Georg Friedrich Händel

Semele

Oratorium in drei Akten [1744]
Englisch
3 h 30 min inkl. Pause
19:30 Uhr
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19:30 Uhr
19:00 Uhr
19:30 Uhr
19:30 Uhr
Faust-Preis-Gewinnerin Nicole Chevalier, die zuletzt mit ihren Auftritten in Les Contes d’Hoffmann und Die schöne Helena die Köpfe der Männer- und Damenwelt verdrehte, betört nun als Titelheldin Semele den Göttervater selbst. Als Jupiter glänzt mit schmelzend-weichem Tenor Allan Clayton, der in Barrie Koskys Inszenierung Castor et Pollux bereits Erfahrungen mit der antiken Götterwelt sammeln konnte. 
Göttervater Jupiter entführt an ihrem Hochzeitstag die Königstocher Semele. Jupiters eifersüchtige Gattin Juno setzt alles daran, der hemmungslosen Affäre ein Ende zu setzen. Der Nebenbuhlerin erscheint sie als deren Schwester Ino und überredet sie in dieser Verkleidung, Jupiter dazu zu bringen, sich in seiner wahren göttlichen Erscheinung zu zeigen. So könne Semele die ersehnte Unsterblichkeit erlangen. Semeles Ehrgeiz ist stärker als Jupiters männlicher Widerstand. So ist ihr Schicksal besiegelt: In den sengenden Strahlen des Gottes geht sie grausam zugrunde.
Eine Oper im Gewand eines Oratoriums könnte man Semele bezeichnen. Mit prächtigen Chören, knappen Rezitativen und ausdrucksstarken Arien musste das Werk nicht dem starren Schema einer Opera seria folgen und wirkt bis heute frisch. Für ein fastenzeitliches Oratorium eher »ungewöhnlich«: die saftig-erotische, durchaus auch witzige Handlung. Heute zählt Semele weltweit zu den beliebtesten Werken aus der Feder Georg Friedrich Händels. Barock-Spezialist Konrad Junghänel und Chefregisseur und Intendant Barrie Kosky setzen auf das menschliche Drama hinter den göttlichen Ränkespielen und zeigen klar auf: »Wen die Götter strafen, dem erfüllen sie seine Wünsche«.
Libretto nach William Congreve
Fr., 18. Mai 2018, 19:30 Uhr

Stab

Musikalische Leitung
Inszenierung
Kostüme
Dramaturgie
Licht
Alessandro Carletti

Besetzung

Cadmus, König von Theben
Semele, seine Tochter
Ino, ihre Schwester
Athamas, Prinz von Böotien
Jupiter, König der Götter
Juno, seine Frau
Iris, ihre Vertraute
Somnus, Gott des Schlafes/Priester
Chorsolisten der Komischen Oper Berlin
Über verbotene Fragen, zersplitterte Spiegel und das, was bleibt ...
BR Klassik
Peter Jungblut, 12.5.2018
Die Unmöglichkeit der Liebe
»Eine pessimistische, zutiefst ernsthafte, aber auch sehr berührende, gedankenvolle Deutung, näher am barocken Todeskult, am Lamento von der Hinfälligkeit alles Daseins, als an – ebenfalls barocker – Lebensfreude und Üppigkeit.«
Zur Radio-Kritik
DeutschlandFunk
Julia Spinola, 13.5.2018
Schillernder Erotik-Thriller
»Barrie Koskys Inszenierung reißt die verschiedenen Bedeutungsaspekte dieses Stücks auf und schillert raffiniert zwischen Tragik und Komik. … Allan Clayton hat einen perfekt fokussierten, stilsicheren, farbenreichen Tenor, singt ganz einfühlsam, man glaubt ihm jede Note.«
Zur Radio-Kritik
RBB Inforadio
Barbara Wiegand, 14.5.2018
Traurig und beeindruckend: »Semele«
»Barrie Kosky inszeniert seine Semele ohne Happy End – tief traurig und tief beeindruckend.«
Zur Radio-Kritik
Berliner Morgenpost
Georg Kasch, 14.5.2018
Arien, die unter die Haut kriechen
»Die Gattung allerdings zeigt sich vor allem in den ausufernden Chören, oft hochemotionale Kommentare des Geschehens – eine tolle Vorlage für die Chorsolisten der Komischen Oper, die hier so fein nuancieren, als würden sie nichts anderes als Barockmusik singen. … Barrie Koskys Figurenführung der hervorragenden Sängerriege ist grandios: Allan Claytons Jupiter besitzt einen honigweichen Tenor, den er betörend sicher einsetzt, damit lockt und preist – und die Zeit stillstehen lässt, als ihm aufgeht, dass er Semele töten wird. Er tänzelt im Frack auf violetten Socken virtuos über die Bühne, wirft eitel seine Löwen-Lockenpracht in den Nacken, nähert sich Semele aber äußerst zärtlich. Kein Wunder, dass sie ihn haben will und keinen anderen. Ezgi Kutlus Juno zieht alle Racheregister einer eifersüchtigen Ehefrau. Wenn sie den Schlafgott Somnus aufweckt – Evan Hughes führt seinen sonoren Prachtbass ebenso selbstbewusst spazieren wie seinen Waschbrettbauch –, dann verschmelzen beider Stimmen zu purem Sex.«
Zur Kritik
TAZ Berlin
Katharina Granzin, 14.5.2018
Jupiter lässt’s krachen
»[In] Jupiters Liebesarie vor der Pause [besingt] Tenor Allan Clayton … seine geliebte Semele so zart und [führt sie] in einem dezent choreografierten Pas de deux so innig über die Bühne, dass im Saal auf einmal zu spüren ist, wie man kollektiv den Atem an- und den Augenblick festhalten möchte. Im zweiten Teil der über dreistündigen Aufführung schließlich erhöht sich die Dichte solch zauberischer Momente hin zu ungebrochen reinem Opernglück. Es ist ein ausnahmslos großartiges Ensemble, das dafür sorgt – angefangen bei Nicole Chevalier als Semele, die … sich … mit makelloser Bravour und großem körperlichen Einsatz durch ihre hochvirtuose Partie singt und spielt. In der Rolle ihrer göttlichen Gegenspielerin als Jupiters eifersüchtige ­Gattin Juno brilliert die dabei auch noch fantastisch komische Ezgi Kutlu, bei der man das Gefühl hat, eine leibhaftige Wiedergängerin von Walt Disneys Cruella de Vil auf der Bühne zu sehen.«
Zur Kritik
Der Tagesspiegel
Ulrich Amling, 14.5.2018
Feuer glüht im Adlernest
»Semeles Verlassenheit verdichtet sich in Nicole Chevaliers bewegender Darstellung zu schierer Unerträglichkeit. Dass sie sich mit wahnhaftem Eifer in den Wunsch nach Unsterblichkeit wirft, muss man ihr glauben – einfach, weil das kein Leben ist, in dieser ausgebrannten Höhle, die mal Liebeszuflucht war.«
Zur Kritik