Foto: Iko Freese/drama-berlin.de
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Oscar Straus

Eine Frau, die weiß, was sie will!

Musikalische Komödie in zwei Akten (1932)
Text von Alfred Grünwald nach Louis Verneuil
Sep '16
Sa
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So
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Okt '16
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Dez '16
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Jan '17
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20 verschiedene Rollen – 2 Darsteller! Dagmar Manzel als Operettendiva Manon Cavallini spielt sowohl deren Verehrer Raoul Severac als auch den Vater ihrer Tochter Lucy. Max Hopp als eben jene Tochter Lucy gibt gleich alle fünf Liebhaber der Cavallini und den Hausfreund Lucys obendrein! Eine ebenso rasante wie atemlose Tour de force, der das Orchester unter Adam Benzwi mit einem furiosen Feuerwerk an flotten Märschen, stürmischen Walzern und unvergleichlichen Chansons aus der Feder von Oscar Straus ordentlich einheizt.

Glamour-Queen Manon Cavallini ist eine von allen Männern umschwärmte Operettendiva. Auch Raoul Severac ist ihr erlegen – sehr zum Unmut der jungen Lucy, die Hals über Kopf in den schmucken Junggesellen verliebt ist. Sie bittet den Bühnenstar daher, auf Raoul zu verzichten und ihn ihr zu überlassen. Was sie nicht weiß: Manon ist ihre Mutter! Äußerst verzwickte Familienverhältnisse brodeln also hinter den Kulissen des schillernden Operettenbetriebs, wo ohnehin der schöne Schein regiert. Wen wundert es da noch, dass das Orchester zum Zeugen intimster Gespräche wird oder dass hier der Backfisch Lucy von Max Hopp verkörpert wird – und Dagmar Manzel nicht nur Manon, sondern auch gleich deren zahlreiche Fans und Verehrer spielt?

Der Wiener Oscar Straus, in den 1920er und 30er Jahren einer der bekanntesten Operetten- und Filmkomponisten, am Berliner Überbrettl-Kabarett Komponistenkollege von Arnold Schönberg und im amerikanischen Exil auch in Hollywood erfolgreich, schuf in seiner Operette, die 1932 am legendären Metropol-Theater, der heutigen Komischen Oper Berlin, mit Fritzi Massary in der Hauptrolle ihre umjubelte Uraufführung feierte, neben flotten Märschen und stürmischen Walzern so unvergleichliche Chansons wie » Die Sache, die sich Liebe nennt «und »Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben? « Sie soll es. Denn eine Frau, die weiß, was sie will!

Im Repertoire seit 30. Januar 2015

Dauer: 1 Stunde, 30 Minuten (keine Pause)
Kostenlose Werkeinführung 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn, Foyer
»Umwerfend. Überwältigend. Überrumpelnd. Es gibt keine anderen Bezeichnungen, um die Neuproduktion der Komischen Oper in Berlin zu beschreiben.« Link zur Kritik
»Befreites Lachen füllt den Saal. Die Dummheit ist besiegt. Die große Kunst des Metropol ist wieder da mit all ihrem Glanz und Witz, und mit ihrem Spott und Hohn gegen die Lügner aller Klassen. Sie wird bleiben.« Link zur Kritik
»Dem glühenden Operettenfan Barrie Kosky ist mit »Eine Frau, die weiß, was sie will!« endlich wieder ein glaubhaftes Plädoyer für die subversive Kraft dieses Genres gelungen. […] Sein Konzept geht so brillant auf, dass es das Publikum schier vom Hocker reißt und der Abend am Ende mit stehenden Ovationen bejubelt wird.« Zur Kritik
»Damit ist in dieser Aufführung tatsächlich alles drin, von überdrehtem Tingel-Tangel bis zur eindringlichen Jazz-Ballade. Dieser Abend hat Sogwirkung, ist ganz großes Theater,  eine Sternstunde der Saison.« Link zur Kritik
»Es ist ein Triumph. Für Dagmar Manzel und Max Hopp, die an diesem umjubelten Premierenabend in 20 verschiedene Rollen schlüpfen. Für Barrie Kosky, der Oscar Straus’ »Eine Frau, die weiß, was sie will!« mit virtuoser Regisseurshand als Zwei-Personen-Stück arrangiert hat. Und auch für das neue Geschichtsbewusstsein an der Komischen Oper, das auch die Zeiten vor Walter Felsenstein und seinem realistischen Musiktheater reflektiert. Unter dem Namen »Metropol Theater« residierte seit 1897 an der Behrenstraße eines der mondänsten Vergnügungsetablissements der Reichshauptstadt.« Zur Kritik
Der gefeierte Operettenstar Manon Cavallini ist der Schwarm aller Männer. Auch Raoul Severac, der allabendlich ihre Vorstellung im Theater besucht, ist der Diva hoffnungslos erlegen – sehr zum Unmut der jungen Lucy Paillard, die in den schmucken Junggesellen vernarrt ist und sich in den Kopf gesetzt hat, ihn zu heiraten. Im Theater bedrängt Lucy ihren Vater daher, ein Treffen mit der Cavallini zu arrangieren, bei dem sie den Bühnenstar darum bittet, auf Raoul zu verzichten und ihn ihr zu überlassen. Was der Backfisch nicht weiß ist, dass Manon ihre Mutter ist und ihr Vater den Kontakt zum gemeinsamen Kind einst per Gericht verbotenhat. Aus Liebe zu ihrem Kind verzichtet Manon auf Raoul. Bei einem intimen Diner demonstriert sie Raoul gegenüber ihren freizügigen Lebensstil und führt ihn Lucy zu.

Als Raoul und Lucy bereits verheiratet sind, erfährt Lucy von einem heimlichen Treffen ihres Mannes mit der Cavallini. Lucy, einen Seitensprung befürchtend, sinnt auf Revanche und beschließt kurzerhand, ihren Mann mit ihrem Hausfreund, dem Tennischampion Fernand Maupreux, zu betrügen. Manon gelingt es jedoch, den geplanten Ehebruch zu vereiteln, indem sie Maupreux in ein Séparée lockt und dessen amouröses Interesse ganz auf sich lenkt. Als Lucy erscheint, gibt sich Manon als ihre Mutter zu erkennen und räumt damit alle Eifersüchteleien aus dem Weg: Lucys Ehe mit Raoul ist gerettet – Mutter und Tochter sind endlich vereint!
Une femme qui sait ce qu’elle veut !
Star d’opérette célébrée, Manon Cavallini est courtisée par tous les hommes. Raoul Severac a également succombé aux charmes de la diva, lui qui chaque soir ne rate aucune de ses représentations au théâtre – au grand dam de la jeune Lucy Paillard qui s’est entichée du célibataire coquet et qui s’est mise en tête de lui passer la bague au doigt. Au théâtre, Lucy presse son père d’arranger une rencontre avec Manon Cavallini. Une rencontre au cours de laquelle elle prie la star de renoncer à Raoul et de le lui laisser. Cependant, la jeune femme ignore que Manon n’est autre que sa propre mère et que son père a fait interdire par décision de justice tout contact à l’enfant en commun. Par amour pour son enfant, Manon renonce à Raoul. Lors d’un dîner intime, elle fait part à celui-ci de son mode de vie libertin et le conduit à Lucy.

Alors que Raoul et Lucy se sont mariés, Lucy est informée d’une rencontre secrète entre son mari et Manon Cavallini. Craignant une infidélité, Lucy pense à se venger et décide sans plus attendre de tromper son époux avec son ami intime, le champion de tennis Fernand Maupreux. Manon réussit cependant à déjouer l’adultère à venir en attirant Fernand Maupreux dans un salon privé où elle détourne vers elle l’intérêt amoureux de ce dernier. Lorsque Lucy apparaît, Manon lui fait comprendre qu’elle est sa mère et balaie alorstoutes les jalousies : le mariage de Lucy et Raoul est ainsi sauvé –
mère et fille sont enfin réunies !
Ne istediğini bilen bir kadın!
Sevilen operet yıldızı Manon Cavallini, tüm erkeklerin rüyasıdır. Her akşam tiyatrodaki gösterisine giden Raoul Severac da, divaya umutsuzca teslim olmuş biridir. Bu ise, bu yakışıklı bekara tutkun olup onunla evlenmeyi kafasına koymuş olan genç Lucy Paillard’ın keyfini fazlasıyla kaçıran bir durumdur. Dolayısıyla Lucy tiyatroda babasını sıkıştırır ve Bayan Cavallini ile bir buluşma ayarlamasını ister. Bu buluşmada, Raoul’dan vazgeçmesini ve onu kendisine bırakmasını rica eder sahne yıldızından. Genç kızın bilmediği şeyse, Manon’un kendi annesi olduğu ve müşterek çocukla iletişime geçmesini bir zamanlar babasının mahkeme yoluyla yasaklatmış olduğudur. Manon çocuğuna olan sevgisinden dolayı Raoul’dan vazgeçer. İkisi arasındaki senli benli bir akşam yemeği sırasında, Raoul’e özgür hayat tarzını sergiler ve onu Lucy’ye yönlendirir.

Raoul ve Lucy evlendikten sonra, Lucy kocasının Cavallini ile olan gizli bir buluşmasından haberdar olur. Lucy aldatılmış olduğu korkusuyla intikam planları kurar ve kocasını aile dostu olan tenis şampiyonu Fernand Maupreux ile aldatmaya bir anda karar verir. Ancak Manon, planlanan sadakatsizliği boşa çıkarmayı başarır. Bu maksatla Maupreux’yü bir lokalin gözlerden ırak bir bölmesine çağırır ve adamın aşk yaşama ilgisini tamamen kendisine çeker. Lucy ortaya çıktığında, Manon onun annesi olduğunu söyler ve böylece tüm kıskançlıkları ortadan kaldırır: Lucy’nin Raoul ile olan evliliği kurtarılmıştır. Anne ve kızı nihayet bir araya gelmişlerdir!
WO EIN WILLE IST
Regisseur Barrie Kosky und Dirigent Adam Benzwi über Schutzengel, Wiener Wohnzimmer und eiskalten Martini

Operette an der Komischen Oper Berlin – das verspricht meist große Opulenz auf der Bühne. Eine Frau, die weiß, was sie will! geht einen anderen Weg …
BARRIE KOSKY Obwohl Eine Frau, die weiß, was sie will! seinerzeit in dem für seine Opulenz ja berühmten Metropol-Theater (der heutigen Komischen Oper Berlin) uraufgeführt wurde, wäre es in meinen Augen nicht richtig, dieses Werk als große Ausstattungsoperette zu inszenieren, weil es im Kern ein Kammerspiel ist. Inhaltlich steht es in der Tradition der »Backstage-Komödien«, die ihren spektakulären Höhepunkt in den Hollywood-Komödien der 1940er und frühen 50er Jahre hatte, mit Darstellern wie Judy Garland und Mickey Rooney. Wenig erinnert da an Bühnenspektakel wie Die schöne Helena, Ball im Savoy oder Clivia.

ADAM BENZWI So kommt Eine Frau, die weiß, was sie will! zum Beispiel ganz ohne den Rausch von Tanzbein und Chor aus. Auch ist das Orchester bei Oscar Straus nicht groß besetzt. Selbst, dass zwei Figuren ein Duett miteinander singen, ist selten: Alles in dieser Operette ist auf den einzelnen Darsteller fokussiert …

BARRIE KOSKY … der bei Oscar Straus zudem viel eher als singender Schauspieler denn als Opernsänger angelegt ist. Man braucht für diese Art von Stücken Darsteller, die den Witz, das Tempo und eine spezielle Art von Humor mitbringen und technisch umsetzen können. Als ich das Werk kennenlernte, kamen mir sofort Dagmar Manzel und Max Hopp in den Sinn. Ich fand den Gedanken reizvoll, Eine Frau, die weiß, was sie will! als Zweipersonenstück für die beiden anzulegen und zu einer verrückten Farce zuzuspitzen. Der Kern der Operette ist dabei derselbe geblieben, nur haben wir eine andere Form gewählt, das Werk zu erzählen – nämlich mit Mitteln des Vaudevilles.

Elemente aus dem Vaudeville – einer Unterhaltungsform, die insbesondere ab Mitte des 19. Jahrhunderts auf großstädtischen Varieté- und Revuebühnen sowie in Music Halls ihren Siegeszug antrat – finden immer wieder Eingang in Ihre Regiearbeit. Was fasziniert Sie daran?
BARRIE KOSKY Für mich ist Vaudeville in erster Linie eine musikalische Form der Commedia dell’arte: Ähnlich wie die Commedia arbeitet auch das Vaudeville mit typisierten Figuren. Seine Protagonisten haben gesungen, gespielt und getanzt, manche waren Akrobaten, Zauberer oder Illusionisten. Ich finde diese Vielfalt wunderbar. Das Vaudeville bestand aus drei- bis fünfminütigen »Nummern«. Das kann man noch gut in den Filmen der Marx Brothers beobachten: Die sind allesamt von kurzen, sehr präzise gearbeiteten »Vaudeville-Routines« durchzogen. Seine Apotheose erreichte das Vaudeville, als es »salonfähig« wurde und begann, die große Bühne zu erobern. Samuel Beckett etwa hat aus dem Vaudeville die Inspiration für einige seiner wichtigsten Stücke gezogen, seine Lieblingsschauspieler von Warten auf Godot waren nicht umsonst alte englische Vaudeville-Darsteller … Hierzulande wird Vaudeville oft fälschlicherweise mit »Slapstick« oder »Show« gleichgesetzt und als Gegenbegriff zur »deutschen Hochkultur« gesehen. Das ist bedauerlich, zumal es gerade in Berlin einst eine sehr reiche Vaudeville-Tradition gegeben hat, die zu Beginn der 1930er Jahre mit Darstellern wie Oskar Dénes und Rosy Barsony einen Höhepunkt erreichte. In meiner Arbeit geht es mir jedoch nicht darum, Vaudeville als eigene Form zu präsentieren. Vielmehr besteht für mich der Reiz darin, Elemente des Vaudevilles in andere Gattungen zu integrieren – es als Zutat etwa in Opern oder Operetten zu nutzen.

Oscar Straus selbst bezeichnete Eine Frau, die weiß, was sie will! nicht als Operette …
ADAM BENZWI … sondern als »Musikalische Komödie«, und ich finde diese Differenzierung nicht unwichtig. Für mich steht das Werk eher in der Traditionslinie der frühen amerikanischen Musical Comedys, der »Musicals«, als in der Operettentradition. Was mich an Eine Frau, die weiß, was sie will! begeistert, ist, dass Oscar Straus hier die feine Chanson-Kultur des Kabaretts auf die große Bühne hebt und sie dort zelebriert, ohne ihre Intimität zu zerstören. Schon in jungen Jahren hatte er als Komponist und Kapellmeister an Ernst von Wolzogens Berliner Überbrettl-Theater das musikalische Kabarett maßgeblich geprägt und dabei gelernt, wie er den singenden Schauspieler mit seiner Kompositionsweise unterstützen kann: Straus hatte die Größe, so zu komponieren, dass seine Musik dem Text dient – es ist eine zurückgenommene, geradezu höfliche Musik, die es dem Darsteller erlaubt, seinen Text mit Leichtigkeit zu servieren, damit die Pointen zünden können. Straus ist keiner, der in die musikalische Trickkiste greift, um Effekte zu erheischen.

BARRIE KOSKY Das Überbrettl war sicher eine gute Schule. Und es wäre bestimmt höchst interessant gewesen, als Fliege an der Wand bei Proben in diesem Kabarett dabei zu sein ... Denn nicht nur
Oscar Straus, sondern auch der junge Arnold Schönberg war dort Kapellmeister. Für mich ist eine der köstlichsten Geschichten des 20. Jahrhunderts, dass Schönberg als junger Künstler tagsüber Operetten orchestrierte, abends im Kabarett tätig war und nachts an Werken wie Verklärte Nacht arbeitete. Ansonsten verbindet die Überbrettl-Kollegen Straus und Schönberg natürlich nicht sehr viel – außer der Tatsache, dass beide später auf der Höhe ihres Schaffens Deutschland verlassen mussten.

Zu seinen Lebzeiten galt Oscar Straus international als einer der erfolgreichsten und meistgespielten Komponisten. Warum sind seine Werke heute so selten auf den Spielplänen präsent?
BARRIE KOSKY In der Tat ist Oscar Straus heute zu Unrecht überschattet von Lehár oder der großen Kálmán-Renaissance. Vielleicht liegt ein Grund darin, dass er zwischen den Welten stand: Er war ein Bindeglied zwischen der üppig-romantischen Wiener Walzerwelt von Johann Strauss und Franz Lehár und den quirlig-jazzigen Klängen von Emmerich Kálmán oder Paul Abraham. Oscar Straus liefert eine andere, sehr eigene Farbe, die ihn zu einem wichtigen Baustein im Gebäude der Operette macht. Seine Welt ist der Salon, und selbst wenn seine Operetten nicht in Salons spielen, fühlt man sich bei ihnen immer wie in einem Wiener Wohnzimmer. Er klingt wie eiskalter trockener Martini mit zwei Oliven. Die größte Gabe von Oscar Straus war es, unglaubliche Melodien komponieren zu können – und einige seiner besten Melodien hat er für Eine Frau, die weiß, was sie will! geschrieben.

ADAM BENZWI Diese Melodien mögen auf der Oberfläche gefällig erscheinen: Es ist ein geschmackvoller Klang, der sehr elegant und »sophisticated« wirkt. Doch das Piekfein-Bürgerliche daran bricht Straus immer wieder mit einem frechen Augenzwinkern. Im dem Lied »Ninon« etwa ist in den Strophen sehr gesittet von hochehrwürdigen Personen wie Louis XV. oder Voltaire die Rede, aber im Refrain geht die Post ab. Da heißt es dann: »Sah sie einen Mann, dann fragte sie: Wann? Dann musste er einfach ’ran«, mit einer galoppierenden Musik dazu, die vor offener Erotik nur so strotzt. Für mich ist da ein gehöriger Schuss Berliner Schnauze mit dabei, und nicht umsonst ist das Werk an der Spree und nicht in Oscar Straus’ Heimatstadt Wien uraufgeführt worden.

Uraufgeführt wurde Eine Frau, die weiß, was sie will! 1932, wenige Monate vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Schlägt sich die politisch aufgeheizte Zeit in irgendeiner Form in dem Werk nieder?
ADAM BENZWI Ich finde, das Werk ist beängstigend unbeschwert – anders als etwa Paul Abrahams Ball im Savoy (auch 1932), das in seiner manischen Überdrehtheit vielleicht als ein Schwanengesang der Weimarer Republik verstanden werden kann.

BARRIE KOSKY Oscar Straus war nicht interessiert an dem »Tanz auf dem Vulkan«. Er war interessiert daran, eine verdrehte Boulevardkomödie zu schreiben. Bemerkenswert allerdings ist, dass wieder einmal – in bester Offenbach-Tradition – eine außergewöhnliche, emanzipierte Frau im Mittelpunkt der Operette steht, die unzählige Male smarter ist als alle Männer auf der Bühne. Interessant finde ich, dass die großen sozialen Umwälzungen der 1920er und 30er Jahre – etwa die veränderte Rolle der Frau in der modernen Gesellschaft – gerade im »popular entertainment« reflektiert wurden. In der Oper und in gewisser Weise auch im Schauspiel der Zeit wurden diese Themen meist nicht so radikal behandelt wie in der Operette – was historisch gesehen nur folgerichtig ist, weil die Operette immer schon eine äußerst subversive Kunstform war.

Die Gallionsfigur der Berliner Operette der Zeit war die legendäre Fritzi Massary, der zahlreiche Operetten direkt »auf den Leib« komponiert wurden, u. a. auch Eine Frau, die weiß, was sie will! Wirkt der Einfluss dieser Jahrhundertdiva noch heute nach?
BARRIE KOSKY Fritzi Massary war jahrzehntelang die regierende Königin der Operette in der deutschsprachigen Welt. Sie hat das Metropol-Theater über viele Jahre hinweg geprägt, und ihre Tonaufnahmen zeugen noch heute davon, wie einzigartig sie war. Aber wir können und wollen weder sie noch die Originalproduktion rekreieren. Allerdings glaube ich fest daran, dass Fritzi Massary einer der Schutzengel dieses Theaters ist.

ADAM BENZWI In einem Fernsehinterview, das sie hochbetagt im kalifornischen Exil gegeben hat, sagt Fritzi Massary im Rückblick auf ihre Berliner Jahre, dass es ihr in ihrer Arbeit immer darum gegangen sei, in allen Liedern und Texten Tiefe und Wahrhaftigkeit zu entdecken – mochten sie auf der Oberfläche noch so trivial erscheinen. Sie sagt auch, dass sie es geliebt habe, dasselbe Stück – wie damals üblich – an oft hundert Abenden hintereinander zu spielen, weil sie es als Chance verstanden habe, Neues im Stück zu entdecken und noch tiefer in ihre Rolle einzutauchen. Immer wieder Neues entdecken zu wollen und dabei nach der tieferen Wahrheit zu streben – das empfinde ich auch heute noch als das Entscheidende.

Das Gespräch führte Pavel B. Jiracek (Dramaturg)
SPIELWUT VON KNAST BIS KLAPSE
DAGMAR MANZEL UND MAX HOPP ÜBER TEMPO, SANDKÄSTEN UND DIE SCHAUSPIELEREI

Zwei Darsteller – 30 Rollen. Eine besondere Herausforderung?
DAGMAR MANZEL Es gehört ja zum Urtrieb des Schauspielers, sich verwandeln zu wollen
und innerhalb kürzester Zeit in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Aber zugegeben: Im Falle unserer Aufführung von Eine Frau, die weiß, was sie will! sind die blitzschnellen Kostüm- und Figurenwechsel natürlich eine ungewöhnliche Aufgabe – die uns beiden allerdings eine diebische Freude bereitet. Während unserer Probenarbeit schien es mir manchmal so, als ob Max und ich miteinander im Sandkasten spielen und gemeinsame Streiche aushecken – und dabei haben wir uns gegenseitig immer weiter angespornt. Für mich war das ein regelrechtes Schauspiel-Fest!

MAX HOPP Besonders spannend fand ich dabei das Experimentieren mit dem Tempo. Wenn eine Farce zu langsam ist, stottert die Komik ab. Und so haben wir ständig ausprobiert, in welcher Geschwindigkeit unsere Dialoge stattfinden müssen, damit die Operette als Zweipersonenstück funktioniert.

DAGMAR MANZEL Das ist vor allen Dingen notwendig, weil man sich in den Dialogen von Alfred Grünwald nicht verlieren darf. Operette ist kein Strindberg. Der Text sprudelt vor Esprit und ist höchst pointiert geschrieben – und muss dementsprechend auch auf den Punkt gesprochen werden. In den Theaterstücken von Georges Feydeau ist das ähnlich. Aber durch die Musik ist es in der Operette noch einmal eine besondere Herausforderung.

Wo liegen die größten Unterschiede zwischen Musik- und Sprechtheater?
DAGMAR MANZEL Die notierte Musik ist ein starres Korsett, innerhalb dessen man sich bewegen muss. Auch Sprechtheater ist letzten Endes eine Form von Musik, aber dort sucht man sich als Schauspieler seinen eigenen Rhythmus. Im Musiktheater sind Rhythmus und Tempo bereits vorgegeben – und man muss sich mehr oder weniger daran halten.

MAX HOPP Im Sprechtheater kann man zudem viel näher bei sich selbst und der Figur bleiben, die man darstellt. Wenn Musik im Spiel ist, muss man zusätzlich auch noch auf den Dirigenten schauen – es gibt also eine weitere Konzentrationsebene, die man ins Spiel integrieren muss. Dass es eine solche zusätzliche Ebene gibt, die sich nicht auf das Spiel auswirken darf, finde ich allerdings besonders reizvoll am Musiktheater.

DAGMAR MANZEL Und trotzdem brauche ich als Darstellerin auch im Musiktheater das Gefühl, dass ich ständig improvisieren kann, obwohl man absolute Tempovorgaben hat. Wenn einem dann gelingt, trotz des musikalischen Korsetts Freiräume zu nutzten und zu improvisieren, gibt mir das persönlich den allergrößten Adrenalin-Kick.

Wo endet das Wort, wo beginnt Musik?
MAX HOPP Musik beginnt für mich in dem Moment, wo es Dinge gibt, die man mit Worten nicht mehr ausdrücken kann. Was mich als singender Schauspieler in einer Operette interessiert, ist, zu versuchen, eine Szene textlich so weit auf die Spitze zu treiben, dass man einen Punkt erreicht, wo sich Musik entladen muss. Nicht, weil sie da einfach so steht und komponiert ist, sondern weil man in dem Augenblick mit Worten nicht mehr weiterkommt. Dann erreicht man eine Ebene, die mit der inneren Sprache der Gedanken zu tun hat und sich mithilfe von Musik veräußert.

DAGMAR MANZEL Was ich an der Ebene der Musik besonders spannend finde, ist, dass man eine Figur mit Musik tatsächlich verändern kann. Im Schauspiel kommt Musik oft aus der Büchse und wird dafür benutzt, dramaturgische Löcher zu stopfen oder Atmosphäre zu schaffen. Aber dass du damit ganz grundsätzlich die Haltung einer Figur variieren und verschiedene Schichten der Persönlichkeit einer Figur aufdecken und sichtbar machen kannst – das kann in dieser Form nur das Musiktheater. Man hat mit Musik einfach so unendlich viel mehr Möglichkeiten, mit einem Text zu arbeiten. Einfach nur dadurch, wie man mit dem Gesang oder mit dem Text ansetzt und beide miteinander – oder sogar gegeneinander – in Verbindung setzt.

In Eine Frau, die weiß, was sie will! geht es um Theater im Theater und den Beruf des Schauspielers. Worin liegt die Magie dieses Berufs?
MAX HOPP Für mich geht es beim Schauspielen letzten Endes um die Magie, sich über das Darstellen des Anderen selbst näherzukommen. Wir Schauspieler haben das unheimliche Privileg, auf der Bühne verschiedenste Identitäten ausleben zu dürfen. Ich darf all diese Figuren im Theater spielen – von Mönch bis Mörder – und muss dafür nicht in den Knast wandern und werde auch nicht in die Klapsmühle eingewiesen! Dabei zu spüren, wie andere Menschen vielleicht sein könnten, bringt mich mir in den verschiedenen Facetten, die ich selbst in mir trage, ja näher. Darüber entdecke ich mich. Und das ist das Großartige an dem Beruf. Außerdem darf man ewig Kind bleiben. Man darf spielen, die ganze Zeit – und man muss nicht im Büro sitzen und den ganzen Tag auf der Schreibmaschine herumtippen.

DAGMAR MANZEL Das Theater erlaubt es einem, Träume und Sehnsüchte auszuleben, so dass sie eben keine Träume und Sehnsüchte mehr sind, sondern in dem Moment auf der Bühne Realität werden. Für mich bedeutet es Glückseligkeit und auch eine Form der Reinigung, diese Momente erleben zu können. Es ist dann auch in Ordnung, dass man die Rolle ablegt, wenn die Vorstellung vorbei ist, man nach Hause kommt und nicht mehr an den Abend denkt. Aber wenn ich ganz grundsätzlich das Theater nicht hätte, würde ich wahrscheinlich im richtigen Leben mit vielem nicht umgehen können. Für mich ist das Theater wirklich lebensnotwendig. Und je älter ich werde, desto mehr lerne ich, auf dem Theater loszulassen und eine Figur einfach so zu spielen, wie ich sie für mich machen muss. Ich merke, dass man mit der Zeit beginnt, immer mehr in sich zu ruhen. Ich weiß immer deutlicher, was ich will. Und das ist ein schönes Gefühl.

Das Gespräch führte Pavel B. Jiracek (Dramaturg)

Stab

Musikalische Leitung
Inszenierung
Musikalisch-szenische Einrichtung
Adam Benzwi, Pavel B. Jiracek, Barrie Kosky
Kostüme
Katrin Kath
Dramaturgie
Pavel B. Jiracek
Licht

Besetzung

Solistin
Solist

»Umwerfend. Überwältigend. Überrumpelnd. Es gibt keine anderen Bezeichnungen, um die Neuproduktion der Komischen Oper in Berlin zu beschreiben.« [Die Welt]
Was ist der »Oper-O-mat«? Ein Frage-und-Antwort-Tool, das Ihnen die Auswahl für einen gelungenen Opernabend erleichtern soll. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Ausprobieren. Und nehmen Sie unsere Auswahl ernst, aber auch nicht zu ernst ...
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