Spielzeit 2019/20

Wiederentdeckungen – Neuentdeckungen
Wir widmen die Spielzeit 2019/20 mit neun Premieren, darunter zwei Uraufführungen, 14 Wiederaufnahmen und zahlreichen Konzerten und Sonderveranstaltungen dem griechischen Gott Dionysos, als Verkörperung der sinnlichen, emotionalen und gemeinschaftsbildenden Kraft von Musik und Theater.
Unser neues Spielzeitheft gibt es ab sofort an der Tages- und Abendkasse zum Mitnehmen! Oder Sie lassen es hier direkt von unserer Kollegin durchblättern oder laden es sich als PDF herunter!
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Egal, ob wir Atheisten, Juden, Christen, Muslime oder Buddhisten sind – sobald wir an die Kraft von Theater und Musik glauben, an ihre rauschhafte, verführerische, körperliche, emotionale und letztlich vor allem gemeinschaftsbildende Wirkung, sobald wir an all dies glauben, glauben wir auch an den griechischen Gott Dionysos. Ihm möchte ich diese Spielzeit widmen. Auf ein Jahr Opernrausch!
Barrie kosky, Chefregisseur und Intendant
Die Neuproduktionen reflektieren das gesamte Spektrum des Musiktheaters, vom Barock bis zur Uraufführung, vom inszenierten Chanson-Abend über Operette und Volksoper bis hin zur monumentalen zeitgenössischen Oper, von Klassikern des Repertoires bis zur Wiederentdeckung einer fast vergessenen Operette.

Barrie Kosky und Vladimir Jurowski eröffnen die Spielzeit mit The Bassarids von Hans Werner Henze. Die mythische Geschichte thematisiert den urmenschlichen Konflikt zwischen Trieb und Vernunft. Mit einem Schwerpunkt entdecken wir den jüdisch-tschechischen Komponisten Jaromír Weinberger wieder: Sein Welterfolg Schwanda, der Dudelsackpfeifer von 1927, eine spätromantische Musiktheaterkomödie und Liebeserklärung an die böhmische Heimat des Komponisten, wird ebenso in einer Neuproduktion zu erleben sein wie seine Frühlingsstürme. Die Operette, die Weinberger eigens für den Startenor Richard Tauber schrieb und die im Januar 1933 als letzte Operette der Weimarer Republik Premiere feierte, wird erstmals seit 1933 überhaupt wieder erklingen. Für Barrie Koskys Neuinszenierung wird sie neu orchestriert, da die Partitur als verschollen gilt.

Frühlingsstürme

Der russische Regisseur Kirill Serebrennikov kehrt zurück und inszeniert The Rake’s Progress von Igor Strawinsky – eine Geschichte über die Verlockung, Leben und Lust, Wahnsinn und Tod. Ein weiterer Rückkehrer ist Richard Jones, der mit Händels Jephtha unter der musikalischen Leitung von Alte-Musik-Spezialist Christian Curnyn die Barockreihe der vergangenen Spielzeiten fortsetzt. Die diesjährige konzertante Weihnachtsoperette wartet mit einer Deutschen Erstaufführung auf: Dschainah - Das Mädchen aus dem Tanzhaus von Paul Abraham ist 84 Jahre nach der Uraufführung in Wien endlich auch in Berlin zu hören. Bezug auf die Zeit der 1920er und 1930er Jahre nimmt auch der Chanson-Abend Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn! mit Anne Sofie von Otter und Wolfram Koch, der mit knapp zwei Jahren Verspätung seine Uraufführung erleben wird. Eine herzzerreißende Liebesgeschichte erzählt Verdis La traviata – neu beleuchtet für das 21. Jahrhundert von Nicola Raab. Für die jüngsten Opernbesucher präsentiert das Haus die Uraufführung einer brandneuen Kinderoper, basierend auf Michael Endes weltberühmten Kinderbuch Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer.

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

In der sich über die ganze Spielzeit erstreckenden Konzert-Trilogie Flucht erzählen Musiker*innen mit ganz unterschiedlichen Fluchthintergründen über das Auswandern, Einwandern und Bleiben. Das traditionell die Saison abschließende Komische Oper Festival wird 2020 ganze zehn Tage dauern, rund um ein Symposium, das  die neuesten Entwicklungen in der Oper des 21. Jahrhunderts im Hinblick auf Inszenierungsästhetiken und Rezeptionsverhalten untersucht.

Wiederaufnahmen
Nach längerer Pause gibt es ein Wiedersehen mit Barrie Koskys umjubelter Inszenierung von Verdis Rigoletto, unter der Leitung von Generalmusikdirektor Ainārs Rubiķis. Nach kurzer Pause wieder auf dem Spielplan stehen Jewgeni Onegin, Pelléas et Mélisande und Semele sowie Don Giovanni. Wie auch in der laufenden Spielzeit sind unter anderem die Erfolgsproduktionen Die Perlen der Cleopatra, Die Zauberflöte, Anatevka, Candide, La Bohème, Der Zauberer von Oz und Eine Frau, die weiß, was sie will! zu erleben sowie Roxy und ihr Wunderteam mit den Geschwistern Pfister (Premiere: 31. Mai 2019).

Generalmusikdirektor Ainārs Rubiķis dirigiert vier der sieben Sinfoniekonzerte in der Saison 2019/20 und begrüßt dabei unter anderem Musiker*innen wie Arabella Steinbacher, Isabelle Faust, Daniel Hope und Tzimon Barto. Beim ersten Konzert der Spielzeit ist erneut Fazıl Say zu Gast, dieses Mal mit musizierenden Weggefährten und unter der Leitung des Ersten Kapellmeisters Jordan de Souza. Gastdirigent*innen sind Alondra de la Parra und Clemens Schuldt, weitere Solist*innen Jan Vogler und Christian Tetzlaff.

Abgerundet wird das Konzertprogramm wieder durch Sonderkonzerte, die Kammer- und Nachtkonzertreihen sowie zwei Programme mit Barrie Kosky am Klavier. Gemeinsam mit Katharine Mehrling gestaltet er einen besonderen Abend mit Songs und Chansons von Kurt Weill unter dem Titel Lonely House. Außerdem wird das gefeierte Programm Farges mikh nit mit jiddischen Operettenliedern wiederaufgenommen – interpretiert von den Sängerinnen Alma Sadé und Helene Schneiderman.

Festivals & mehr

Jaromír Weinberger Festival

27. bis 29. März 2020
Denkt man an große tschechische Komponisten, so kommen einem Smetana, Dvořák und Janáček in den Sinn: Das 20. Jahrhundert schreibt diese slawische Musiktradition fort – allerdings mit einschneidenden Brüchen, die das eine oder andere Werk, den einen oder anderen Komponisten dem Vergessen anheimfallen ließen. Einer davon: Jaromír Weinberger!

Seine 1927 in Prag uraufgeführte Volksoper Schwanda, der Dudelsackpfeifer machte ihn über Nacht berühmt. Bis 1933 wurde sie weltweit tausendfach aufgeführt. Mit Spannung wurde 1933 die Premiere seiner Operette Frühlingsstürme mit Richard Tauber im Berliner Admiralspalast erwartet. Bis März 1933 wurde sie noch gespielt, dann fiel der Vorhang für die »letzte Operette der Weimarer Republik« – und ihren Komponisten Jaromír Weinberger. Vor den Nazis floh er in die Vereinigten Staaten, wo der einstige Star sich 1967, vereinsamt und vergessen, das Leben nahm.

Rund um die zwei präsentierten Meisterwerke aus der Feder Weinbergers widmem wir diesem Ausnahmekomponisten ein Wochenende, um seiner einzigartigen Musik wieder eine Bühne zu geben und Gehör zu verschaffen. Die Aufführungen werden ergänzt durch ein Operetten-Pasticcio, zwei Kammerkonzerte und ein kleines Symposium, in dem Musik- und Theaterwissenschaftler*innen gemeinsam mit einem interessierten Publikum die unterschiedlichen Facetten des jüdisch-tschechischen Komponisten entdecken.

Flucht - Eine Konzert-Trilogie

15. Sep 2019, 26. Jan und 15. Mai 2020
Flucht – das Thema Nr. 1 in der politischen Diskussion der letzten Jahre wird an der Komischen Oper Berlin zum Gegenstand von ganz unterschiedlichen musikalischen Begegnungen. In drei Konzerten zu den thematischen Schwerpunkten Auswandern, Einwandern und Bleiben erzählen Musiker*innen mit unterschiedlichsten Fluchthintergründen, aus unterschiedlichen Ländern kommend, in unterschiedlichen Ländern lebend, in Geschichten und durch Musik von ihren jeweiligen Lebenswegen – von der Emigration aus Nazideutschland über die innerdeutsche Flucht in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis hin zu den Fluchtbewegungen des Sommers 2015. Publikum und Musiker*innen vollziehen einen Perspektivwechsel und nehmen gemeinsam auf der Bühne der Komischen Oper Berlin Platz, um – jenseits der allzu bekannten politischen Positionen – bislang unbekannten Schicksalen und Klängen ihre Stimme bzw. ihr Gehör zu schenken.

Komische Oper Festival

24. Jun bis 4. Jul 2020
Die eine oder andere Premiere in dieser Saison verpasst? Lust auf ein besonderes Opernereignis, das alle Sinne anspricht? Wie in den letzten Spielzeiten präsentiert die Komische Oper Berlin auch am Ende dieser Saison die ganze Vielfalt der Neuproduktionen innerhalb des Komische Oper Festivals – mit besonderem Rahmenprogramm für Auge, Ohr, Gaumen und Intellekt. An jedem Abend erwarten das Publikum rund um die Vorstellung Musik im Foyer, Begrüßungsdrinks, interessante Einführungsvorträge vor und spannende Diskussionen mit mitwirkenden Künstler*innen nach jeder Vorstellung.
Wer in den letzten Jahren nicht genug Neuproduktionen und Festivalstimmung bekommen hat: Aus sechs werden dieses Mal ganze zehn Festivaltage! Und wem die Vorträge und Diskussionen nicht genügend geistiges Futter geben: Tagsüber sorgt das Symposium At the Crossroads! Oper inszenieren im 21. Jahrhundert für weitere Reflexions- und Denkanstöße.

Projekte »Jung« und »Selam Opera!«

Über Kinderopern und -konzerte sowie den Operndolmuş hinaus setzen Komische Oper Jung und das interkulturelle Projekt Selam Opera! dank zahlreicher Unterstützer ihre erfolgreiche Arbeit fort, u. a. mit dem Willkommensklassen-Projekt Peter und der Wolf, dem kulturellen Bildungsprojekt »Jobs@Opera« und der »Pop-up-Opera«. Jährlich kommen rund 45.000 Kinder und Jugendliche aus Berlin und Brandenburg und aus allen Communities in die Vorstellungen der Komischen Oper Berlin. Der Anteil erwachsener Besucher*innen mit Migrationshintergrund liegt bei rund 10%.

Der offizielle Vorverkauf startet am 24. April - an der Opernkasse Unter den Linden 41 von 11 bis 19 Uhr, telefonisch unter (030) 47 99 74 00 oder natürlich online hier. Genießen Sie die neue Saison an der Komischen Oper Berlin!
Ab 10. April startet der Vorverkauf für Förderkreis-Mitglieder, OpernCard-Inhaber*innen und Abonnent*innen. Ausführliche Informationen für die flexibel einsetzbare OpernCard und das Abomüsement gibt es hier.