Jules Massenet

Cendrillon (Aschenputtel)

Oper in vier Akten [1899]
Französisch
2h 45m inkl. Pause
19:30 Uhr
16:00 Uhr
19:30 Uhr
19:30 Uhr
20:00 Uhr
20:00 Uhr
19:30 Uhr
Sturz ins Angesicht der Wirklichkeit: ein Traum, ein Tanz, ein Sprung … Die weltbekannte Geschichte vom Aschenputtel in Jules Massenets selten zu hörendem romantischen Klangkosmos interpretiert Regisseur Damiano Michieletto als ganz realen Befreiungsversuch. Zeitenwende im Märchenland: radikal, tänzerisch, theatral!
Der Schuh ist ihr Verhängnis: Das Mädchen Lucette wollte hoch hinaus, nicht träumend, sondern tanzend – nach einem tragischen Unfall auf der Bühne ist sie nun ans Krankenbett gefesselt. Wie Cendrillon, das Aschenputtel, kämpft sie gegen schmerzvolle Einsamkeit, Selbstzweifel und Angst. Am Ende siegen über Neid, Hass und Eifersucht nicht die Zauberkäfte der Fee, sondern Solidarität und die Wirklichkeit der Liebe. Von Rossinis La Cenerentola über ein halbes Dutzend weiterer Vertonungen im 19. Jahrhundert bis hin zu Prokofjews Ballett und dem gleichnamigen Walt-Disney-Musical – das Märchen vom Aschenputtel gehört zu den beliebtesten Stoffen auf den Bühnen der Musiktheater. 
Jules Massenets Vertonung, uraufgeführt 1899 an der Pariser Opéra-Comique, erlebte nach ihrer Premiere einen Siegeszug über die Welt. Inmitten der Belle Époque traf der seinerzeit erfolgreichste Komponist Frankreichs den Nerv einer Zeit gesellschaftlicher und technischer Umbrüche, in der die Sehnsucht nach kleinen Fluchten aus einer Wirklichkeit, welche die Menschen zunehmend überforderte, ins Unendliche wuchs. Massenet betont die verzauberte, traumhafte Seite der Geschichte und verleiht seinen Märchenfiguren menschliche Züge. Das gefährdete Glück des Liebespaares und die tiefe Bindung zwischen Tochter und Vater stehen im Zentrum seiner modernen Märchenvision. In den für die französische Oper der Spätromantik typischen duftigen Orchesterklängen scheinen Aschenputtel und der Prinz einer Welt enthoben, die als bloße Karikatur fragwürdig gewordener Normen daherkommt. Barocke Musikformen werden ebenso zitiert wie parodistisch überhöht und vereinen sich mit Lyrismus und romantischer Dramatik zu einem spannenden Musiktheaterrausch: »Ein großer Abend ist hier gelungen, fern vom konventionellen ›Cinderella‹-Kitsch.« [Der Tagesspiegel]
Conte de Fées in vier Akten [1899]
Libretto von Henri Cain nach dem Märchen Cendrillon ou La Petite Pantoufle de verre von Charles Perrault
Fr., 2. November 2018, 19:30 Uhr

Stab

Musikalische Leitung
Inszenierung
Damiano Michieletto
Choreographie
Sabine Franz
Bühnenbild
Paolo Fantin
Kostüme
Dramaturgie
Simon Berger
Licht
Alessandro Carletti

Besetzung

Cendrillon (Aschenputtel)
Madame de la Haltière
Doris Lamprecht
Le Prince Charmant
La Fée
Noémie
Dorothée
Le Doyen da la Faculté
Le Surintendant des plaisiers
Le Premier Ministre
Alte Fee
Evelyn Gundlach
Chorsolisten der Komischen Oper Berlin
B. Z.
Juliane Primus, 13.06.2016
Ein märchenhaft schöner Abend
»Der venezianische Regisseur Damiano Michieletto lässt an diesem Sonntagabend in der Komischen Oper Märchen wahr werden. Noch nie wurde Cendrillon von Jules Massenet in Berlin gezeigt. Michieletto zeigt, dass es Zeit war. … Applaus für einen märchenhaften Abend.«
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Deutschlandradio Kultur FAZIT
Uwe Friedrich, 12.06.2016
Einstand mit »Aschenputtel«: Damiano Michielettos Debut in der Komischen Oper
»überraschend anrührend« »eine richtig tolle Aufführung« »ein äußerst beglückender Abend«
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rbb inforadio
Barbara Wiegand, 13.06.2016
Finesse und Vielfältigkeit
»… was für ein Paar: Nadja Mchantaf in der Titelrolle und Karolina Gumos in der Hosenrolle des Prinzen, wie sich Mchantafs warmer voller Sopran und Gumos gefühlsstark drängender, intensiver Mezzosopran ineinander verschlingen, verschmelzen.«

»Klug setzt Michieletto seine Version des Märchens in Szene, öffnet auf einer nüchtern eingerichteten Bühne surreale Räume, zeigt wie künstlich und wie echt das ganze darin ist. Und auch der Dirigent und sein Orchester steigern sich immer mehr in die Finesse und Vielfältigkeit der Komposition hinein. Und so entlarven sie dieses Märchen vom Aschenputtel als Traum – der am Ende doch nie zu Ende geht – wunderbar!!«
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der-neue-merker.eu
Dr. Ingobert Waltenberger, 13.06.2016
Die »Suche nach dem Superstar« als moderner Ausweg aus sozialer Enge?
»Eine Weltklasseproduktion rein vom Musikalischen her und eine sehr gute, berührende Regiearbeit…«

»Fazit: Hingehen, anschauen, anhören, sich verzaubern lassen von der magisch lyrischen spätromantischen Musik Massenets und zwei neuen schönen weiblichen Sternen am Opernhimmel: Nadja Mchantaf und Karolina Gumos.«
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Berliner Morgenpost
Georg Kasch, 14.06.2016
Spitzentanz mit Krücken
»[D]iese Cendrillon [ist] beispielhaft: Sie zeigt, wie gutes Regietheater ein Werk, das man auch als Belle-Epoque-Realitätsflucht abtun könnte, fürs Heute fruchtbar machen kann. Am Ende setzt sich der Prinz durch, gegen die Doktrin der schönen Körper. Er wirft seine Ballettschuhe weg, umarmt die humpelnde Cendrillon. Was für ein Märchen!«
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Der Tagesspiegel
Frederik Hanssen, 14.06.2016
Einfach Spitze: Generalmusikdirektor Henrik Nanasi und Regisseur Damiano Michieletto verzaubern ihr Publikum
»Ein großer Abend ist hier gelungen, fern vom konventionellen Cinderella-Kitsch. Eine packende, heutige Deutung, die das Werk ernst nimmt, alle Bewegungen organisch aus dem Geist der Musik entwickelt. Und damit dem Komponisten Jules Massenet einen unschätzbaren Dienst erweist.«
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