Dmitri D. Schostakowitsch

Die Nase

Oper in drei Akten nach der gleichnamigen Erzählung von Nikolai W. Gogol [1930]
Deutsch
19:00 Uhr
19:00 Uhr
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20:00 Uhr
19:30 Uhr
19:30 Uhr
19:30 Uhr
Als Don Giovanni gibt er den exaltierten bösen Clown, als jugendlicher Onegin verspielt er sein Liebesglück – nun zeigt Ensemblemitglied Günter Papendell eine weitere Facette seines Könnens: als eitler, nasenloser Kollegienassessor Kowaljow in Dmitri Schostakowitschs eigenwilliger Vertonung der grotesk-absurden Erzählung von Nikolai Gogol. Barrie Koskys umjubelte Debüt-Inszenierung am Royal Opera House Covent Garden ist nach einer Zwischenstation in Sydney nun auch in Berlin zu erleben.
Eines schönen Morgens nach durchzechter Nacht muss Kollegienassessor Kowaljow erschrocken feststellen, dass ihm seine Nase abhanden gekommen ist. Verzweifelt macht er sich auf die Suche. Eine andauernde Nasenlosigkeit würde das gesellschaftliche Aus für ihn bedeuten! In der Kathedrale glaubt er, seiner Nase zu begegnen, doch kann er sie nicht überzeugen, bei ihm zu bleiben. Von allen verspottet und verlacht, jagt Kowaljow wie in einem Albtraum dem unabhängig gewordenen Körperteil hinterher, bekommt es jedoch nie zu fassen. Endlich wird ihm die Nase vom Polizeioberhauptmeister höchstpersönlich zurückgebracht, doch will sie nicht im Gesicht haften bleiben! Nach weiteren demütigenden Erfahrungen befindet sich der widerspenstige Gesichtserker schließlich so plötzlich, wie er verschwunden war, wieder an seinem Platz – wo er hoffentlich auch bleibt.
Steppende Nasen, fahrende Rikscha-Tische, knallbunte Kostüme zwischen Folklore und Historismus in einem kühlen, trotz seiner Größe klaustrophobisch wirkenden Raum – Barrie Kosky inszeniert die surrealistische Geschichte um die Verlustängste und die Paranoia eines kleingeistigen Emporkömmlings als revueartiges Kaleidoskop der Eitelkeiten, eine verstörende Mischung aus Wozzeck und Alice im Wunderland.
Libretto von Dmitri D. Schostakowitsch, Jewgeni I. Samjatin, Georgi D. Ionin und Aleksandr G. Preis
Deutsche Textfassung von Ulrich Lenz
Koproduktion mit The Royal Opera House Covent Garden, der Opera Australia und dem Teatro Real, Madrid
Sa., 30. Juni 2018, 19:30 Uhr

Stab

Musikalische Leitung
Inszenierung
Choreographie
Bühnenbild und Licht
Co-Bühnenbild
Anne Kuhn
Kostüme
Dramaturgie

Besetzung

Platon Kusmitsch Kowaljow
Ivan Jakowlewitsch / Leiter der Annoncenredaktion / Arzt
Praskowja Ossipowna / Verkäuferin
Polizeioberhaupt­meister u. a.
Wütender Mann in der Kathedrale / Jaryschkin u. a.
Iwan, Diener Kowaljows / Polizeiobermeister u. a.
Pelagea Grigorjewna Podtotschina
Trauernde Frau in der Kathedrale / Podtotschinas Tochter
Angestellter / 4. Polizist / Spekulant u. a.
5. Angestellter / 10. Polizist u. a.
5. Polizist / 2. Herr / 1. Dandy u. a.
7. Polizist / 3. Herr / 2. Student
8. Polizist / 7. Herr / 5. Student
Die alte Gräfin
Pjotr Fjodorowitsch / Oberst / 7. Student
Diener der alten Gräfin / Iwan Iwanowitsch / 8. Student
Berliner Zeitung
Clemens Haustein, 18.6.2018
Barrie Koskys Sause geht weiter
»Souverän leitet Ainārs Rubiķis, der neue Generalmusikdirektor des Hauses von der kommenden Saison an, Orchester und Sänger durch die vertrackte Partitur, er animiert zu rasenden Tempi und hält sie mit packender Penetranz durch. Dass man sich an diesem Abend fühlt wie durchgeschleudert in einer Waschtrommel des Grotesken hat viel mit dem neuen Dirigenten und seinem energischen Auftritt zu tun.«
Zur Kritik
rbb inforadio
Harald Asel, 18.6.2018
Visueller und akustischer Dauerbeschuss: »Die Nase«
»Auf einem übergroßen runden Tisch spielen sich die filmschnittartigen Szenen im Leben der Hauptfigur ab, eine Meisterleistung von Günter Papendell, dem es wenigstens ansatzweise gelingt, in diesem andauernden visuellen und akustischen Dauerbeschuss den Zuschauern ein wenig die Tragik hinter dieser absurden Geschichte nahezubringen.«
Zur Radio-Kritik
rbb kulturradio
Andreas Göbel, 18.6.2018
»Die Nase«
»… eine grandiose Ensembleleistung.«
Zur Radio-Kritik
nmz.de
Peter P. Pachl, 18.6.2018
Der richtige Riecher
»Die Berliner Besetzung ist schlichtweg umwerfend in dramatischer Präsenz sowie in der Erzeugung von Wortfülle in der deutschen Textfassung von Ulrich Lenz. … Den Löwenanteil leistet dabei Günter Papendell in der Hauptrolle. ... In Stimm- und Körperbeherrschung souverän, zappelt und wirbelt er durch die Sequenzen seiner Albträume. … der lettische Dirigent Ainārs Rubiķis entfesselt in der pausenlosen, gut zweistündigen Aufführung die Extravaganzen dieser Partitur, gleichwohl ohne die Sänger*innen zuzudecken. Seinem musikantischen Sinn folgt das Orchester der Komischen Oper sehr präzise, so dass man den weiteren Einstudierungen des neuen Generalmusikdirektors in der nächsten Spielzeit mit Spannung entgegenhören darf.«
Zur Kritik
Der Tagesspiegel
Frederik Hanssen, 18.6.2018
Mannes Kraft
»Was Barrie Kosky in Klaus Grünbergs neutral-grauem Bühnenkasten veranstaltet, überzeugt durch schier grenzenlose Fantasie. … Wirklich bewundernswert aber ist, wie es dem Regisseur gelingt, inmitten der schrillen Großstadtgroteske dann doch ein wenig Mitleid für seinen Protagonisten zu erregen. Koskys Kowaljow ist nicht nur eitel und von Ehrgeiz zerfressen. So wie Günter Papendell ihn mit grandioser Körperlichkeit spielt – und mit seinem geschmeidigen Heldenbariton singt – bekommt er eine menschliche Dimension.«
Zur Kritik