Der Kaiser* erklärt …

Passerelle!
Szene aus Il barbiere di Siviglia, 2016 © Monika Rittershaus
Als Passerelle wird an der Komischen Oper Berlin ein besonderer Erweiterungsbau der Bühne hinein in den Zuschauerraum bezeichnet. Es handelt sich um einen eigens für diesen Saal angefertigten Einbau aus vorgefertigten Bauteilen. Damit werden die ersten beiden Sitzreihen im Parkett überbaut; diese Plätze können also nicht gebucht werden. Einmal aufgestellt, bietet die Passerelle der Regie die Möglichkeit, das Spiel in den Saal hineinzuführen. So wird die übliche architektonische Trennung von Zuschauerraum und Bühne durch den Orchestergraben im wahrsten Sinne des Wortes umgangen.
In Barrie Koskys Interpretation von Monteverdis Orpheus kam die Passerelle 2012 erstmals zum Einsatz ...
In Barrie Koskys Interpretation von Monteverdis Orpheus kam die Passerelle erstmals zum Einsatz und hat ihren womöglich erfolgreichsten Auftritt in Koskys Inszenierung von Jacques Offenbachs Die schöne Helena. Dieser Abend ist nicht nur wegen der Besetzung und der Musik so beliebt, sondern auch, weil die ganze Show mit unglaublichem Tempo rasant über die Bühne – und die Passerelle – fegt. Direkt vor der Nase des Publikums spielen und sausen die Sänger*innen und Tänzer*innen vorbei, quasi dem Orchester und seinem Dirigenten um die Ohren. Zu diesem Zweck wird auf der Passerelle ein eigens angefertigtes Bodentuch aus LKW-Plane aufgelegt – damit alles wirklich glatt geht, und die Rollen der Rollschuhe auch wirklich rollen. Ist die Konstruktion von unseren Bühnentechniker*innen einmal eingerichtet, kann das Orchesterpodium nicht mehr bewegt werden – das muss es aber auch nicht, denn jetzt heißt es: auf Holz geklopft, Hals und Beinbruch, Bühne frei, toi, toi, toi und gute Unterhaltung!

* Der Kaiser erklärt ... In dieser Rubrik gibt Daniel Kaiser, der Technische Direktor der Komischen Oper Berlin, Einblicke in die technischen Kniffe und Besonderheiten von Produktionen an der Komischen Oper Berlin. Wollten Sie schon immer einmal etwas über ein Detail einer bestimmten Produktion wissen? Dann schreiben Sie uns unter kommunikation@komische-oper-berlin.de und mit etwas Glück erklärt es Ihnen der Kaiser in einer der nächsten Ausgaben.