Die Meistersinger von Nürnberg
Oper in drei Aufzügen von Richard Wagner
Text vom Komponisten
Karten
5 Stunden 30 Minuten (2 Pausen)
Einführung … 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn, Foyer
Uraufführung 1868 - Premiere am 26. September 2010
Sehr wichtig nehmen sie sich, die Meister aus Nürnberg, die neben ihrem Brotberuf das schöne Handwerk des Verseschmiedens nach guter alter Art pflegen. Und überaus wichtig nehmen sie die althergebrachten, bei jeder Versammlung feierlich rezitierten Regeln, nach denen sie ihre Kunst ausüben. Schwer ist sie, lang, mühsam und bedeutungsvoll, die Laufbahn der Meistersinger, da kann nicht einfach einer daherkommen und glauben, ein Lied zustandezubringen, ohne dass er vorher die zahllosen Töne, Weisen, Silben, Maße und Gewichte gründlichst auswendig gelernt hat. Und dieser Herr von Stolzing, der nicht einmal ehrbarer Bürger, sondern verarmter Adliger ist, schon gar nicht. Daraus wird nichts und aus seiner Liebe zur Tochter des reichen Goldschmieds sowieso nicht! – Aber dann hat er den Mut und stellt sich auf die Festwiese und singt sein Lied, und das ist so voll Feuer der Jugend und voll Liebe zu seiner Eva und zur Kunst, dass die Meister, die eben doch Künstler sind und keine Verwalter, hingerissen die Regeln Regeln sein lassen und dem Feuerkopf zujubeln, der dann natürlich auch sein Mädchen heimführen darf.
Kein anderes Werk Richard Wagners passt so gut zu unserem Haus wie seine geniale komische Oper. Wagners erfundenes Nürnberg ist ein Ort der Kunst und der Künstler. Fast drohen sie in der Bewahrung der großen Traditionen zu erstarren, aber zum Glück erkennen sie ihre Chance, als das Neue an die Tore pocht. Auch für die Meistersinger gilt also: Ihre Tradition ist fortwährende Erneuerung.
Es klang so alt, und war doch so neu, wie Vogelsang im süßen Mai!
Hans Sachs in Die Meistersinger von Nürnberg, 2. Aufzug