Hans-Peter Scheidegger

Solist - Bass
© Jan Windszus Photography
© Jan Windszus Photography
»Heute ist vieles im Alltag so glatt.
In der Oper dagegen geht man den Dingen auf den Grund.«
Im Ensemble der Komischen Oper Berlin seit 2006. 

HEIMAT
Französisch-schweizerischer Jura

STUDIUM
Universität Bern (Germanistik, Musikwissenschaft), Konservatorium für Musik Bern (Gesang)

PREISE
Solistenpreis des Schweizerischen Tonkünstlervereins, Internationaler Belvedere-Wettbewerb Wien

CD
Schumann: Das Paradies und die Periunter Armin Jordan (Cascavelle)

WICHTIGE DIRIGENTEN
Marc Albrecht, Rafael Frühbeck de Burgos, Seiji Ozawa, Esa-Pekka Salonen, Horst Stein, Jeffrey Tate, Lothar Zagrosek

WICHTIGE REGISSEURE
Calixto Bieito, Peter Konwitschny, Herbert Wernicke

FESTE ENGAGEMENTS
Komische Oper Berlin, Luzerner Theater, Badisches Staats­theater Karlsruhe, Theater Basel, Staatsoper Hannover

ANDERSWO
Wotan/Wanderer, Hagen (Der Ring des Nibelungen), Philipp (Don Carlos), Fiesco (Simon Boccanegra), Sarastro, Baron Ochs auf Lerchenau (Der Rosenkavalier), Hamburgische Staatsoper, English National Opera, Opéra National de Paris, Teatro alla Scala Milano, Teatro La Fenice Venezia, Edinburgh Festival

WICHTIGE PARTIENAN DER KOMISCHEN OPER BERLIN
Kuno (Der Freischütz), Basilio (Der Barbier von Sevilla), Komtur (Don Giovanni), Bartolo (Die Hochzeit des Figaro), Aronte (Armida), Professor/Banker (American Lulu), Hans Schwarz (Die Meistersinger von Nürnberg), Nana/Starkey (Peter Pan) 
Seine Heimat ist die Schweiz. »Ich bin hinter den sieben Bergen aufgewachsen, in einem kleinen Kaff im französisch-schweizerischen Jura.« Musik abseits der Kuhglocken kannte Hans-Peter Scheidegger nur aus dem Radio. »Da gab es einen französischen Klassiksender. Den habe ich immer gehört.« Ein Wendepunkt in seinem Leben war ein Konzertbesuch in einem kleinen Kloster in der Nähe. Gespielt wurde Musik von Mozart – eine frühe Sinfonie und ein Violinkonzert. »Bei vielen anderen Komponisten spürt man ja einen Willen. Bei Mozart hingegen sprudelt es einfach – wer weiß, aus welcher Quelle. Das hat mich mitgerissen.«

Der Eindruck saß tief und der Entschluss war gefasst: Hans-Peter Scheidegger wollte Geige spielen! Fleißig übte er fortan sein Instrument, begann parallel aber damit, in einem Chor mitzusingen. »Mit diesem Chor bin ich mehrmals durch ganz Italien gereist. Wir sangen Passionen, in unzähligen Kirchen. Das waren tolle Erlebnisse.« Und so war es auch kein Drama, als er die Geigenprüfung am Konservatorium nicht bestand. Stattdessen studierte Hans-Peter Scheidegger kurzerhand Gesang und fand so zu seiner wahren Passion: der Oper. »Heute ist vieles im Alltag so glatt. In der Oper dagegen geht man den Dingen auf den Grund.« Eine Aufgabe, die Herzblut verlangt. »Wenn man auf der Bühne steht, muss man sich mit seiner ganzen Existenz mitbringen, um den Emotionen nachfühlen zu können, die in den Stücken stecken.« Das geht für ihn nicht ohne Authentizität. »Oper funktioniert nicht, wenn die Gefühle aufgesetzt wirken oder Posen sind.« Wenn dann ein Opernabend erfolgreich über die Bühne gegangen ist, wirkt das Adrenalin bei Hans-Peter Scheidegger noch lange nach. »Das ist wie Fliegen.«

Entspannen kann er da nur mit ganz Alltäglichem. Den »cinque Pis« etwa:  Panna, Prezzemolo, Parmigiano, Pomodoro e Pepe – alles italienische Köstlichkeiten. Das italienische Fach ist ihm auch in der Oper bestens vertraut. Seinen ersten Opernauftritt hatte er als Fiesco in Simon Boccanegra, damals am Luzerner Theater. Später sang er auch viel deutsches Fach – Strauss und Wagner. »Das ist eine Frage der Kondition. Beim Ring des Nibelungen etwa.« Hans-Peter Scheidegger vergleicht ihn mit der Tour de France. »Als Wotan bist Du stimmlich ständig unterwegs. Erst bist Du in den Alpen, dann im Flachland. Dann kommen die Pyrenäen, dann geht's wieder runter. Und am Schluss wirst Du von allen auf den Champs-Élysées erwartet – am Besten als strahlend frischer Held.« Doch wer wie Hans-Peter Scheidegger ein Kind der Berge ist, für den sind auch diese Gipfel Heimat!

Seine Vorstellungen ...