Jaromír Weinberger

Frühlingsstürme

Operette in drei Akten [1933]
Deutsch
3h inkl. Pause
19:00 - 22:00 Uhr
19:30 - 22:30 Uhr
19:30 - 22:30 Uhr
19:30 - 22:30 Uhr
18:00 - 21:00 Uhr
19:00 - 22:00 Uhr
19:30 - 22:30 Uhr
19:30 - 22:30 Uhr
19:30 - 22:30 Uhr
16:00 - 19:00 Uhr
19:30 - 22:30 Uhr
19:00 - 22:00 Uhr
19:30 - 22:30 Uhr
19:30 - 22:30 Uhr
Die »letzte Operette der Weimarer Republik« kehrt zurück! Das Werk des zu seiner Zeit überaus erfolgreichen jüdisch-tschechischen Komponisten Jaromír Weinberger wurde am 20. Januar 1933, knapp einen Monat nach Paul Abrahams Ball im Savoy und zehn Tage vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Berliner Admiralspalast mit Richard Tauber als japanischem Offizier Ito und Jarmila Novotná als russischer Generalswitwe Lydia Pawlowska uraufgeführt. Am 12. März 1933 fiel endgültig und unwiderruflich der Vorhang. Nun, 87 Jahre später, hebt er sich endlich wieder – für die Neuinszenierung von Barrie Kosky!
Während die Fackelzüge der Nationalsozialisten durch das Brandenburger Tor zogen, jüdische Künstler*innen ihre Anstellungen verloren und der Reichstag brannte, ließ man sich im Admiralspalast trotzig Abend für Abend von den Frühlingsstürmen ins weit entfernte China forttragen: Japanische Spione, als Chinesen verkleidet im Hauptquartier der russischen Heeresleitung, eine junge Witwe aus St. Petersburg, die das Blut der Offiziere in Wallung bringt und ein koddrig kalauernder deutscher Reporter, der die frech-vorlaute Tochter des befehlshabenden Generals zu umgarnen versucht – das sind die Zutaten dieser eigenwilligen, mitten im Japanisch-Russischen Krieg von 1904/05 angesiedelten Operette.
Bleibt auch das personelle Grundmuster der Operette mit einem lyrisch-dramatischen Liebespaar und einem Buffo-Paar gewahrt, so bricht das Werk an vielen Stellen die gewohnten Formen: Große Shownummern mit Balletteinlagen fehlen gänzlich, der Chor singt nur aus dem Off, die Akt-Finali werden allein von den vier Solist*innen bestritten – und die tragende Rolle des Generals Katschalow ist eine reine Sprechrolle. Dazu schreibt Jaromír Weinberger eine Musik, die den rhythmisch beschwingten Operettensound ebenso beherrscht wie das große Drama. Orchestrale Naturschilderungen (der Frühlingsstürme!) stehen neben musikalischen Exotismen, liedartige Melodien treffen auf spätromantische Instrumentationskunst – die aufgrund der fehlenden Originalpartitur speziell für die Neuinszenierung rekonstruiert wurde.
Libretto von Gustav Beer
Rekonstruiert und neu arrangiert von Norbert Biermann
Berliner Zeitung
Peter Uehling, 27.1.2020
Im Flammenbereich
»Stefan Kurt spielt ... fantasievoll und auch in der Verzweiflung komödiantisch, lässt seinen Sängerkollegen auf der Bühne dabei darstellerisch immer Raum ... Alma Sadé und Dominik Köninger überzeugen mit schier unermüdlicher Albernheit und treffen sprechend wie singend den geforderten Boulevard-Ton ... Vera-Lotte Boecker singt mit mühelos erreichter und trotz großer Klarheit des Timbres nie scharfen Höhe ... Kosky inszeniert die einzelnen Szenen ohne interpretatorische Verstiegenheiten überaus lebendig und mit einer durchaus akzeptablen Überdosis Blödelei ...«
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Deutschlandfunk
Julia Spinola, 27.1.2020
Rekonstruierte "Frühlingssstürme"
»Eine wilde Mischung aus luxuriös-glitzerndem revuehaften Drive, Wiener Schmelz, fernöstlicher Exotik, slawischer Folklore auf der einen Seite und einem Operetten-Ton a lá Lehár auf der anderen. Das Orchester der Komischen Oper macht das unter Dirigent Jordan de Souza wunderbar ... Barrie Kosky kann sich auf ein großartig spielfreudiges Ensemble verlassen ... Der Tenor von Akzeybek hat zwar nicht den Schmelz eines Richard Tauber, aber wie er seine junge, schlanke und gut geführte Stimme einsetzt, ist wirklich fabelhaft ... Eine absolut lohnende Produktion über das historische Interesse hinaus.«
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Frankfurter Allgemeine Zeitung
Clemens Haustein, 28.1.2020
Räume, Träume, Purzelbäume
»Stefan Kurt in der Sprechrolle des General Katschalow spielt das mit unnachahmlicher Komik, Vera-Lotte Boecker singt und spielt die Lydia mit raumgreifender Würde, Tansel Akzeybeks knabenhaft-müheloser Tenor verleiht dem Major Ito die Aura unantastbarer Rechtschaffenheit, und Jordan de Souza führt das Orchester der Komischen Oper mit Schwung und Gefühl durch das Stück ... eine kurzweilige, handwerklich blitzsaubere Inszenierung...«
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kultur24.berlin
Holger Jacobs, 27.1.2020
Frühlingsstürme in der Komischen Oper
»Fazit: So gut amüsiert und emotional bewegt hat mich in Berlin schon lange keine Inszenierung mehr. Deshalb zurecht: 5 Sterne!«
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Der Tagesspiegel
Frederik Hanssen, 27.1.2020
In bunten Bündchen
»Diese Produktion ist eine humanistische Großtat. Weil sie einen Komponisten, den die Nationalsozialisten mundtot gemacht haben, seine Stimme zurückgibt ... Barrie Kosky lässt den
›Frühlingsstürmen‹ seine vielfach erprobte Turbo-Personenregie angedeihen, kulminierend im virtuosen Slapstick-Spaß mit einer heiß laufenden Hotel-Drehtür. Das ist handwerklich von allerhöchster Qualität, gerade auch in den so schwer zu inszenierenden Dialogen … Wie eine echte Operndiva gestaltet Vera-Lotte Boecker also die allseits umschwärmte Lydia Pawlowska, mit leuchtenden, mühelosen Spitzentönen. Und auch Tansel Akzeybek macht es genau richtig, versucht gar nicht, Richard Taubers Ton zu imitieren, sondern verströmt sich auf seine eigene tenorale Art, schlankstimmig, jünglingshaft-leidenschaftlich.«
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die tageszeitung
Niklaus Hablützel, 28.1.2020
Rotzfrech gemischte Tänze
»Große Arien entfalten weit ausholende Melodien, dazwischen spielt das Orchester rotzfrech zusammen gemischte Tänze aus aller Welt. Ländler, Walzer, Cancan, Tango, Foxtrott und Swing prallen auf engstem Raum zusammen, durchdringen sich in einem virtuos instrumentierten Rausch der Fröhlichkeit ... Stefan Kurt … ist so unwiderstehlich komisch, dass man vor lauter Lachen alles andere vergisst.«

Zur Kritik
So., 23. Februar 2020, 18:00 Uhr

Stab

Musikalische Leitung
Inszenierung
Choreographie
Bühnenbild und Licht
Bühnenbildmitarbeit
Kostüme
Dramaturgie

Besetzung

General Wladimir Katschalow
Tatjana
Lydia Pawlowska
Roderich Zirbitz
Oberst Baltischew
Tino Lindenberg
Großfürst Michailowitsch
Luca Schaub
Shibato und Hotelconcierge
Arne Gottschling
Kawa-Kami und Peter
Yannik Heckmann
Rittmeister Strotzky
Sascha Goepel
Tänzerinnen
Alessandra Bizzarri, Claudia Greco, Marika Gangemi, Martina Borroni, Azzurra Adinolfi, Jaslyn Reader, Lauren Mayer, Sophie Merrison, Meri Ahmaniemi, Tara Randell, Livia Delgado, Sarah Stanley, Sara Pamploni
Es spielt das Orchester der Komischen Oper Berlin.

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