Der »Zigeuner«baron

Johann Strauss
Operette in drei Akten [1885]
Text von Ignaz Schnitzer
nach der Novelle Saffi von Mór Jókai
Dialogfassung von Tobias Kratzer

Neufassung eines strittigen Operettenklassikers von
Tobias Kratzer

Schon der Titel bietet ausreichend Anlass für kontrovers geführte Debatten: Für seine Rückkehr an die Komische Oper Berlin hat sich Tobias Kratzer Der »Zigeuner«baron von Johann Strauss ausgesucht – ein Werk, an dem ihn nicht nur die musikalische Qualität reizt, sondern auch die Fragen, die Titel und Libretto unweigerlich aufwerfen. In seiner Neufassung verdichtet der Regisseur das Werk auf seine musikalische Essenz und die zeitlosen Themen, die es behandelt:

Ausgrenzung und Integration, Heimatlosigkeit und Entwurzelung und das Auffinden einer neuen Heimat – und die zerstörerische und doch auf fatale Weise einheitsstiftende Wirkung von Krieg. Für Tobias Kratzer, der 2017 mit Zoroastre am Haus debütierte, bietet das Stück »eine hervorragende Folie für das, was Theater auch sein kann: Es werden einem auf der Bühne exemplarisch verschiedene Konfliktsituationen vorgeführt, mit denen man sich auch in der eigenen Gesellschaft auseinanderzusetzen hat.« Eine explosive Mischung am Vorabend eines gesellschaftlichen Umbruchs bildet den Hintergrund für zwei (vermeintlich) interkulturelle bzw. klassenübergreifende Liebesgeschichten: Ein mittelloser, junger Emigrant, der in seine Heimat zurückkehrt und den elterlichen Besitz nur mehr als Ruine vorfindet; ein großtuerischer, reicher Schweinezüchter, der sich eben dieses Besitzes bemächtigt hat; ein Adliger, der sich als konservativer Sittenwächter geriert und sich dabei auf »die gute alte Zeit« beruft, und eine von der Gemeinschaft ausgeschlossene Minderheit, die von der privilegierten Schicht kollektiv als »Zigeuner« bezeichnet wird, die aber gemeinsam mit den Herrschenden in den Krieg zieht und ihn letztlich für diese gewinnt. Indem Tobias Kratzer die Handlung der Operette aus der Sicht des in der Vergangenheit verhafteten k.u.k-Offiziers Graf Homonay perspektiviert, fordert er das Publikum zugleich auf, eine eigene Perspektive auf das Werk auf einzunehmen.

Unter der musikalischen Leitung von Operettenspezialist Stefan Soltész ist ein spielfreudiges Ensemble zu erleben, angeführt von Thomas Blondelle, Dominik Köninger, Mirka Wagner (im Wechsel mit Nadja Mchantaf), Helene Schneiderman, Alma Sadé und Philipp Meierhöfer.

Zu welchen Rahmenbedingungen die Premiere sowie die Folgevorstellungen stattfinden können, richtet sich nach den Auflagen der zuletzt gültigen SARS-CoV-2-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung Verordnung zum Infektionsschutz.

Informationen zu Terminen, geplantem Begleitprogramm, Fassung, Handlung sowie Stab finden Sie in der vollständigen Pressemeldung (Download)

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