Die Spoliansky-Revue [2015]

Heute Nacht oder nie

Mit den Geschwistern Pfister
Deutsch
1h 30m ohne Pause
19:30 Uhr
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19:30 Uhr
20:00 Uhr
19:30 Uhr
Nach ihrem überwältigenden Erfolg in der Operette Clivia kehren die Geschwister Pfister und Schauspieler Stefan Kurt mit einer Hommage an den Meister des unterhaltsamen satirischen Kabarettsongs und der großen Revuen der Weimarer Republik zurück: eine opulente Vorbühnenshow – mit bekannten und weniger bekannten Juwelen aus der Feder des jüdisch-russischen Komponisten Mischa Spoliansky.
Er gehörte zu den ganz Großen der Weimarer Republik – und doch hat sein Name nie den Bekanntheitsgrad erlangt wie der seines Mitstreiters Friedrich Hollaender, an dessen Seite Mischa Spoliansky allabendlich in Max Reinhardts berühmtem Kabarett »Schall und Rauch« im Keller des Großen Schauspielhauses musizierte und komponierte. Songs wie »Morphium«, geschrieben für die bisexuelle Erotik-Tänzerin Anita Berber, oder »Das lila Lied«, das zur Hymne sexueller Minderheiten avancierte, waren die Hits jener Jahre zwischen den beiden Weltkriegen. Mit Revuen und Revue-Operetten wie Es liegt in der Luft (mit Marlene Dietrich, die in einer Nebenrolle das anzügliche »Wenn die beste Freundin« sang), Zwei Krawatten (erneut mit Marlene Dietrich, dieses Mal in der Hauptrolle), Alles Schwindel, Rufen Sie Herrn Plim! oder 100 Meter Glück gehörte der stets zurückhaltend bescheidene Spoliansky zu den Stars der Unterhaltungsbranche.
Wie Friedrich Hollaender und so viele andere musste auch der in Russland geborene Jude Spoliansky, der die drohende »braune Macht« in zahlreichen Songs mit beißendem Spott bedacht hatte, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Deutschland verlassen. Aufgrund seines internationalen Ruhms konnte er seine Karriere im englischen Exil vor allem als Filmkomponist fortsetzen. Er starb 1985 im Alter von 86 Jahren in London. Seine Melodien aber sind längst unsterblich geworden.
Textfassung von Stefan Huber
Musikalisches Arrangement von Kai Tietje

Im Repertoire seit 1. April 2016
Vorstellung: Do. 22.06.2017

Stab

Musikalische Leitung
Inszenierung
Kostüme
Heike Seidler
Choreographie
Danny Costello
Dramaturgie
Licht

Besetzung

Die Lesbe
Der Bonze
Der Beamte
Das Fräulein
Der Taxichauffeur
Der Provinzler
Der KIavierspieler
Berliner Zeitung
Wolfgang Behrens, 03.03.2016
Tango eines Dickwansts
»Die Gegenwart vermisst keiner, wenn die Hure, die Lesbe, das Fräulein, der Bonze, der Beamte, der Taxichauffeur und der Provinzler so derartig 1920er-like daherkommen, als seien die direkt den Bildern eines George Grosz oder Otto Dix entstiegen. … mit ihrer Mischung aus Glamour, Scherz, Satire und tieferer Transgender-Bedeutung kommen die Pfisters [dem Kabarett] Schall und Rauch der 20er-Jahre wohl so nahe wie keine andere Formation.«
Link zur Kritik
Jüdische Allgemeine
Michael Wulinger, 16.06.2016
Verbeugung vor einem Verfolgten
»Gemeinsam schaffen Darsteller und Musiker aus den disparaten Liedern von Spoliansky ein Stück aus einem Guss, das, ganz im Sinne des Komponisten, eingängige Melodien, Rhythmus und Zeitkritik mit ironischem Augenzwinkern präsentiert – intelligente Unterhaltung eben, wie sie in Deutschland seit der Vertreibung und Ermordung der jüdischen Unterhaltungskünstler aller Sparten Mangelware geworden ist. Mischa Spoliansky hätte der Abend gefallen.«
Link zur Kritik
rbb Kulturradio
Kai Luehrs-Kaiser, 02.04.2016
Bonzen, Spaßbomben und Strapsganoven
»Die Pfisters singen den Titel mit pointiertem, virtuosem Understatement. "Wenn die beste Freundin mit der besten Freundin" entstammt einer echten Revue (nämlich "Es liegt in der Luft"), damals gesungen von Margo Lion und Marlene Dietrich, die bei Spoliansky für den Film entdeckt wurde. Hier wird es gesungen von Andreja Schneider, die als grünhaarige Hure einen Schuss Genie in die Show einbringt, und Ursli Pfister, der sein Rollendebüt als lesbische Morphinistin gibt. Charmant und stylisch ist das, wenn auch natürlich nicht ironisch wie bei diesen Künstlern gewohnt. Kann es nicht sein. Denn all dieses Repertoire ist zeithistorisch zu sehr verbittert worden. … Schöne Sache also. Witzig nicht, aber mit Devotion und Zuneigung dargereicht, wodurch sich die Geschwister Pfister sozusagen fürs ernste Fach empfehlen. «
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Der Tagesspiegel
Frederik Hanssen, 02.04.2016
Tango auf der Avus
»… stilistisch schillernd hat Kai Tietje seine Orchester-Arrangements angelegt, charmant und frech, hier sehnsuchtsvoll aufrauschend, dort knackig-jazzig. So klingt Kapitalismus, wo man einfach mitmuss.«
Link zur Kritik