Abenteuer Oper! 2.0

Ein generationsübergreifendes Kulturprojekt
© Komische Oper Jung
Sich etwas trauen, gehört werden und sich gesehen fühlen, als Gruppe zusammenhalten – all diese Dinge sind für Kinder in der Pandemie noch seltener zu erleben als ohne sie. Deswegen haben unsere Musiktheaterpädagog*innen in der Spielzeit 2021/22 eine hybride Form der Projektwoche für drei Grundschulen in Berliner Brennpunktkiezen entwickelt.

Fünf Tage lang beschäftigen sich drei Grundschulklassen jeweils mit der Kinderoper Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Sie lauschen der Musik und machen sich die Geschichte zu eigen. Jedes Kind findet seine Rolle in der Oper und findet eigene Worte dafür. Bunte Masken und Kostüme werden gebastelt und bestaunt. Und mit dem täglichen Aufwärmtraining kommen alle zusammen in Bewegung. Senior*innen stoßen in verschiedenen Projektphasen digital dazu und begleiten die Projektarbeit der Schüler*innen. Schließlich entsteht ein eigenes, von den Kindern gestaltetes Hörspiel zum Opernstoff Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer.

Wir freuen uns sehr, dass das »Abenteuer Oper!« in der Spielzeit 2021/22 auf einen weiteren Kiez ausgeweitet werden kann und wir erstmals auch an der Spreewald-Grundschule eine Projektwoche anbieten können. Vielen Dank an die Stiftung Berliner Leben für die wertvolle Unterstützung!


Interview

© Tina Merkau
»Mittels Kunst Teilhabe initiieren«
Ein Interview mit Dr. Hans-Michael Brey, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Berliner Leben

Was begeistert Sie am Musiktheater?
Die Begeisterung liegt in der Kultur, die über dem Haus der Komischen Oper Berlin schwebt. Kultur umfängt sie. Sie spüren die Kraft der Kultur. Und dieses Wohlgefühl setzt sich im Kontakt mit den hier arbeitenden Menschen fort. Es ist diese Kraft zur Veränderung, die wir gemeinsam mit der Komischen Oper Berlin nutzen wollen, um den Kindern und Jugendlichen, die uns anvertraut werden, Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen.

Wie entstand die Idee zum Projekt?
Seinerzeit haben Herr Jellema und Herr Terboven in ihrer Funktion als Vorstände der Gewobag AG ein Projekt gesucht, in dem Grundschüler*innen mit der Unterstützung von Senior*innen Theater spielen können. So sollte der Vereinzelung von Generationen in den Quartieren entgegengetreten werden. Ferner lag der Überlegung die Idee zugrunde, mittels Kunst Teilhabe zu initiieren sowie über Generationen hinweg ein gemeinsames Produkt – im Sinne von Identifikation – zu schaffen. Hier haben sich die Musiktheaterpädagog*innen der Komischen Oper Berlin angeboten. Sie waren in der Lage, Kinder in einwöchigen Workshops zu begleiten, und zum Abschluss einer Projektwoche konnten sie darüber hinaus einen gemeinsamen Besuch der Kinder mit ihren Familien und den beteiligten Senioren im Opernhaus ermöglichen. Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die bis heute hält!

Gibt es besondere Herausforderungen?
Mit dem sehr guten Team der Komischen Oper Berlin um Anne-Kathrin Ostrop konnten wir gemeinsam bisher jede Herausforderung sehr gut meistern. Ich würde sogar sagen, dass jede Herausforderung half, das Projekt weiter zu qualifizieren. Bestes Beispiel hierfür ist die Pandemie und ihre Begleiterscheinungen, die uns wie viele andere vor die große Aufgabe gestellt hat, über Nacht ein digitales Konzept zu entwickeln und mit den Partnern im Sinne der uns anvertrauten Kinder durchzuführen. Das hat hervorragend funktioniert. Das sieht man nicht nur an der Presseresonanz, sondern auch an dem berührenden Dokumentarfilm. Hier zeigt sich, wie wichtig in Zeiten der sozialen Isolation Projekte wie »Abenteuer Oper!« sind und welche große Wirkung sie bei jedem einzelnen Kind entfalten.


Wie verändert »Abenteuer Oper!« die Lebensqualität in den Quartieren? In welchen Quartieren ist das Projekt präsent?
»Abenteuer Oper!« findet momentan in Spandau in der Askanier-Grundschule, in der Otto-Wels-Grundschule in Kreuzberg und in der Spreewald-Grundschule in Schöneberg statt. Alle drei Schulen zeichnet aus, dass sie in Quar-tieren mit vielfachen Herausforderungen liegen. Viele bildungsferne Familien leben dort und die Arbeitslosigkeit ist hoch. Für Kinder und Jugendliche, die hier aufwachsen, ist es wichtig, über den Schulunterricht hinaus Anregungen zu bekommen. Die erste Begegnung mit der Kunstform Oper, das Einüben einer eigenen Aufführung und die positive Anerkennung schaffen Selbstwirksamkeitserlebnisse, die weit über den Moment hinauswirken. Wir hoffen gemeinsam mit unserem Stifter, der Gewobag AG, und der Komischen Oper Berlin, den Kindern einen Anstoß geben zu können, dessen Wirkung in die Familien hinein spürbar ist und sich zudem im Laufe eines Lebens entfaltet. Unser Stif-tungshandeln ist in diesem Sinne nachhaltig und auf Langfristigkeit ausgelegt.

Wie wichtig ist dabei der Austausch verschiedener Generationen?
Das ist ein zentrales Element von »Abenteuer Oper!«. Senioreneinrichtungen in der Umgebung der Schulen werden über uns und die Gewobag AG angesprochen. Interessierte Senior*innen beteiligen sich an dem Projekt, indem sie die Kinder bei den Proben, bei Kostümentwicklung und der Aufregung vor dem Auftritt begleiten und unterstützen. Daraus sind wertvolle Verbindungen entstanden, die weit über das Projekt hinausgehen. So gibt es an den Schulen nun Lesestunden und Bastelnachmittage, die die Senior*innen ehrenamtlich anbieten. Das ist ein wunderbares zusätzliches Ergebnis – ein Nebeneffekt, der in das Quartier langfristig hineinwirkt!

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von »Abenteuer Oper!«?
Wir freuen uns sehr, dass »Abenteuer Oper!« in der Spielzeit 2021/22 eine dritte Schule mit aufgenommen hat, die Spreewald Grundschule in Schöneberg-Nord. Das findet nun im Rahmen unseres neuen quartiersbezogenen Programms Stadtraum!Plus statt. Erstmalig wird hier auch ein ergänzender Bühnenbildworkshop stattfinden, der noch weiteren Schülern die Möglichkeit bietet, an dem Projekt teilzunehmen. Dazu bauen wir gemeinsam mit der Komischen Oper Berlin ein Alumni-Programm auf, um interessierten Kindern über »Abenteuer Oper!« hinaus etwas anbieten zu können. Wir freuen uns mit allen Beteiligten, dass sich das Projekt stetig weiterentwickelt. Insofern sehe ich sehr optimistisch in die Zukunft von »Abenteuer Oper!« - einem Projekt, das wichtiger denn je für die Perspektive von Kindern und Jugendlichen in den Berliner Quartieren ist.

Einblicke in das Projekt

Videoclip zum aktuellen Projektdurchlauf

Abenteuer Oper! 2.0
Ein Einblick in die digitale Projektwoche.

10 Jahre Abenteuer Oper!
Gefördert von