Modest P. Mussorgski

Der Jahrmarkt von Sorotschinzi

Oper in drei Akten [1880/1932]
Russisch, Ukrainisch
2h, keine Pause
19:00 Uhr
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19:30 Uhr
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19:30 Uhr
19:00 Uhr
Trinklieder, Tänze, Volksgesänge und ein wilder Hexensabbat – das Volk als überschäumende Quelle der Energie steht im Mittelpunkt von Mussorgskis temporeicher und in der Sprunghaftigkeit ihrer Handlung überaus eigenwilliger Oper. Vom Komponisten unvollendet hinterlassen, konnte dieses komisch-groteske Meisterstück erst viele Jahre nach Mussorgskis Tod uraufgeführt werden. An der Komischen Oper und damit in Berlin zum letzten Mal im Jahre 1948 zu erleben, erscheint es jetzt in einer Neuinszenierung von Chefregisseur Barrie Kosky.
Die Mär von einem trunksüchtigen Teufel auf der Suche nach seinem roten Kittel versetzt abergläubische Bewohner und Durchreisende im ukrainischen Dörfchen Sorotschinzi in Angst und Schrecken, darunter auch den Bauern Tscherewik. Dessen Tochter Parasja liebt den Bauernburschen Grizko, darf ihn aber nicht heiraten, weil die streitsüchtige, ihren Mann Tscherewik fortwährend schikanierende Stiefmutter Chiwrja einen einfachen Bauernburschen für eine schlechte Partie hält. Doch wer den Aberglauben recht zu nutzen weiß, kommt mit und ohne Teufel an das gewünschte Ziel.
»Schlichte Geschehnisse« in loser, auf kausale Zusammenhänge verzichtender Folge sind es, die Mussorgski in seiner als Torso hinterlassenen Oper mit prallem, volkstümlichem Leben füllt. Dazu zitiert er nicht nur Volkslieder und -tänze, sondern breitet deren musikalische Faktur über die gesamte Komposition aus und fügt obendrein seine zum Chorstück erweiterte Orchesterfantasie Eine Nacht auf dem kahlen Berge von 1867 als Traum des Bauernburschen Grizko ein. Mehrere Komponisten versuchten, aus dem von Mussorgski hinterlassenen Material ein aufführbares Werk zu machen. Die zuletzt veröffentlichte Fassung von Lamm/Schebalin aus dem Jahre 1932 scheint den Absichten des Komponisten am nächsten zu kommen. Sie glättet nicht, sondern zollt dem »ungehobelten« Duktus des Werkes Rechnung.
Libretto vom Komponisten nach der Erzählung von Nikolai W. Gogol
nach dem Autograf des Komponisten rekonstruiert von Pawel Lamm, vervollständigt und instrumentiert von Wissarion J. Schebalin
Vorstellung: So. 02.04.2017

Stab

Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühnenbild und Kostüme
Katrin Lea Tag
Dramaturgie
Kinderchor
Licht
Franck Evin

Besetzung

Tscherewik, ein Bauer
Chiwrja, seine Frau
Parasja, Tochter des Tscherewik
Gevatter
Grizko, Bauernbursche
Afanassi Iwanowitsch
Zigeuner
Tschernobog, Oberteufel
Chorsolisten der Komischen Oper Berlin, Kinderchor, Vocalconsort Berlin
BR-Klassik
Annika Täuschel, 4.4.2017
Slapstick-Parade mit fliegenden Omeletts
»Die Inszenierung [Der Jahrmarkt von Sorotschinzi] von Barrie Kosky an der Komischen Oper Berlin punktet mit viel Tempo, Witz und Freude an der Schrägheit des menschlichen Seins.«
Zur Kritik
rbb kulturradio
Kai Luehrs-Kaiser, 3.4.2017
Modest Mussorgski »Der Jahrmarkt von Sorotschinzi«
»Hier wachsen gewohnte Kräfte über sich hinaus – die Ausgrabung der Saison. … Nie habe ich das Orchester so klangvoll, weich und üppig gehört wie hier. Ebenso den Chor!«
Zur Kritik
Berliner Morgenpost
Georg Kasch, 4.4.2017
Eine Bühne voller Trampel
»Das Zuhören ist auch bei vielen Solisten eine Freude. Am meisten bei Alexander Lewis, der seinen jugendlichen Grizko mit Leidenschaft und Leidensdruck ausstattet. … Mirka Wagner … als Parasja … [gestaltet] ihre große Arie im dritten Akt … als rauschhafte, euphorisierende Bewegung. Die größte Partie [in Der Jahrmarkt von Sorotschinzi] stemmt Agnes Zwierko ... Ihr gelingt das Kunststück, einerseits szenisch hemmungslos zu übertreiben und gerade dadurch komisch zu sein, andererseits aber auch echtes Mitgefühl einzufordern... «
Zur Kritik
Seenandheard-international.com
Marc Berry, 5.4.2017
The Komische Oper’s Colourful Portrayal of »The Fair at Sorochintsy«
»A Gogol opera would almost seem made for Barrie Kosky, offering magic, sex, exoticism, and of course grotesquerie. He and his production team certainly do a fine job here. Katrin Lea Tag’s set designs are relatively spare, without being minimalist; they provide an excellent frame for Kosky’s always detailed, convincing Personenregie. There is no doubting the mastery of his craft here. … The Dream Vision ballet sequence is, unsurprisingly, an exception to any hint of spareness. … Kosky’s fantastical imagination here runs riot. One does not necessarily understand, although one may feel compelled to attempt interpretation nevertheless. It is spectacle in the best sense, though, mysteriously changing what we have seen and heard forever.«

Süddeutsche Zeitung
Julia Spinola, 4.4.2017
Volk grölt, Solisten jammern
»Mussorgskys Musik …, die in [Der Jahrmarkt von Sorotschinzi] streckenweise ebenso bohrend wahrhaftig und eigenwillig klingt wie in seinen Meisterwerken, lohnt die Entdeckung. … Der Generalmusikdirektor der Komischen Oper, Henrik Nánási, schärft am Pult des prächtig spielenden Orchesters die Extreme, der Chor und der Kinderchor der Komischen Oper übertreffen sich, ergänzt vom Vocalconsort Berlin, selbst, und auch die solistischen Partien sind mit Agnes Zwierko als Chiwrja, Jens Larsen als Tscherewik, Mirka Wagner als Parasja und Alexander Lewis als Grizko glänzend besetzt.«
Zur Kritik
Der Tagesspiegel
Frederik Hanssen, 4.4.2017
Des Teufels fette Beute
»Spielfreudiger, flexibler und offener als die tolle Truppe der Komischen Oper ist derzeit wohl kein Chorkollektiv weltweit.… [Mit einer] klugen Kontrast-Dramaturgie … [machen] Kosky und sein Chefdramaturg Ulrich Lenz aus dem russischen Opern-Torso [Der Jahrmarkt von Sorotschinzi] ein packendes Livekultur-Erlebnis … [In der] ›Grande Scènes Comique‹ … trifft Gogol auf Grand Guignol, wird aus Maskerade, Tanz, Pantomime ein Gesamtkunstwerk.«
Zur Kritik
Die Musik ist zutiefst berührend!
Barrie Kosky