Symposium: At the Crossroads digital!

Drei Diskussionen über das Verhältnis von Streaming und Live-Aufführung
Eigentlich wollte die Komische Oper Berlin gemeinsam mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der University of Chicago vom 26. bis 28. Juni 2020 innerhalb des Symposiums »At the Crossroads« eine gegenwärtige Standortbestimmung von Oper als Genre und Institution wagen, sich unter anderem mit Opernästhetiken, mit Opernpublika und der analogen sowie digitalen Ausrichtung von Opernhäusern befassen.

Dieses Programm, die geplanten Diskussionen und künstlerischen Interventionen, lassen sich nicht ohne weiteres ins Netz verlagern. Aber zumindest ein Teil davon: jener Teil, der von vornherein als Auseinandersetzung mit der Digitalisierung von Oper geplant und als Stream gedacht war. In drei Zoom-Diskussionen werden also im geplanten Symposiums-Zeitraum (26.-28. Juni 2020) Wissenschaftler*innen und Produktionsbeteiligte anhand jeweils einer in den vergangenen Monaten digital zu erlebenden Bühnenproduktion der Komischen Oper Berlin dem Verhältnis zwischen Live-Aufführung und Streaming nachgehen. Digitaler Inhalt, digitale Form!

Mit freundlicher Unterstützung der Schering Stiftung – herzlichen Dank!
Die drei geplanten Diskussionen werden auf Zoom stattfinden. Damit Sie live dabei sein können, bitten wir Sie, sich für die jeweilige Veranstaltung unter dem bereitstehenden Link zu registrieren. Wir freuen uns auf Sie!

Vom Vergessen ins World Wide Web! – Jaromír Weinbergers Operette Frühlingsstürme
FR 26. Juni 2020, 19:30 Uhr


Als »letzte Operette der Weimarer Republik« erlebten die Frühlingsstürme des jüdisch-tschechischen Komponisten Jaromír Weinberger am 20. Januar 1933, nur zehn Tage vor Hitlers Machtübernahme, ihre umjubelte Premiere am Theater im Admiralspalast in Berlin. Knapp zwei Monate später fiel der letzte Vorhang. Der Komponist flüchtete ins Exil und geriet ebenso wie sein Werk mehr und mehr in Vergessenheit. Im Januar 2020, 87 Jahre nach ihrer Uraufführung, feierte Frühlingsstürme in der Inszenierung von Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky in einer rekonstruierten Instrumentation an der Komischen Oper Berlin Premiere.
Eine verloren geglaubte Operette wird dem Vergessen entrissen und einem millionenfachen Publikum auf der ganzen Welt zugänglich gemacht. Die Neuinszenierung wurde für eine Bühnenaufführung in einem Theaterraum geschaffen, diffundiert wird sie nun aber per Internet als zweidimensionale Aufzeichnung. Welche Problematiken stellen sich für das Bühnenbild – z. B. für den von Klaus Grünberg und Anne Kuhn für Frühlingsstürme geschaffenen »Zauberwürfel« – beim Transfer ins Netz? Welche Chancen bietet die Online-Distribution gerade für vergessene Werke?

Es diskutieren:
Klaus Grünberg (Bühnenbildner), Gertrud Koch (Filmwissenschaftlerin, FU Berlin), Ulrich Lenz (Chefdramaturg Komische Oper Berlin), Ethel Matala de Mazza (Literaturwissenschaftlerin, HU Berlin)

From the word into the world wide web? – Arnold Schoenbergs Moses und Aron
SA 27. Juni 2020, 19:30 Uhr

Expression is fundamentally – and famously – at stake in Arnold Schoenberg’s Moses und Aron. From the very start, Moses prefers obscure utterances to direct speech: while he doubts his own eloquence, he nonetheless refuses to compromise the austere integrity of his vocabulary. His brother Aron, on the other hand, is something of an ad man, if not a Mad Man: he is entirely willing to exploit and manipulate his lyrical medium to get the message across. The tension between the brothers is also the tension at the center of this work: how to lend expression to the inexpressible? Any production of Moses und Aron must take up this question, must make some sort of choice between endorsing Moses’s deep skepticism of representation and Aron’s canny endorsement of its power. But what happens when the production is in turn reproduced in cyberspace? How does that impact the piece’s preoccupation with expression? In this discussion, we set out to explore some of the interpretive paradoxes, as well as the musical and scenic terms, of Barrie Kosky and Vladimir Jurowski’s 2015 Komische Oper production of Moses und Aron.

Discussants:
Vladimir Jurowski (Conductor), Gundula Kreuzer (Music, Yale University), Ulrich Lenz (Chief Dramaturg, Komische Oper Berlin), David Levin (Theater, University of Chicago), Mary Ann Smart (Music, University of California Berkeley)

Vom Neustart ins World Wide Web! – Claudio Monteverdis / Elena Kats-Chernins Orpheus
SO 28. Juni 2020, 15:00 Uhr

Mit dem ersten abendfüllenden Werk der neuen Gattung Oper aus dem Jahr 1607 – Claudio Monteverdis Orfeo – startete Barrie Kosky programmatisch seine Intendanz 2012 in Berlin. Die über 400 Jahre alte Partitur Monteverdis erklang in unerhörten Farben in einer für diese Produktion neu erstellten Instrumentation und Bearbeitung durch die Komponistin Elena Kats-Chernin. Die Bühne und den Zuschauerraum eroberten Kosky und sein Ensemble mit körperintensivem Einsatz, Tanz, Puppenspiel auf der Bühne und Aktionen, die die Bühnenrampe überschritten sowie den Zuschauerraum einnahmen. Anlässlich der Wiederausstrahlung der Aufzeichnung von 2012 steht zur Diskussion, inwiefern im Streaming zentrale Momente dieser Eroberung der Komischen Oper Berlin durch das damals neue Team wiederentdeckt werden können oder sogar noch verstärkt in Erscheinung treten.

Es diskutieren:
Bettina Brandl-Risi (Theaterwissenschaftlerin, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), Elena Kats-Chernin (Komponistin), Clemens Risi (Theaterwissenschaftler, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), Rainer Simon (Referent des Intendanten, Komische Oper Berlin), Juliane Vogel (Literaturwissenschaftlerin, Universität Konstanz)

Musik:
Elena Kats-Chernin Green Leaf für Klavier (2002)
Elena Kats-Chernin Green Mountain Tango für Klavier (2020)
© Boosey & Hawkes Bote & Bock
Klavier: Elena Kats-Chernin

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