Operettensymposium

Kunst der Oberfläche - Operette zwischen Bravour und Banalität

31. Januar bis zum 2. Februar 2015
Die Operette genoss und genießt auch heute noch in der Musiktheaterpraxis einen mitunter zweifelhaften Ruf – zu leicht, zu albern, zu kitschig und vor allem zu oberflächlich. Flankiert wird diese Haltung von einer Opern- und Theaterforschung, die dieses Genre nach wie vor eher stiefmütterlich behandelt – nicht zuletzt aufgrund Theodor W. Adornos immer noch nachwirkender Charakterisierung der Berliner Operette als »abscheuliche Ausgeburt«. Seit einigen Jahren kann jedoch eine Veränderung in dieser Wahrnehmung, eine regelrechte Renaissance der Operette beobachtet werden – nicht zuletzt an der Komischen Oper Berlin unter der Intendanz von Barrie Kosky. Hier widmet sich vom 31. Januar bis zum 02. Februar 2015 ein Symposium unter dem vieldeutigen Titel Kunst der Oberfläche. Operette zwischen Bravour und Banalität dem allzu lang missachteten Genre. Renommierte Musik-, Theater- und Kulturwissenschaftler und Philosophen aus Europa und den USA sowie namhafte Operettenkünstler diskutieren an drei thematisch gegliederten Tagen über das kreative und diskursive Potential, das in der Arbeit an und mit der Oberfläche steckt.
Sollten Sie das Symposium an allen drei Tagen besuchen wollen, können Sie ein Abo-Ticket für 9,90€ in unserem Callcenter (Tel. (030) 47 99 74 00), per Email (karten@komische-oper-berlin.de) oder an der Tageskasse (Unter den Linden 41, 10117 Berlin) erwerben.

Samstag, 31. Januar 2015, Probebühne 3 

Sektion 1 – Hochkultur und Entertainment: Operette zwischen E und U
Die historischen, vor allem durch Adorno geprägten Diskurse über das »Ernste« und das »Unterhaltsame/Leichte« werden kritisch beleuchtet und hinsichtlich ihrer Relevanz für die kulturellen Praktiken der Gegenwart befragt, sowie Formen des Populären in der Operette genauer in den Blick genommen.

11-11:15 Uhr 
Begrüßung und kurze Einführung ins Tagungsthema durch Ulrich Lenz (Chefdramaturg Komische Oper Berlin) sowie Prof. Dr. Bettina Brandl-Risi und Prof. Dr. Clemens Risi (beide Universität Erlangen-Nürnberg) 

11:15-13 Uhr  E und U? Wovon reden wir da überhaupt? 
Podiumsdiskussion mit Barrie Kosky (Intendant und Chefregisseur Komische Oper Berlin), Georg W. Bertram (Freie Universität Berlin), Wayne Heisler (The College of New Jersey) und David J. Levin (University of Chicago); Moderation: Ulrich Lenz

15-15:30 Uhr  Katharine Mehrling liest und singt Adorno

15:30-16:15 Uhr  So müssten Operetten sein – Adorno über Revue und Bordell
Doppelvortrag von Iris Dankemeyer (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg) und Rainer Simon (Referent des Intendanten der Komischen Oper Berlin)

16:45-17:30 Uhr  Populäre »afroamerikanische« Musikformen in Operette und Revue, Deutschland 1900-1925
Vortrag von Jens Gerrit Papenburg (Humboldt-Universität zu Berlin) 

19:30 Uhr  Filmvorführung Der Kongreß tanzt (1932)
Ort: Kino Central, Rosenthaler Straße 39, 10178 Berlin
Eintritt: 8,- Euro/7,- Euro ermäßigt, Tickets für die Filmvorführung können Sie im Kino kaufen
Ort:Kino Central, RosenthalerStraße 39, 10178 BerlinEintritt:8,- Euro/ 7,- Euro ermäßigt
Vorab:
1. Operetten-Filme als »vernacular avant-garde«? Vortrag von Carolyn Abbate (Harvard University)
2. Filmeinführung von Rainer Rother (Leiter der Deutschen Kinemathek Berlin) 

Im Anschluss:  
Gespräch mit Carolyn Abbate und Rainer Rother




Sonntag, 01. Februar 2015, Foyer und Probebühne 3 

Sektion 2 – Stars und Diven: Genregrenzen und der Charme der Überforderung
Der Forderung nach der Überschreitung von Genregrenzen und nach performativen Hybridformen, die in der experimentellen, zeitgenössischen Musiktheaterpraxis immer wieder laut wird, folgt ihr scheinbarer Gegenpol, die Operette, seit jeher. Derlei Grenzüberschreitungen sind Gegenstand einer eingehenderen Betrachtung und Analyse, gerade in Hinblick auf die besondere Qualität der Stars der Operette.

11:00-11:45 Uhr  Diven-Talk 
mit den Hauptfiguren aus Clivia, Eine Frau, die weiß, was sie will! und Ball im Savoy: Clivia Gray (Christoph Marti), Manon Cavallini (Dagmar Manzel) und Daisy Darlington (Katharine Mehrling); Moderation: Ulrich Lenz

11:45-12:30 Uhr  Die extravagante Frau. Über die Treue der Operette zu einer Kunstfigur
Vortrag von Ethel Matala de Mazza (Humboldt-Universität zu Berlin)

14:30-15:15 Uhr  »Eine Sünde wert«: Operette als künstlerischer Seitensprung.Die genreüberspringenden Grenzgänger Käthe Dorsch und Richard Tauber
Vortrag von Stefan Frey (Ludwig-Maximilians-Universität München)

15:30-17 Uhr  Was braucht’s zum Operettenstar? Wie lässt sich heute Operette inszenieren?
Podiumsdiskussion mit Tobias Bonn (Geschwister Pfister), Helmut Baumann (Schauspieler und langjähriger Intendant des Theaters des Westens), Agnes Zwierko (Sängerin), Marion Linhardt (Universität Bayreuth), Ryan Minor (Stony Brook University); Moderation: Johanna Wall (Dramaturgin Komische Oper Berlin) und  Prof. Dr. Clemens Risi (Universität Erlangen-Nürnberg)


Montag, 02. Februar 2015, Foyer 

Sektion 3 – Operette als gesellschaftlicher/kultureller/technologischer Seismograph
Die Verflechtung von theatralen Praktiken der Operette mit neuen Medien und Technologien (Tonfilm, Schallplatte etc.) sowie der Umgang mit Körpern und Geschlechtern auf und vor der Bühne soll ebenso näher beleuchtet werden wie die Verortung des Genres Operette in der Metropolenkultur der 1920er und 30er Jahre bzw. im Spannungsfeld von Ideologie und Politik der 1930er und 40er Jahre.

11-11:45 Uhr  Operetta’s Critical Engagements? #1: Bodies and Gender
Podiumsdiskussion in englischer Sprache mit Bonnie Gordon (University of Virginia), Tobias Becker (German Historical Institute London); Moderation: Pavel B. Jiracek (Dramaturg Komische Oper Berlin)

12-13:15 Uhr  Operetta’s Critical Engagements? #2: Mediation and Circulation
Podiumsdiskussion in englischer Sprache mit Christopher Morris (National University of Ireland Maynooth), Arman Schwartz (University of Birmingham), Heather Wiebe (King’s College London), Flora Willson (King’s College Cambridge); Moderation: Prof. Dr. Bettina Brandl-Risi

15:00-15:45 Uhr »Solang noch Untern Linden...« 
Vortrag von Daniel Morat (Freie Universität Berlin) 

15:45-16:45 Uhr  Konkav und Konvex: Operette als Spiegel der Zeitläufe 1933-1945 
und »... die Liebe hat uns gleichgeschaltet.« – Volksgemeinschaftliche Ideologie und Operette im NS-Staat
Doppelvortrag von Kevin Clarke (Operetta Research Center Amsterdam) und Matthias Kauffmann (Ludwig-Maximilian-Universität München)

17:15-18 Uhr  Operettokratie
Kollektive Feldforschung zur Zukunft der Operette mit der Performancegruppe Interrobang (Probebühne 1)

22:30 Uhr  Renaissance eines vernachlässigten Genres – warum?
Abschlussdiskussion mit Carolyn Abbate, Bettina Brandl-Risi, David J. Levin, Clemens Risi, Kai Tietje (Dirigent und Musikalischer Leiter von Clivia) Moderation: Ulrich Lenz



Änderungen vorbehalten

Tickets: 
Eintageskarte: 5,- Euro
Dreitageskarte: 9,90 Euro

Konzeption: Bettina Brandl-Risi, Clemens Risi (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) und Dramaturgie der Komischen Oper Berlin

Das Symposium wird in Kooperation mit der University of Chicago, der Universität Erlangen-Nürnberg und der internationalen Fachzeitschrift The Opera Quarterly veranstaltet und von der Rudolf Augstein Stiftung sowie der Peter Dornier Stiftung gefördert.

Informationen zu allen Premieren, Wiederaufnahmen, Festivals, Konzerten und Sonderveranstaltungen ... 
Ein ganzes Wochenende wird die Vielfalt türkischer Musik gefeiert. Von anatolischer Folklore bis zu zeitgenössischen türkischen Kompositionen.
An vier Terminen bieten wir spezielle Führungen für blinde und sehbehinderte Menschen an (17.10.2015, 23.01.2016, 16.4.2016, 25. 6.2016). Weitere Informationen ...
»Umwerfend. Überwältigend. Überrumpelnd. Es gibt keine anderen Bezeichnungen, um die Neuproduktion der Komischen Oper in Berlin zu beschreiben.« [Die Welt]
Wo wir noch im Netz unterwegs sind:
Quasselt mit uns auf Facebook
Trällert mit uns auf Twitter
Pixelt mit uns auf flickr
Chillt mit uns auf google +
Zeigt uns was ihr liebt auf Pinterest
Guckt mit uns in die Röhre auf YouTube
Geht mit uns backstage auf Instagram
Loopt mit uns auf Vine