Tijl Faveyts

Solist - Bass
Hüpfen, springen, spielen und tief singen!

HEIMAT
Belgien

STUDIUM
Königliches Konservatorium Brüssel und Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

CDs
Franz Schreker: Der Schatzgräber (Challenge), Giacomo Meyerbeer: Le prophète (Oehms Classcis), Richard Strauss Elektra (Challenge), Martinu Ariane (Supraphon)

WICHTIGE REGISSEUR*INNEN
Mariame Clement, Luc Bondy, Frank Castorf, Stéphane Braunschweig, Guy Joosten, Dietrich Hilsdorf, Barrie Kosky, Stefan Herheim, Hans Neuenfels, Kasper Holten

WICHTIGE DIRIGENTEN
Daniel Harding, Jiří Kout, Kazushi Ōno, Fabio Luisi, Esa-Pekka Salonen, Carlo Rizzi, Antonio Fogliani, Tomáš Netopil, Marc Albrecht

VORHERIGE ENGAGEMENTS
Theater St. Gallen, Aalto-Theater Essen

WICHTIGE STATIONEN
Festival d’Aix-en-Provence, Theater Bonn, Wiener Festwochen, Theater an der Wien, Théâtre Royal de la Monnaie, Vlaamse Opera, Grand Théâtre de Genève, Oper Stuttgart, Oper Leipzig, Oper Köln, NCPA Peking, Nederlandse Opera Amsterdam, Gärtnerplatztheater München, Israeli Opera Tel Aviv

WICHTIGE PARTIEN ANDERSWO
Sarastro (Die Zauberflöte), König Marke (Tristan und Isolde), Daland (Der fliegende Holländer), König Treff (Die Liebe zu den drei Orangen), Ramfis (Aida), Fasolt (Das Rheingold), Sparafucile (Rigoletto), Don Basilio (Il barbiere di Siviglia), Orest (Elektra), Fürst Gremin (Jewgeni Onegin), Oroveso (Norma), Osmin (Die Entführung aus dem Serail), Doktor (Wozzeck), Hunding (Die Walküre), Graf des Grieux (Manon), Ein Nachtwächter (Die Meistersinger von Nürnberg)

WICHTIGE PARTIEN AN DER KOMISCHEN OPER
Sarastro/Sprecher (Die Zauberflöte), Fürst Gremin (Jewgeni Onegin), Sparafucile (Rigoletto)
Dass es den groß gewachsenen Belgier einmal an die Komische Oper Berlin und nicht in die Charlottenburger Jazzclubs verschlagen würde, war zu Kindheitstagen nicht unbedingt zu erwarten: Das Schlagzeug hatte ihn als Instrument in den Bann gezogen. Und damit ist nicht das klassische Orchesterschlagwerk gemeint, sondern es waren Jazz, Pop und Rock, die den jungen Tijl Faveyts faszinierten. Für die erste Berührung mit Oper sorgte kein Geringerer als Theaterlegende Gerard Mortier, Intendant des Opernhauses in Brüssel, der Salzburger Festspiele und der Ruhrtriennale. Mortier war ein guter Freund von Tijls Latein- und Griechisch-Lehrer und sorgte dafür, dass dessen Klasse in den 1990er Jahren als eine der ersten die Schul-Abos im Theater La Monnaie in Brüssel nutzen konnte. Viktor Ullmanns Der Kaiser von Atlantis machte den Anfang und hinterließ schweren Eindruck, ebenso wie Die Zauberflöte in der bildgewaltigen Inszenierung von Karl-Ernst und Ursel Herrmann. Es sollte nicht die letzte Begegnung mit diesem Werk bleiben …

Der entscheidende Moment war aber ein Sommer-Camp der Jeunesses Musicales, an dem Tijl Faveyts als Big-Band-Schlagzeuger teilnehmen wollte. Am Ende der zehn Tage war auch eine Aufführung von Mozarts Die Zauberflöte geplant. Bei der ersten Orchesterprobe saß Tijl – scheinbar unbeobachtet – im Nebenraum und trällerte das komplette Werk parallel mit. Von Taminos Bildnis-Arie über die Koloraturen der Königin der Nacht bis zu den Drei Damen (alle gleichzeitig!). Der Dirigent war tief beeindruckt und sorgte dafür, dass Tijl in letzter Minute noch bei der Aufführung mitwirken konnte. Und nicht etwa als Schlagwerker, nein: quasi über Nacht hatte Tijl völlig unbeabsichtigt seine Sängerkarriere begonnen und sang mit 17 Jahren seinen ersten Sarastro, eine Partie, die ihn bis heute nicht mehr loslässt – egal ob in Brüssel oder Berlin.

Nach der überraschenden Entdeckung im Sommer-Camp und dem Wechsel von den Trommelfellen zu den Stimmbändern folgte schnell professioneller Gesangsunterricht, dann die Zulassung zum Studium am Brüsseler Konservatorium und später der Wechsel nach Wien zu Professor Ralf Döring, mit dem er bis heute zusammenarbeitet. Festengagements führten ihn danach an das Theater St. Gallen sowie ans Aalto-Theater Essen. Raimondo in Lucia di Lammermoor wurde Faveyts erste große Hauptpartie in St. Gallen – »Für die kleinen Partien gibt es ja meist gleichwertigen freundlichen Applaus, aber als junger Sänger von einem vollen Haus wirklich bejubelt zu werden, ist ein ganz besonderer Moment.« Besonders am Aalto-Theater und in zahlreichen Gastengagements manifestierte sich eine besondere Beziehung zu den Partien Richard Wagners. »Als ich zum ersten Mal Fasolt einstudiert habe, habe ich gemerkt, dass für diese Art von Partie meine Stimmtechnik wie erschaffen ist. Es passte einfach wie die Faust aufs Auge!« Das einzige Manko des Wagner-Fachs sieht Tijl Faveyts darin, dass die oft als »Stehpartie« angelegten Bass-Rollen in den Werken Wagners für den spielfreudigen Belgier szenisch (zu) wenig Herausforderung bieten.

Seit 2019 ist Tijl Faveyts Mitglied im Ensemble der Komischen Oper Berlin und damit, auch was die Spielfreude angeht, gut aufgehoben. »Ich mag es zu hüpfen, zu springen, zu spielen, herumzualbern – und dabei am besten gleichzeitig zu singen!« Und so pflegt Faveyts eine Kombination aus Gastengagements mit seinen Herzens-Partien in den Werken Richard Wagners und Rollen voller körperlichem Einsatz »in meinem Zuhause« an der Komischen Oper Berlin. Überhaupt Berlin: Nach den Metropolen Brüssel und Wien fühlt sich der Belgier hier ganz besonders wohl. Wenn nicht die Bühne an der Behrenstraße ruft, trifft man Faveyts jede Woche in einem der anderen Theater und in den Museen der Stadt. Neben der Arbeit an der Komischen Oper Berlin ist es vor allem das rege Kulturleben, das ihn an der Hauptstadt reizt: Egal ob Richard III. an der Schaubühne, Die Nacht von Lissabon am Maxim Gorki Theater, Ultraworld an der Volksbühne oder die Ausstellung über den belgischen Symbolismus in der Alte Nationalgalerie. Und vielleicht findet man Tijl Faveyts in Zukunft nicht nur auf der Bühne der Komischen Oper Berlin, sondern auch auf den Open Stages der Berliner Jazzclubs. Dann allerdings nicht am Mikro, sondern wieder mit zwei Sticks bestückt am Schlagzeug!

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