La Périchole
Pressestimmen
Berliner Morgenpost, 07.06.2010
Selten ist auf Berliner Bühnen eine derart plumpe und gleichsam subtile Publikumsbeschimpfung zu erleben. Kurz: Die Inszenierung ist grandios!
Opernwelt, Juli 2010
Nicolas Stemann ist bei seinem Debüt im Musiktheater eine tiefsinnige, hintergründige, aber nie kopflastige Inszenierung gelungen, die den Spaß reflektiert, aber nicht verdirbt. In dem Bremer Generalmusikdirektor Markus Poschner hat er einen idealen und kreativen Mitarbeiter gefunden, der die Vorstellung aus dem Graben und hinter der Szene mit Schwung und dramatischem Biss leitet. Das gesamte Ensemble scheint nicht nur motiviert, sondern auch animiert. Die Solisten wachsen über sich hinaus.

Neue Musikzeitung, 07.06.2010
Diese gekonnte Leistung erbringen Caroline Gumos als attraktive Straßensängerin Périchole und Johannes Chum als hochgewachsener Straßensänger Pequillo, als ein im angeschnittenen Wagnerfach, wie in der Leichtigkeit des Offenbach-Couplets, gleichermaßen überzeugendes Liebespaar. Chum brilliert auch mit einem makellosen A-cappella-Gesang am Anfang des dritten Aktes. Mit Witz und stimmlicher Bravour agieren Peter Renz und Günter Pappendell als politische Potentaten und singende Showmaster. Anna Borchers, Mirka Wagner und Olivia Vermeulen, Mitglieder des Opernstudios, verkörpern das Terzett der Drei Cousinen, in wechselnden Kostümen zwischen Bifis, Animierdamen und Politessen (Kostüme: Marysol del Castillo).
Den Vogel schießt der Bariton Roger Smeets ab: als Vizekönig Don Andrès gibt er im Frank-N-Furter-Kostüm jene Hunde-Dressurnummer zum Besten, die im ersten Akt der originalen Operettenhandlung das Volk mehr zu begeistern vermag als die Straßensängerin Périchole selbst.
Wieder einmal großartig: der von Barbara Kler einstudierte Chor derKomischen Oper Berlin - er erlebt ein Kostümfest zwischen Rokoko undRocky Horror Picture Show.
Das Orchester der Komischen Oper unter Markus Poschner, zunächst in dem von einem breiten Showsteg umrundeten Graben und dann auf einem fahrbaren Bühnenwagen hinter den Sängern, ist in Hochform.

rbb Kulturradio, 07.06.2010
Unter Markus Poschner, der mit spitzen Fingern dirigiert, wird ein moussierender, spritzig exakter, aber nie preußisch exerzierender Offenbach gespielt – orchestral der beste, den ich in Berlin je gehört habe.
»kultiversum«-Frühkritik, 06.06.2010
Das Wunder vollbrachten Regisseur Nicolas Stemann mit seiner ersten Musiktheater-Produktion und Markus Poschner am Pult. Fußend auf einer Neuübersetzung von Bernd Wilms haben sie eine so intelligente wie unterhaltsame Umsetzung von Offenbachs Straßensänger-Ballade «La Périchole» zustande gebracht, die die verhältnismäßig banale Story für ein heutiges Publikum aufbereitet wie auch das Genre Opéra-bouffe selbst thematisiert.
Deutschlandfunk, 07.06.2010
Nicolas Stemann stellt dem hysterisch-virtuosen Offenbach das denkbar Entfernteste gegenüber – Stellen aus Wagners Tristan und Isolde. Und es funktioniert! […] Es ist eine Inszenierung von großer Musikalität, Stemann, selbst Musiker, treibt Offenbach auf die Spitze, konterkariert ohnehin selten auftretende Innigkeit durch jaulende Backgroundchöre, lässt schmissige Refrains in Endlosschleife wiederholen: […] Poschner holt aus der Partitur alles heraus, was an Schmiss, Witz, Farbigkeit und Virtuosität zu holen ist.

Frankfurter Rundschau, 10.06.2010
Wer das als zu komplex oder gar zu (de)konstruktivistisch empfindet, wird diese Inszenierung nicht mögen können. Er wird sich, weil das traditionelle Motiv eines narrativ-linearen Amüsements überwölbt wird von der dialektischen Durchdringung des Stoffes, womöglich langweilen oder ärgern. Oder beides. Wer genauer hinsieht und ein Herz für dramaturgische Logik hat (und einen schwarzen Humor, der selten geworden ist hierzulande), der wird diesen Abend begeistert mitdenken und -erleben. [ ]
Die Musik spricht davon an diesem wohltuend anderen Abend, in jeder Sekunde. Markus Poschner, Bremer Generalmusikdirektor, trifft am Pult des befreit aufspielenden Orchesters der Komischen Oper den Tonfall der durchtriebenen Tragikomik wunderbar pointiert. Sei es bei Wagners »Tristan«, der noch mehrfach eindringt in »La Périchole«, sei es bei den clusterartigen Klängen des Nirwana, oder sei es bei Offenbachs Musik selbst. Davon gerne wieder mehr in der Behrenstraße.