Sophie Heinrich

1. Konzertmeisterin
Wo ist Ihre Heimat?
Mein Geburtstort ist Augsburg, meine Wahlheimat ist Berlin.

Seit wann spielen Sie im Orchester der Komischen Oper Berlin?
Seit Anfang 2012.

Ihre vorherigen Stationen?
Musikalische Ausbildung an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin u.a. bei Prof. Weithaas, und an der Musikhochschule Lübeck bei Prof. Brandis. Meine erste »richtige« Anstellung hatte ich als Konzertmeisterin bei den Lübeckern Philharmonikern. Zuvor spielte ich als Aushilfe bei den Berliner Philharmonikern und war Akademistin in der Staatskapelle Berlin.

Wie würden Sie einem Außerirdischen erklären, was ein Orchester ist?
Ein Orchester ist ein außergewöhnliches Kollektiv der Spezies Homo sapiens - ein Kollektiv mit ausdrucksstarken Absichten, das streng hierarchisch geprägt und demokratisch organisiert ist. Trotz starker egozentrischer, künstlerischer Energie der Individuen zeichnet sich diese Mini-Gesellschaft dadurch aus, gemeinsam wunderschöne Harmonien und Rhythmen zu erzeugen - und das mit den verschiedensten Klangkörpern, wie Streich-, Blas-, Zupf-, wie Schlaginstrumenten... Absolut hörenswert, und auch unter soziologischen Gesichtspunkten sehr interessant!

Wie würden Sie Ihr Instrument charakterisieren?
Die Violine ist die Königin der Streichinstrumente und auch im Orchester sitzt der Konzertmeister nicht umsonst in der ersten Geigengruppe. Die Violine kann herrlich süß klingen, mal virtuos, mal divenhaft umschmeicheln und den Zuhörer sirenenhaft in den höchsten Lagen in den Sog ziehen. Aber sie kann auch herrlich quietschig klingen und auch mal hässlich kratzen...

Was war Ihr erstes bewusstes Musikerlebnis?
Wir haben im Alltag immer sehr viel gesungen in unserer Familie. Das war für mich die erste starke musikalische Prägung. Ich kann mich außerdem noch sehr gut daran erinnern, dass meine Großmutter mich als kleines Mädchen in die Oper mitgenommen hat, und zwar in Mozarts Die Entführung aus dem Serail. Das hat mir damals ausgesprochen gut gefallen. Noch heute kann ich mich an das schöne Bühnenbild, das freche Blondchen und den dicken Osmin erinnern...

Was war Ihr denkwürdigstes Erlebnis im Orchestergraben der Komischen Oper Berlin?
Eine Vorstellung von Der Rosenkavalier im Januar 2013: Beim Terzett zwischen Marschallin, Sophie und Octavian im letzten Akt entstand ein derart »himmlisches, musikalisches Miteinander« zwischen den Sängern und dem Orchester, dass ich es nie vergessen werde!

Warum Theater?
Das Theater ist ein in Deutschland geschützter Raum: eine Welt in der Welt. Hier haben Gefühle uneingeschränkt Platz - sowohl die Gefühle des Künstlers als auch die vom Publikum. Das Theater ist ein Ort für gesellschaftliche Kritik, für ungezügelte Kreativität, für Musik und guten Krach. Gerade in einer Zeit der »Gewinnoptimierung«, der »Leistungssteigerung« und »Kosten-Nutzen-Analysen« brauchen wir als Gesellschaft Räume, in denen man für ein paar Stunden einfach nur Mensch sein darf - mit Herz, Seele und Verstand. Theater ist deswegen kein Luxus, sondern Notwendigkeit, wenn das Leben nicht nur aus Arbeit zur Geldvermehrung bestehen soll.

Welche drei CDs würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
1. Die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach, gespielt von András Schiff.
2. Alte argentinische Tangos von Fresedo, Troilo bis Piazzolla.
3. Eine Aufnahme von Wolfgang Amadeus Mozarts Don Giovanni.

Welches Werk haben Sie noch nicht gespielt, würden es aber gerne?
Derzeit das 2. Violinkonzert von Béla Bartók.

Ihre bislang größte Herausforderung?
Die Geburt meines Sohnes...

Haben Sie einen Tipp gegen Lampenfieber?
Tief atmen und die eigene Mitte spüren! Ich habe zwei sehr hilfreiche Mantras, kurz bevor ich auf die Bühne gehe: »Nimm dich selbst nicht so wichtig!« und »Fehler machen ist menschlich, aber keine Musik zu machen ist nur langweilig«.

Was treibt Sie an?
Das Streben nach innerem Reichtum.

Wenn Sie nicht Musiker/Musikerin geworden wären ...
...hätte ich womöglich bildende Kunst oder Germanistik studiert oder ich hätte eine Ausbildung zur Restauratorin oder Physiotherapeutin gemacht... Aber am Ende wäre ich dann sicher doch wieder bei der Musik gelandet!

Ihr Lieblingszitat?
»Hänge nicht der Vergangenheit nach und verliere dich nicht in der Zukunft - das Leben ist hier und jetzt.« (Buddha)