Vladimir Jurowski

Dirigent
Nach Arnold Schönbergs Moses und Aron erarbeitet Vladimir Jurowski mit The Bassarids von Hans Werner Henze ein zweites monumentales Werk des 20. Jahrhunderts zusammen mit Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky für die Komische Oper Berlin. Vladimir Jurowski ist Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin und wird ab 2021/22 als Generalmusikdirektor an der Bayerischen Staatsoper engagiert sein.
Geboren wurde er in Moskau, wo er seine musikalische Ausbildung am Konservatorium begann. 1990 zog er mit seiner Familie nach Deutschland und setzte sein Studium an den Musikhochschulen in Dresden und Berlin fort. Sein internationales Debüt gab er 1995 beim Wexford Festival mit Rimski-Korsakows Oper Mainacht und feierte mit Nabucco noch im selben Jahr sein Debüt am Royal Opera House Covent Garden in London. Seit 2007 ist Vladimir Jurowski Chefdirigent des London Philharmonic Orchestra. Außerdem ist er Principal Artist des Orchestra of the Age of Enlightenment und Künstlerischer Leiter des Russian State Academic Symphony Orchestra. Von 1997 bis 2001 war Vladimir Jurowski Erster Kapellmeister an der Komischen Oper Berlin, 2000 bis 2003 Erster Gastdirigent am Teatro Comunale di Bologna, 2005 bis 2009 Erster Gastdirigent beim Russian National Orchestra und 2001 bis 2013 Musikalischer Leiter der Glyndebourne Festival Opera. Gastdirigate führten Vladimir Jurowski zu den bedeutenden Orchestern Europas und Nordamerikas wie den Berliner und Wiener Philharmonikern, dem Concertgebouworkest Amsterdam, dem Philadelphia Orchestra, den Symphonieorchestern von Boston und Chicago, dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Gewandhausorchester Leipzig, der Sächsischen Staatskapelle Dresden und zu den Salzburger Festspielen. 1999 gab Vladimir Jurowski mit Rigoletto sein Debüt an der Metropolitan Opera New York, wo er seitdem u. a. Jenůfa, Pique Dame und Hänsel und Gretel dirigierte. Parsifal und Wozzeck leitete er an der Welsh National Opera, Krieg und Frieden an der Opéra National de Paris, Eugen Onegin an der Mailänder Scala, Ruslan und Ljudmila am Bolshoi-Theater, Jolanthe und Die Teufel von Loudon an der Dresdner Semperoper, Die Zauberflöte, Macbeth, The Rake’s Progress, Adriadne auf Naxos und Peter Eötvös’ Love and Other Demons an der Glyndebourne Festival Opera. An der Bayerischen Staatsoper debütierte er 2015 mit Prokofjews Der feurige Engel. Zahlreiche, zum Teil preisgekrönte CD- und DVD-Aufnahmen dokumentieren sein Schaffen.
bachtrack.com
Zenaida des Aubris, 16.10.2019
Nocturnal orgies versus controlled reason
» Superb casting: Günter Papendell shone with his slender, powerful baritone as Pentheus. Slim, elegant with a seductive timbre and easy top notes, tenor Sean Panikkar, who has sung this role at the Salzburg Festival, was his opponent. Both men are contemporary in their actions and reactions, which is surely the intention of Kosky – the underlying values of good and evil, reason and debauchery, that these figures represent are as relevant today as they were 2500 years ago.«
»Jurowski elicited rhythmic precision from his musicians, letting the atonal and lavishly provocative melodies run wild. David Cavelius was responsible for the excellent singing of the chorus.«

Süddeutsche Zeitung
Julia Spinola, 16.10.2019
Wahn und Drama
»… Koskys Personenführung ist brillant, und er besitzt ein sicheres Gespür für das sich unausweichlich zuspitzende dramatische Tempo dieser Oper.«
»Am Pult des Orchesters der Komischen Oper hält Vladimir Jurowski den Spannungsbogen dieser Riesenpartitur elektrisierend aufrecht. Sinnlich blüht die chromatisch-erotisierende Sphäre des Dionysos auf, hart akzentuiert werden die geradtaktigen Repetitionen des Herrschers von Theben.«
Zur Kritik
Berliner Zeitung
Martin Wilkening, 15.10.2019
Entlastung durch Anbetung
»Vladimir Jurowski lässt dieses Schillern zwischen Opulenz und verwunderter Süße einerseits und kantiger Schärfe und Aufsässigkeit andererseits in großer Differenziertheit aufleuchten, und es gelingt ihm, die Klangwelten immer wieder herunterzufahren, so dass der Einzelton, die Einstimmigkeit volle Intensität besitzt und die Masse nie undurchsichtig wird.«
»Dass Kosky gerade diesem Stoff mit solcher Strenge begegnet, einem Totalverzicht auf alle wohlfeile Bühnenerotik, zeigt die Tiefe seines Blicks auf die Dialektik von Verführung und Herrschaft, die das Stück thematisiert.«
»Der Chor wie die Solisten singen hervorragend, allen voran der machtvolle Pentheus von Günter Papendell und Sean Panikkar nuancenreicher Dionysos. Unter Vladimir Jurowski Leitung gelingen ihnen und alle anderen spannungsvoll gesteigerte Rollenporträts, die Henzes dramatisch außerordentlich geglückte Vorlage restlos ausschöpfen.«



Berliner Morgenpost
Georg Kasch, 15.10.2019
Kampf zweier Alphamänner
»All das koordiniert Vladimir Jurowski am Pult mit einer bewunderungswürdig entspannten Lässigkeit. … das Orchester der Komischen Oper [steigert sich] in einen Klangrausch, der die Details sucht, spätromantische Klangfarben auskostet, sich Hals über Kopf in Latin-Rhythmen und griechische Volkstänze stürzt, um dann wieder katastrophische Klangmuster zu schlichten.«
»… man kann sich dieser Wucht, halb Machtdemonstration, halb Verführung, nicht entziehen.«

Zur Kritik
rbb inforadio
Barbara Wiegand, 14.10.2019
Gleißend lautes Drama
»Wirklich eindringlich, wie dieser Chor einer verführbaren, fanatisierten Gruppe hier eine Stimme gibt. Als eine tragende Säule der ziemlich strengen Inszenierung … die Strenge der Inszenierung tut dem Abend gut, lässt sich doch den dringen nötigten Raum für die Musik Henzes, die das Orchester der Komischen Oper mit dem Dirigenten Vladimir Jurowski mit all ihrer Wucht, ihrer Vielfalt und Feinheit zum Klingen bringt [...] Es ist ziemlich großartig, wie beide Sänger ihre Parts förmlich verkörpern. Günter Papendell als Pentheus, der mit der Kraft seines Bariton das Reich Theben zusammenzuhalten sucht … Geschmeidig, variantenreich changierend passt Sean Panikkar’s Dionysus seinen klaren Tenor dem unheimlichen Gott an [...][Am Ende der Vorstellung] ist das Monumentale dieses an die Antike angelegten Spiels dem Publikum der Gegenwart sehr nahe gekommen.«
Zur Kritik
rbb kultur
Kai Luehrs-Kaiser, 14.10.2019
Harter Tobak, guter Tobak – Hut ab!
»Es ist der große Abend von Vladimir Jurowski… Jurowski entlockt dem riesigen Orchesterapparat so viel Weichheit und so viel rhythmische Präzisionsarbeit, dass eigentlich von der instrumentalen Seite her der Hauptimpuls ausgeht – übrigens auch vom Chor ... Dieser Zweieinhalbstünder haut einem erstaunlich kathartisch die Beine weg.«


Zur Kritik
Neue Zürcher Zeitung
Christian Wildhagen, 22.04.2015
Doktor Freud und der Glaubenskrieg
»Kosky, der selbst Regie führt, befreit die als Oratorium geplante Oper von jeder Verlautbarungsstatuarik. Er macht daraus lebendiges, überbordendes, ja die Besucher förmlich anspringendes Theater, durchaus im Sinne seines breitenwirksamen Erfolgsrezepts, und legt dabei alle Beteiligten kurzerhand auf die Couch.[…] Der Chor singt seine Partie schlicht überwältigend souverän, klar in der Intonation, fokussiert, mit stellenweise ekstatischer Wucht. Obendrein folgt er Koskys virtuoser Massenchoreografie mit einer Hingabe, bei der kein Einziger aus der Reihe tanzt.«

Berliner Morgenpost
Volker Blech, 21.04.2015
Zwei ungleiche Brüder
»An Koskys Neuproduktion von »Moses und Aron« fasziniert, wie eng Musik und Szene zusammenfinden. Vladimir Jurowski bringt das Orchester zu Spitzenleistungen, die an sich spröde Zwölftonoper gewinnt an Farben, Emotionen, ja Mystischem. Die Chorsolisten des Hauses, verstärkt vom Vocalconsort Berlin, sehen sich am Ende als die Stars des Abends bejubelt. Das im Stück mehrfach in sich zersplitterte Chorvolk ist außergewöhnlich spielstark und musikalisch überzeugend. Die Vorbereitung, von 100 Proben ist die Rede, hat sich gelohnt. Robert Hayward ist ein sonorer Moses, eine Sprechrolle. John Daszak ist sein tenoral redegewandter Bruder Aron.«

taz
Niklaus Hablützel, 21.04.2015
Der Gott der Außenseiter
»Mit einem Riesenchor wird das abschreckend schwierige Zwölftonstück zum großen jüdischen Welttheater.«

Deutschlandfunk-Kultur heute
Julia Spinola, 20.04.2015
Manipulierbarkeit der Massen
»Es ist Barrie Koskys große Leistung, Schönbergs Oper nicht mit abschließenden Antworten zu versehen, sondern als einen quasi talmudischen Prozess des unentwegten Fragens und Suchens zu erzählen. Seine Inszenierung provoziert widersprüchlichste Deutungsmöglichkeiten. […] Auch musikalisch wird der Abend noch lange im Gedächtnis bleiben. Vladimir Jurowski fächerte den Gestaltenreichtum der Zwölfton-Partitur mit dem sich selbst übertreffenden Orchester der Komischen Oper präzise auf, und erweckte die vibrierenden Schönheiten dieser Musik charakteristisch zum Leben. Und die fabelhafte Leistung des von David Cavelius sorgfältigst einstudierten Chores kann gar nicht überschätzt werden.«