17.01.2019

Ainārs Rubiķis und Daniel Lozakovich im Sinfoniekonzert | 1.2.

Bei seiner Uraufführung im Jahr 1806 fiel Beethovens Violinkonzert bei Publikum und Presse durch. Unter anderem wurde über »unendliche Wiederholungen« geklagt – zu ungewohnt waren noch die Länge des Konzerts und die kompositorische Struktur voller dramatischer Kontraste. Erst als der junge Geigenvirtuose Joseph Joachim es 1844 unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy in London gespielt hatte, wurde es vom gattungsbildenden Prototyp zu einer festen Größe im Konzertrepertoire und gilt inzwischen als Idealfall eines Solokonzertes. Der 17jährige schwedische Violinist Daniel Lozakovich, der bereits mehrfach mit dem Orchester der Komischen Oper Berlin gastiert hat, nimmt sich jetzt dieses herausragenden Werks an.

Mit diesem dritten Sinfoniekonzert beendet Generalmusikdirektor Ainārs Rubiķis seine Drei-Konzertreihe zum Auftakt seiner Berliner Amtszeit. Er rahmt das Violinkonzert mit zwei Werken, die jeweils Brücken zwischen Gegenwart und Vergangenheit schlagen: Die Kunstfertigkeit, mit der Beethoven in seiner Großen Fuge B-Dur op. 133 kontrapunktische Techniken des Barockzeitalters mit formalen Gestaltungsprinzipien seiner Tage zu vereinbaren wusste, erwies sich als zukunftsweisend. Auf der Basis eines überschaubaren motivisch-thematischen Bestands förderte er so eine nahezu unbegrenzte Vielfalt musikalischer Ausdruckswerte zu Tage. Komponisten wie Johannes Brahms oder Arnold Schönberg scheinen ohne das Vorbild von Beethovens Großer Fuge, die in Felix Weingartners zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandenen Bearbeitung für Streichorchester erklingt, kaum denkbar.

Ottorino Respighis 1926 entstandene, ebenso opulent wie farbenreich instrumentierte Vetrate di chiesa stellen eine Folge musikalischer Stimmungsbilder dar, die von den gregorianischen Chorälen der mittelalterlichen Musik inspiriert sind, versinnbildlicht durch die titelgebenden Kirchenfenster. Respighi gehört zu einer um 1880 geborenen Gruppe italienischer Komponisten, die der Meinung waren, dass die reine Instrumentalmusik in ihrer Heimat seit dem kometenhaften Aufstieg der Oper vernachlässigt worden sei. Während Beethoven mit seinem op. 133 aus dem 18. bereits ins 19. Jahrhundert weist, so wendet Respighi mit seinen Vetrate di chiesa in spätromantisch verklärender Weise den Blick zurück auf einer lange zurückliegende Musikepoche.
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