Leonard Bernstein

Candide

Musical in zwei Akten [1956/1999]
Deutsch
3 h 15 min inkl. Pause
19:30 Uhr
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Nach dem überwältigenden Erfolg der von aller Patina befreiten West Side Story inszeniert Barrie Kosky nun mit Leonard Bernsteins weniger bekannten Comic Operetta Candide ein Werk, das in keine Schublade zu passen scheint: Das rasante Voltaire-Operetten-Musical rund um die Frage »Warum passieren guten Menschen schlimme Sachen?« ist wildes Roadmovie, satirische Philosophiestunde und eine Liebeserklärung an die europäische Musikgeschichte zugleich!

Knall auf Fall muss der nicht ganz so wohlgeborene Candide nach der Enthüllung seiner Liebe zur edlen Baronesse Kunigunde die geliebte Heimat verlassen. Arglos und unbekümmert macht er sich auf eine Reise durch die Welt, angetrieben vom Credo seines Lehrers Pangloss, das da lautet: Die Welt, wie sie ist, ist die einzige, die es gibt, und folglich auch die bestmögliche. Nun begegnet Candide auf seiner Reise von Bulgarien bis Lissabon, von Paraguay bis Venedig allerdings nichts als haarsträubende Grausamkeit von Natur und Mensch: Krieg, Prostitution, Menschenhandel, Erdbeben und gleich eine Vielzahl an verschiedensten Morden. Vom promiskuitiven, erstochenen Großinqusitor bis zum erhängten und wiederaufstehenden Philosophen pflastern bizarre Tote und Untote den Weg von Candides wundersamer Reise. Doch angetrieben durch seinen unüberwindbaren Optimismus, lässt sich Candide von nichts in seinem Glauben an das Gute und an die Liebe zu Kunigunde beirren. Schließlich darf er sein Herzblatt nach unzähligen Abenteuern rund um den Globus endlich wieder in die Arme schließen – doch was ist nach all dem Erlebten noch geblieben von der einst schwärmerischen Liebe?
Voltaire, Ikone der französischen Philosophie, schuf 1759 mit seiner satirischen Novelle Candide ou l’Optimisme einen Meilenstein der europäischen Aufklärung. Scharfzüngig, und stets die Wirklichkeit im Blick, kritisierte er die weltbejahenden Lehren deutscher Philosophen wie Gottfried Wilhelm Leibniz und Christian Wolff. Ein außergewöhnlich anspruchsvoller Stoff für ein Musical, dessen sich Leonard Bernstein 1953, unmittelbar nach seinen ersten Broadway-Erfolgen, annahm. Während seine fast gleichzeitig komponierte West Side Story amerikanischer kaum sein könnte, gilt Candide als Bernsteins Liebeserklärung an die europäische Musikgeschichte. Nach zahlreichen Versionen liegt seit Ende der 1990er Jahre eine Fassung vor, die sich mit ihrem scharfen Humor am voltaireschen Original orientiert und Bernsteins mitreißende Musik zu seiner Comic Operetta voll zur Geltung bringt. Barrie Koskys Inszenierung, mit mehr als 800 Kostümen auf fast leerer Bühne, schlägt einen wilden Bogen von der Aufklärung bis in unsere Gegenwart! Bitter-bissig bestechende Unterhaltung, aktueller denn je!
Comic Operetta in zwei Akten von Leonard Bernstein [1956/1999]
Fassung des Royal National Theatre in großer Orchesterbesetzung
Buch von Hugh Wheeler nach der Novelle Candide ou l’Optimisme von Voltaire
Adaptiert von John Caird
Songtexte von Richard Wilbur
Zusätzliche Songtexte von Stephen Sondheim, John Latouche, Lillian Hellman, Dorothy Parker und Leonard Bernstein
Orchestrierungen von Leonard Bernstein und Hershey Kay
Weitere Orchestrierungen von Bruce Coughlin
Deutsche Fassung von Martin G. Berger [2017]
Sa., 24. November 2018, 19:30 Uhr

Stab

Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühnenbild
Kostüme
Choreographie
Dramaturgie
Licht
Alessandro Carletti

Besetzung

Voltaire/Dr. Pangloss
Candide
Kunigunde
Die alte Frau
Maximilian
Paquette
Cacambo
Gouverneur
Vanderdendur
Martin
... und viele Partien mehr
Chorsolisten der Komischen Oper Berlin
Tänzer
Meri Ahmaniemi, Alessandra Bizzarri, Martina Borroni, Damian Czarnecki, Michael Fernandez, Paul Gerritsen, Claudia Greco, Hunter Jaques, Christoph Jonas, Sara Pamploni, Lorenzo Soragni, Mariana Souza
Berliner Zeitung
Martin Wilkening, 25.11.2018
"Spirale der Desillusionierung"
»Der reine Tor, der als Schelm durch die Welt kommt, trägt von Station zu Station seiner Reise neue Wunden davon, körperlich, aber auch seelisch, und in dieser Spirale der Desillusionierung zieht sich eine immer stärker werdende Traurigkeit über dem satirisch aufklärerischem Witz zusammen. Das macht Barrie Koskys Inszenierung sehr deutlich, indem sie die Gewalt, die dem Titelhelden widerfährt und ihn schließlich zum Mörder macht, zunehmend aus dem Bereich des Comic Strip herausführt und in Momente echter Anteilnahme umkippen lässt. Als Candide, der ewig Suchende, wieder seiner Kunigunde gegenübersteht, muss er erkennen, dass er einem Trugbild nachgejagt ist. Kosky zeigt das nicht wie die Vorlage im simplen Verfall äußerer Attraktivität, sondern in der Erkenntnis psychischer Korruption. Hier treten sich die beiden fern aller Rollenspiele als echte Menschen gegenüber, und dasErgebnis ist alles andere als erfreulich. Liebe jedenfalls existiert nicht mehr.« ... »Das Orchester unter der Leitung von Jordan de Souza lässt die unterschiedlichen Tonfälle, mit denen Bernstein hier jongliert, gekonnt ineinander umschlagen, das Sentimentale findet ebenso wie das Zugespitzte seinen Platz.«
Zur Kritik
Deutschlandfunk - Kultur heute
Julia Spinola, 25.11.2018
Barrie Kosky inszeniert Bernsteins Operetten-Musical
»Barrie Kosky erklärt die Widersprüche und die Brüche des Stücks zur Hauptsache und inszeniert ein brillantes Chaos. … Kosky inszeniert ein Stück über die Widersprüche dieser Welt, über die allgegenwärtige Suche nach Glück und Zufriedenheit in einer vollständig beschädigten Welt und nicht zuletzt ein Stück über Heimatlosigkeit und Getriebenheit. All das sind Themen, die heute wieder hochaktuell sind.« ... »Virtuos gelingt die Überlagerung verschiedener Zeiten, wechselnder Schauplätze, jäh umschlagender Stimmungen und Bilder vor allem im ersten Teil des Abends. Irre Komik und schwarze Satire wechseln einander manchmal innerhalb einer einzelnen musikalischen Nummer ab.« ... »Der eklektische Reichtum von Bernsteins Musik liegt bei Jordan de Souza in den besten Händen.« ... »Gesungen und gespielt wird bis in die kleinste Nebenrolle hinein brillant. Allan Clayton ist ein anrührend argloser Candide, Anne Sofie von Otter eine absolut stilsichere Type in der Partie der Alten Frau und Nicole Chevalier macht mit ihrem kaum zu bremsenden Temperament aus der Partie der Kunigunde eine überdrehte, stimmakrobatische Zirkusnummer.«
Zur Kritik
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Christiane Tewinkel, 27.11.2018
Weltverriss im Walzertakt!
»Jordan de Souza am Pult ließ das verkleinerte Orchester in diesem Sinne so lebenslustig und zugleich kontrolliert klingen, dass es schon in der Ouvertüre zu einer phantastischen Koexistenz von Coolness einerseits und Gepflegtheit in Timbre und Intonation andererseits kam. Einfühlsam passte er den Klang an die Solisten auf der Bühne an, nirgends besser als in der berühmten Nummer „Glitter and be gay“, die Nicole Chevalier als Candides Jugendliebe Kunigunde beim Stangentanz zeigte, derweil sie ihren Sopran in unendliche Höhen und haarsträubende Koloraturen schraubte. Nicole Chevalier zur Seite standen hervorragende Sängerinnen und Sänger, zum Beispiel der brillante Franz Hawlata in Personalunion als Dr. Pangloss und Voltaire selbst, der die Geschichte nacherzählte und damit ein distanzierendes Moment einbrachte, das auf der oft leer bleibenden Bühne von Rebecca Ringst umso deutlicher wirken konnte. So sehr trug Hawlata den Abend auf seinen Schultern, dass man fast um seine Kraft fürchtete – wären da nicht auch Anne Sofie von Otter in der Rolle der Alten Frau oder Tom Erik Lie als Martin gewesen, die ebenfalls mit Höchstleistung glänzten. Vor allem aber Allan Clayton als Candide, der, mit goldener Tenorstimme und anrührender körperlicher Präsenz begabt, der Geschichte Konstanz und Integrität verlieh …«

Süddeutsche Zeitung
Wolfgang Schreiber, 30.11.2018
Höllenritt durch die beste aller Welten
»Barrie Kosky … und sein traumhaft elastisches, daueraufgeputschtes Ensemble zelebrieren den wahlweise als Operette, Musical, Oper oder Vaudeville hin und her rasenden "Candide", das wilde Literatur-Roadmovie des französischen Philosophen Voltaire, als eine Art Brachialrevue. Auf der suggestiv leer geräumten Bühne von Rebecca Ringst geht es überdreht zu wie weiland in Marco Ferreris Filmklassiker vom "Großen Fressen", wo den handelnden Personen die prallen Schüsseln nur so um die Mäuler fliegen. Fieberhaft hüllt Kostümmeister Klaus Bruns die Solistentruppe, die Tänzerinnen und Tänzer, den Chor und die Komparserie der Komischen Oper in unablässig wechselnde Bekleidungen aller Moden und Stile, verordnet kunstvoll-rabiate Visualität.« ... »Barrie Kosky hält Leonard Bernsteins kurz vor der "West Side Story" für den Broadway komponierten "Candide" zu Recht für "die große amerikanische Operette des 20. Jahrhunderts". Und von der schneidigen "Ouverture" an, die als Konzertstück längst ein symphonisches Highlight ist, hat Dirigent Jordan de Souza Bernsteins virtuosen Candide-Mix aus hochemotionaler Pathosgeste, Tango oder Walzer, melodischem Mahler-Ton und ironischem Zitatenzauber nervenstark im Griff. Es geht im Klang üppig, laut und meistens gut intoniert zu. Das rasende Tempo der Aufführung ist halsbrecherisch, Bewegungslust und Fitness aller Akteure erscheinen grenzenlos.«
Zur Kritik
The Guardian/The Observer
Fiona Maddocks, 01.12.2018
British stars in Berlin
»Barrie Kosky führt das deutsche Publikum mit subkutaner Geschicklichkeit und Slapstick, großem Spektakel und innigem Gefühl an die einzigartigen Qualitäten der Australisch-Britischen Pantomime heran – geistreich, ätzend und liebevoll.« ... »Die große, ausdruckstarke Besetzung wird zusammengeführt durch Allan Claytons hypnotisierende Darstellung der Titelpartie. Der britische Tenor liefert seinen Text mit beeindruckender Sorglosigkeit ab … Und wer hätte gedacht, dass Clayton, der sein darstellerisches Talent bereits 2017 in der Gestaltung von Hamlet in der Uraufführung von Brett Deans Oper unter Beweis stellte, ein auch durchweg als Tänzer überzeugender Sänger mit angeborenem komischen Timing ist? Kosky war das offensichtlich klar und er treibt seinen Darsteller an dessen beachtliche und beeindruckende Grenzen. … All das macht fiebernden, umwerfenden Sinn in derbesten aller möglichen Welten.«
Zur Kritik
Der Tagesspiegel
Udo Badelt, 25.11.2018
Sternschnuppenleuchten
»Die gewohnt fulminante Nicole Chevalier als Kunigunde lässt keine Sekunde aus, Hysterie in all ihren Facetten zu beleuchten, und kann natürlich vor allem in der berühmten, barocke Vorbilder karikierenden Turbo-Koloraturarie „Glitter And Be Gay“ punkten ... Den puren Zynismus dieses Augenblicks, der mit Glücklichsein so viel zu tun hat wie Donald Trump mit Klimapolitik, ist vielleicht von noch keinem Regisseur so bitter und wahrhaftig gezeigt worden: Chevalier singt auf einem Tisch, angelehnt an einen Dancepole. Denn sie ist Hure, für zwei Herren gleichzeitig.« ...
»Kapellmeister Jordan de Souza treibt das Orchester in der Ouvertüre zunächst zu einem knackig-krachledernen Sound an, der sich aber später rundet und sanfter wird, viel Raum lässt für Stimmen, Stimmungen, Gefühle. [Die Beteiligten geben] ihr Äußerstes: der von David Cavelius einstudierte, zugkräftig singende und spielende Chor, eine von Otto Pichler hervorragend choreografierte Tänzergruppe, Anne Sofie von Otter als in ihrer Zerbrechlichkeit starke alte Frau, Tom Erik Lie als Martin, Candides grundpessimistischer Begleiter im zweiten Akt. «
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Vom 23. bis 25. November 2018 haben wir Bernsteins 100. Geburtstag gewürdigt ...

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