Jean-Philippe Rameau

Zoroastre

Tragédie in fünf Akten [1756]
Französisch
2h 45min inkl. Pause
Jean-Philippe Rameau, Enfant terrible und Neuerer der französischen Barockmusik, schuf mit seiner Tragédie Zoroastre eine harmonisch unerhört frische und farbenreiche Rarität, die – anknüpfend an Barrie Koskys preisgekrönte Inszenierung von Castor et Pollux – in dieser Spielzeit erstmals in Berlin zu erleben ist. Am Pult sorgt erneut der britische Rameau-Spezialist Christian Curnyn für das authentische Klangbild. Der erfolgreiche, junge Regisseur Tobias Kratzer, der 2019 den Tannhäuser in Bayreuth inszenieren wird, stellt sich erstmals dem Berliner Publikum vor.
Der König ist tot, die Ordnung dahin. Im Reiche Baktrien – im heutigen Norden Afghanistans – hat Abramane die Macht an sich gerissen. Er begehrt die rechtmäßige Thronfolgerin Amélite. Diese liebt jedoch Zoroastre, genau wie ihre Rivalin Erinice, die ihrerseits Anspruch auf die Königswürde erhebt. So verbünden sich die Frevler Abramane und Erinice gegen die Gerechten Zoroastre und Amélite in einem Kampf aller Mächte des Himmels und der Erde gegen die der Hölle.
Ob als Vorreiter der Aufklärung oder magischer Schamane – Zoroastre, hierzulande besser bekannt unter dem Namen Zarathustra, umweht seit jeher der Hauch des Rätselhaften. Schon lange vor Friedrich Nietzsche faszinierte der altiranische Religionsstifter die Dichter und Denker der französischen Aufklärung. Das ewige Ringen des Guten mit dem Bösen steht im Zentrum des Librettos von Louis Cahusac, einem bekennenden Freimaurer. Nicht von ungefähr ist im Priester Zoroastre das Vorbild für Mozarts ebenso gütigen wie gewalttätigen Sarastro aus Die Zauberflöte zu erkennen. In den mythischen Inhalten der Oper spiegelt sich das ungebrochen aktuelle Ideal des aufgeklärten Menschen, der sich als vernunftbegabtes Wesen immer wieder aufs Neue frei für das Gute entscheiden kann und auch muss.
Libretto von Louis Cahusac
Der Tagesspiegel
Ulrich Amling, 20.6.2017
Krieg der Rasenmäher
»Aus dem Hausensemble ragt einmal mehr Nadja Mchantaf heraus, als aussichtslos Liebende, die sich dem Hass an den Hals wirft. Halsbrecherisch, umwerfend.« 
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BR Klassik
Peter Jungblut, 19.6.2017
Ameisen sind auch ohne Nietzsche glücklich
»Regisseur Tobias Kratzer machte daraus dankenswerter Weise kein Philosophie-Seminar, sondern einen erbitterten Kampf um einen läppisch kleinen Quadratmeter Wiese. (…) Zweifellos ein originelles, unterhaltsames, intelligentes Regiekonzept, auch dank der Ausstattung von Rainer Sellmaier, der für diesen Kampf der Elemente herrlich absurde und sehr treffende Bungalow-Alpträume entworfen hatte.«
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hundert11
Albrecht Selge, 19.6.2017
Also sang »Zoroastre«
»Wie der Regisseur Tobias Kratzer die verworrene Auseinandersetzung zwischen Weiß und Schwarz auf die Bühne bringt, ist nicht weniger als: saukomisch. Wie er aber Weiß und Schwarz dann in ein grelles Grau vermengt: saugut. «
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rbb Inforadio
Harald Asel, 19.6.2017
Rameaus »Zoroastre«
»Der für Berlin neue Regisseur Tobias Kratzer hat zusammen mit dem – und den muss man nennen – Bühnenbildner Rainer Sellmaier ein atemberaubend aktuelles Szenario entworfen.… Das ist bis in die Handlungsmotivationen hinein sehr genau beobachtet und auf die Musik zugeschnitten(...)«
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Süddeutsche Zeitung
Julia Spinola, 19.6.2017
Im Clinch mit Zarathustra
»Der Komischen Oper ist [mit Kratzers ungemein komischen und pointenreichen Inszenierung] … eine glänzende Fortsetzung ihres Rameau-Zyklus gelungen, den Barrie Kosky mit seiner preisgekrönten "Castor et Pollux"-Inszenierung begonnen hatte. Sängerisch brillieren Nadja Mchantaf mit vollem, dramatischen Soprantimbre als Érinice und der wohltönende Bariton Thomas Dolié als Abramane.«
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