Elena Kats-Chernin

Komponist
Die in Usbekistan geborene Elena Kats-Chernin ist so kosmopolitisch wie nur wenige andere Komponisten ihrer Zeit. Ihr reiches Oeuvre, das Werke für Theater, Ballett, Orchester und Kammerensemble umfasst, hat Millionen von Hörerinnen und Hörer auf der ganzen Welt begeistert. Ihre dramatisch-lebhafte Musik überträgt eine Mischung von Unbeschwertheit und schwerer Melancholie, indem sie starke rhythmische Figuren mit Elementen aus Kabarett, Tango, Ragtime und Klezmer verbindet.

Kats-Chernin lernte zunächst am Gnessin-Institut in Moskau. 1975 wanderte sie nach Australien aus, wo sie bei Richard Toop in Sydney studierte und 1981 ihr Studium am New South Wales Conservatory abschloss. Ein DAAD-Stipendium gab ihr anschließend die Möglichkeit, bei Helmut Lachenmann in Hannover zu studieren. Sie blieb 13 Jahre in Deutschland, bevor sie 1994 nach Australien zurückkehrte. Sie lebt heute in Sydney.

Elena Kats-Chernin gehört zu den führenden australischen Komponistinnen und Komponisten und hat Werke in beinahe jedem Genre komponiert. Auftragswerke entstanden, neben vielen anderen, für Evelyn Glennie, das Ensemble Modern, die Bang on a Can All-Stars, Sequitur, das Australian Chamber Orchestra, das Sydney Symphony Orchestra, Present Music und das North Carolina Symphony Orchestra.

Zu ihrer brilliant komponierten, energiegeladenen und oft vorwärtstreibenden Musik haben Choreographen auf der ganzen Welt Tanzinszenierungen auf die Bühne gebracht. Im Jahr 2000 erarbeitete sie mit der führenden australischen Choreographin Meryl Tankard eine Reihe groß angelegter Tanzstücke. Das erste von ihnen, "Deep Sea Dreaming", wurde im Rahmen der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2000 in Sydney vor einem Millionenpublikum aufgeführt.
 
Zu Kats-Chernins Werken neueren Datums zählen das Konzert Ornamental Air für Bassett-Klarinette und Kammerorchester, mit dem Michael Collins auf internationale Tournee ging; ihre vierte Oper The Rage of Life, die in Belgien, Holland, Ungarn und Deutschland zu sehen war; und Re-collecting ASTORoids, eine von der Musik des Tango-Nuevo-Meisters Astor Piazzolla inspirierte Orchestersuite, die ihre erste vollständige Aufführung im Februar 2011 durch das Queensland Symphony Orchestra erlebte.

Im Jahre 2011 wurde Kats-Chernin zum Composer-in-Residence des Queensland Symphony Orchestra ernannt. Ihre erste Symphonie, Symphonia Eluvium für Orgel, Chor und Orchester im Gedenken an die Flutkatastrophe in Queensland im Januar 2011, wurde im selben Jahr unter der Leitung von Asher Fisch beim Brisbane Festival uraufgeführt.

Kats-Chernin hat Monteverdis musikalisches Material, das kaum Angaben zu einer konkreten Instrumentierung enthält, in ihrer vitalen Klangsprache neu gefasst. Auch Exotisches und Elemente aus der Popularmusik finden Eingang in ihre eigenwillige Neuschöpfung. 

Nun hat die Komponistin drei Werke bearbeitet, die ihrerseits den Beginn der Gattungsgeschichte markieren: Monteverdis einzig vollständig erhaltene Opern über Orpheus, Odysseus und Poppea. Im Mittelpunkt steht jeweils ein Liebespaar – mit denkbar unterschiedlichen Geschichten. Zusammen entsteht ein Panorama menschlichen Fühlens und Handelns. Wohl zum ersten Mal erklingen die Werke in Berlin nicht nur als Trilogie, sondern an einem einzigen Tag.