»Ne me quitte pas«

Horwitz singt Brel

Chansons von Jacques Brel
Musikalische Leitung: Enrique Ugarte
Solist: Dominique Horwitz
Chansons von Jacques Brel (Arrangements: Enrique Ugarte)

Nicht in dieser Spielzeit. Das aktuelle Programm der Komischen Oper Berlin finden Sie hier:

Der deutsch-französische Schauspieler Dominique Horwitz hat als kongenialer Interpret tiefsinnig-melancholischer Chansons aus der Feder des »singenden Tiers« Jacques Brel [Der spiegel] für Aufsehen gesorgt. Nun ist Horwitz mit seinem legendären Brel-Abend erstmals an der Behrenstraße zu Gast: Begleitet vom Orchester der Komischen Oper Berlin singt er unvergessliche Lieder wie »Amsterdam«, »Madeleine« und »Ne me quitte pas«. Ein Abend voller musikalischer Leidenschaften – mitreißend, anrührend und hässlich-schön.
»Chanson-Theater«
Dominique Horwitz im Gespräch über Hamlet, Mut und den Sog der Streicher

Wann und wie wurde die Liebe zur Musik von Jacques Brel geboren?
Dominique Horwitz Als ich angefangen habe, bewusst Musik zu hören, als kleiner Junge, war Brels Musik in Frankreich schon allgegenwärtig. Deswegen könnte ich nicht sagen, wann es genau war. Damals waren die Ausläufer des Rock’n’Roll und der Beginn des Hard-Rock dominierend, und das hat mich tatsächlich viel mehr interessiert. Einzige Ausnahme aus der Welt des Chansons war eben Brel. Leute wie Charles Aznavour, Gilbert Bécaud oder Serge Gainsbourg haben mich bei weitem nicht so berührt. Letztlich kann ich sagen, dass Brel einfach die Spiellust in mir erweckt hat. Intuitiv wusste ich, dass ich etwas mit ihm zu tun haben würde, lange bevor ich Schauspieler wurde. Man spürt ja, dass bestimmte Sachen, bestimmte Menschen oder bestimmte Orte zu einem gehören, ohne dass man tatsächlich formulieren könnte, wie sich das später einmal konkretisieren wird. Für mich gibt es einfach keinen theatralischeren Chansonnier als Brel. Nicht umsonst spricht man bei Brel gern von »Chanson-Theater«. Er hat meine allgemeine Herangehensweise an Musik insgesamt sehr geprägt: Musik, die eine theatralische Tür aufstößt, fasziniert mich immer ungemein.

Wie sind die Orchesterarrangements von Enrique Ugarte entstanden? 
Dominique Horwitz Brel hat viele seiner Lieder mehrmals aufgenommen. Es gibt also unzählige Einspielungen bestimmter Chansons. Auf dem Weg zu einem Orchesterarrangement war der erste Schritt, genau die Fassung zu finden, die dem Geist des Stückes meiner Meinung nach am meisten entspricht. Denn ganz ehrlich: Auch Brel lag mal musikalisch daneben. Die von mir ausgewählten Aufnahmen dienten dann als Grundlage für die Arrangements – wobei die ausgesuchten Fassungen im Original oft viel kleiner besetzt waren. 
Ein großes Orchester als Begleitung für die Musik von Brel bietet natürlich eine unglaubliche Palette an Klängen und Farben. Bei »La Fanette« zum Beispiel gibt es diese elegischen und poetisch-melancholischen Momente, da ist der Klang der Streicher unersetzlich. Das sind Lieder, die geradezu nach einer großen Orchestrierung schreien. Wenn man Streicher einsetzt, kann das aber auch schnell sehr schmalzig und deshalb fast unerträglich werden. Wenn man sie aber sparsam und wohl dosiert einsetzt, dann erzeugen sie eine Welle, die einen weit, weit fortträgt.
Vielleicht ist es auch so: Wenn ich mit kleiner Besetzung auftrete, dann ist es Theater bzw. Musiktheater. Wenn ich aber mit großem Orchester auf der Bühne stehe, dann ist es Film, und zwar in Cinemascope!

Wie französisch ist der gebürtige Belgier Brel?
Dominique Horwitz Ich glaube, für die Franzosen ist er all das, was Frankreich repräsentiert: Er ist der Mut und die Größe, die Leidenschaft und die Schmerzfähigkeit dieses Volkes. Was der Menschheit innewohnt, sublimiert er für das Land. Es gibt meiner Meinung nach nichts Französischeres als Brel. Ich glaube sogar, wider besseres Wissen würden alle Franzosen frank und frei behaupten, Brel sei Franzose gewesen.

Gerade in den letzten Jahren taucht der Name Brel wieder öfter auf. Gibt es ein zeitloses Gen in der Musik Brels? 
Dominique Horwitz Musikalisch sind seine Chansons schon sehr in der Zeit verhaftet, in der sie entstanden sind. Was nichts über die Qualität sagt. Ich glaube, dass Brel so etwas wie ein Meilenstein ist. Etwas, wonach man sich nicht richtet, sondern worauf man sich bezieht. Menschen brauchen immer Bezugspunkte. Das wird ihm und seiner Kunst sicherlich nicht gerecht. Fakt ist, dass seine Chansons unsterblich sind, und das ist doch das, wovon jeder Künstler träumt: dass die eigenen Lieder nicht nur 20 oder 30 Jahre gespielt werden, sondern über Generationen hinweg weiterleben, sich verändern und entwickeln.

Benötigen Brels Lieder eher einen schauspielernden Sänger oder einen singenden Schauspieler?
Dominique Horwitz Unbedingt einen singenden Schauspieler! Ich glaube, auch als ausgebildeter Sänger ist man bei Brel verloren, wenn man schauspielerisch nicht alles gibt. Sogar in einem Lied wie »Je suis un soir d’été«, einer Beschreibung eines Sommerabends, schafft er es, dem Hörer eine theatralische Ebene zu eröffnen, obwohl es überhaupt keine richtigen Protagonisten gibt. Da werden zwar Menschen beschrieben, aber keine konkret fassbaren Figuren. Trotzdem hat es eine fast ein wenig unerträgliche Spannung, wie ein Thriller.
Auch in »La chanson des vieux amants« (Das Lied der alten Liebenden) gibt es keine wirklichen Figuren, es ist einfach eine große Liebeserklärung. Zwei Menschen, die alle Höhen und Tiefen der Ehe miteinander überwunden haben – da wird nicht auf ein gemeinsames Leben zurückgeblickt und gesagt: »Wie toll haben wir das gemeistert!«, sondern eher »Wie wunderbar, dass wir es geschafft haben«. Ein Lied voller Größe und Weisheit, ausgestattet mit dem größtmöglichen Mut zum Gefühl. Und deswegen Theater pur.

Was kommt nach »Horwitz singt Brel«? »Horwitz singt Piaf«?
Dominique Horwitz Nein, nein. Ich werde mich womöglich irgendwann wieder mit dem französischen Chanson beschäftigen, aber ich werde es dann genereller halten und mich nicht auf einen speziellen Sänger konzentrieren. Denn wen soll ich mir jetzt bitteschön vornehmen? Brel ist einfach der Größte und Beste. Die Piaf ist ein Phänomen. Ihre Musik lebt von ihrem gelebten Leid und davon, was jeder von uns damit assoziiert. Und somit ist sie singulär, unerreicht und unantastbar. Also, Finger weg von ihr. Und genau das ist der Unterschied zu Brel. Bei Brel muss man die Figuren, die in seinen Liedern auftauchen, nur ernsthaft und mit aller Kraft spielen. Da gibt es nicht nur eine Sicht, sondern sehr viele Möglichkeiten der eigenen Interpretation. Es ist nur Mut gefragt. Schließlich kann ja auch jeder Hamlet spielen. Fast jeder!

Stab

Musikalische Leitung

»Umwerfend. Überwältigend. Überrumpelnd. Es gibt keine anderen Bezeichnungen, um die Neuproduktion der Komischen Oper in Berlin zu beschreiben.« [Die Welt]
Informationen zu allen Premieren, Wiederaufnahmen, Festivals, Konzerten und Sonderveranstaltungen ... 
Don Juan – der Inbegriff des Verführers inspirierte Mozart zu einer seiner einflussreichsten Opern – frivol, witzig und tiefgründig in einem. Eine Steilvorlage für Herbert Fritsch, den Meister des theatralen Wahnwitzes, dessen hochmusikalischer Inszenierungsstil wie geschaffen ist für dieses »heitere Schauspiel« über tödliche Leidenschaften.
Wir bieten spezielle Führungen für blinde und sehbehinderte Menschen an. Weitere Informationen ...
Die Komische Oper Berlin ist das führende Opernhaus im deutsch-sprachigen Raum, das sich vor und hinter den Kulissen interkulturell öffnet. In diesem Buch wird ihr bahnbrechendes Projekt »Selam Opera!« eindrucksvoll dokumentiert und reflektiert.

Wo wir noch im Netz unterwegs sind:
Quasselt mit uns auf Facebook
Trällert mit uns auf Twitter
Pixelt mit uns auf flickr
Chillt mit uns auf google +
Zeigt uns was ihr liebt auf Pinterest
Guckt mit uns in die Röhre auf YouTube
Geht mit uns backstage auf Instagram
Loopt mit uns auf Vine