Salon

Science & Art
Die Komische Oper Berlin möchte die sehr erfolgreiche, gemeinsam mit der Schering Stiftung in der Spielzeit 2014/15 ins Leben gerufene Salonreihe im Foyer der Komischen Oper Berlin auch in der Spielzeit 2020/21 fortsetzen. In loser Anbindung an den aktuellen Spielplan werden fünf abendliche Salongespräche mit renommierten Wissenschaftler*innen veranstaltet, um über Themen zu sprechen, die sowohl die Wissenschaft als auch die Opernwelt bewegen. Diskussionen in entspannter Atmosphäre, variierende Gesprächsdramaturgien und künstlerische Interventionen verwandeln das Foyer – und ab Herbst 2020 sogar den Saal – der Komischen Oper Berlin in einen Salon des 21. Jahrhunderts…

»Vergiss mein nicht«

Mo 18. Januar 2021, 19:30 Uhr
»Vergiss mein nicht«
Salon über Vergessen und Erinnern

Nicht erst seit der Datenschutz-Grundverordnung sprechen wir von einem Recht darauf, vergessen zu werden. Doch geht das überhaupt so einfach – vergessen werden? Wie löscht man seine Daten und seinen Fußabdruck in der (digitalen) Welt aus? Werden wir nicht stattdessen ständig aufgefordert, uns an unsere eigene Geschichte zu erinnern? Und mit dem menschlichen Gehirn ist es nicht viel anders als mit dem Internet: Auch in unserem Kopf ist altes Wissen hartnäckig, permanent müssen wir liebgewonnene Automatismen vergessen und durch neue ersetzen. Können wir überhaupt vergessen, oder müssen wir vielmehr den Abruf der Information hemmen? Andererseits: Wie dauerhaft sind die physiologischen und digitalen Speichermöglichkeiten tatsächlich? Ist die Halbwertszeit eines digital gespeicherten Manuskripts nicht viel geringer als die eines analogen Buches? Und haben diese beschränkten digitalen Erinnerungskapazitäten womöglich Einfluss auf unser kulturelles Gedächtnis, ja gar auf das Erinnerungsvermögen unseres Gehirns? Was bleibt vom Leben – ohne kulturelle Erinnerung? Und ist bzw. war Theater nicht sogar das vergänglichste Speichermedium aller Zeiten?

GÄSTE
Prof. Dr. Aleida Assmann (Ägyptologin, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Universität Konstanz)
Prof. Dr. Nikolai Axmacher (Neuropsychologe, Ruhr-Universität Bochum)

MODERATION
Simon Berger, Carolin Sibilak

MIT
Sänger*innen und Musiker*innen der Komischen Oper Berlin

»Kommunismus«

Mo, 1. März 2021, 19:30 Uhr
»Kommunismus«
Salon über eine gesellschaftliche Utopie

Sind wir Menschen überhaupt gemacht für den Kommunismus? Oder sind wir gemäß Darwins »Survival of the fittest« nicht eher amWettbewerb interessiert? Nach dem realpolitischen Scheitern der kommunistischen Parteidiktaturen im 20. Jahrhundert und dem Fall des Eisernen Vorhangs scheint der Erfolgszug von Kapitalismus und Neoliberalismus in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens unaufhaltsam. Doch mehr und mehr macht sich Skepsis breit, ob es sich dabei wirklich um einen »Erfolg« handelt. Es scheint an der Zeit zu sein, sich wieder ernsthaft mit den Ideen des Kommunismus auseinanderzusetzen. Könnten die Konzepte von Karl Marx, Friedrich Engels und anderen Philosophen vielleicht helfen, wieder mehr gesellschaftliche Gleichheit herzustellen? Unterschiede und Hierarchien bzgl. Klasse, Gender oder Race aufzulösen? Inwieweit könnte die Kollektivierung von Eigentum dazu beitragen, der immer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich entgegenzuwirken? Welche
Formen sind denkbar? Und wo beginnt der Gleichheitsgedanke, die Freiheit des Einzelnen einzuschränken?

GÄSTE
Dr. Sabine Nuss (Politikwissenschaftlerin und Verlegerin, Karl Dietz Verlag Berlin)
Prof. Dr. Rahel Jaeggie (Philosophin, Humboldt-Universität zu Berlin)

MODERATION
Simon Berger, Ulrich Lenz

MIT
Sänger*innen und Musiker*innen der Komischen Oper Berlin

»Gender«

Mo, 26. April 2021, 19:30 Uhr
»Gender«
Salon über verschwimmende Kategorien

Der wohl bekannte, zeitweise verstummte, aber nach wie vor drängende Ruf nach mehr Geschlechtergerechtigkeit wird seit einigen Jahren in der Theater- und Opernlandschaft wieder laut. Zu viele Männer in Leitungspositionen, zu wenige Frauen am Regie- oder am Dirigentenpult – so der alte wie neue Befund. Damit einhergehend wird das traditionelle, binäre Geschlechterverständnis sowie seine Repräsentation auf den Bühnen erneut befragt: Wie können wir Gender heute fassen? Als biologische Entität oder als soziales Konstrukt? Was heißt Mann- oder Frausein – auf biologischer und auf sozialer Ebene? Sind diese Kategorien überhaupt noch haltbar? Welche Begrenzungen, Ausschlussmechanismen, aber auch Vorteile bieten sie? Und was ist mit den marginalisierten Geschlechteridentitäten jenseits der Binarität? War die Oper des Barock mit Hosenrollen, hohen Männerstimmen und cross-dressing in dieser Hinsicht weiter als die zeitgenössische Opernpraxis? Was spricht für ein Verständnis von Mehrgeschlechtlichkeit? Können wir dann überhaupt noch Don Giovanni, Faust, Gretchen oder Carmen auf der Bühne zeigen?

GÄSTE
Prof. Dr. Jenny Schrödl (Theaterwissenschaftlerin, Freie Universität Berlin)
Prof. Dr. Kerstin Palm (Biologin, Kulturwissenschaftlerin, Humboldt-Universität zu Berlin)

MODERATION
Anna Papenburg, Rainer Simon

MIT
Sänger*innen und Musiker*innen der Komischen Oper Berlin
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Selected Performance: 2084
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Mon 18 Jan 202119:30 — 21:00

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