehören Off-Stage-Kollagen und Projekte im öffentlichen Raum zu ihren Arbeiten. Ihr letztes Projekt war das interaktive Stationentheater Re:Play, das im Dezember 2017 mit dem Ensemble Netzzeit beim Festival Out of Control in Wien Premiere feierte.
»Einen Meisterkurs wie den an der Komischen Oper Berlin macht man nur einmal im Leben. Die Förderung von jungen Sänger*innen ist in der Opernwelt selbstverständlich, während oft vergessen wird, dass diese auf der Bühne nur brillieren können, wenn sie eine*n kompetente*n Regisseur*in als Partner an ihrer Seite haben. Die Komische Oper Berlin hat den Mangel an tiefschürfender Ausbildung junger Musiktheaterregisseur*innen erkannt und mit dem Meisterkurs bei Barrie Kosky in einer hervorragenden Weise reagiert. Ich finde es sowohl zukunftsorientiert als auch im besten Sinne idealistisch, wenn eine Institution Geld in die Hand nimmt, um drei jungen Regisseur*innen eine Woche Intensivausbildung an einem der renommiertesten Opernhäuser Europas zu spendieren - in dem Glauben daran, dass gutes Regiehandwerk die Grundlage einer blühenden Musiktheaterlandschaft von morgen ist. Ich hatte nach dieser Woche das Gefühl, wieder daran erinnert worden zu sein, was eigentlich wichtig ist beim Inszenieren: Das genaue Studieren der Musik, das Vertrauen in die Sängerdarsteller*innen und deren individuelle Kompetenzen und nicht zuletzt die Klarheit der Worte. Man muss keine Angst vor großen Opern haben, sondern nur Respekt vor der Musik. Man muss genau hinhören, die Paritur erzählt dem*der Regisseur*in alles was sie*er wissen muss. Das war meine wichtigste Erkenntnis aus dem Kurs.«
Kai Anne Schuhmacher, Barrie Kosky, Alma Sadé (Sopranistin im Ensemble), Béatrice Lachaussée, Natalia Kozłowska auf der Probebühne
Kai Anne Schuhmacher, Barrie Kosky, Alma Sadé (Sopranistin im Ensemble), Béatrice Lachaussée, Natalia Kozłowska auf der Probebühne
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Komische Oper Berlin
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Referent des Intendanten
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