La Périchole
Handlung
1. Akt
Die Krise, die im Königreich Peru offensichtlich herrscht, wird von künstlicher guter Laune zugedeckt – besonders heute, am Geburtstag des Vizekönigs Don Andrès. Denn der mischt sich gern inkognito unters Volk, um die »wahre« Stimmung seiner Untertanen zu erforschen – letztlich aber auf der Suche nach Beifallsbekundungen. Diese werden ihm auch zuteil, allerdings nur von seinen ebenfalls als Volk verkleideten Höflingen Don Pedro und Graf Panatellas, sowie von bestochenen Volksmassen, die von drei reizenden Damen, die sich »Die drei Cousinen« nennen, zuvor mit Alkohol in Stimmung gebracht worden sind.
Diese realitätsverleugnenden Verhaltensmaßregeln sind nur an der Straßensängerin Périchole und ihrem Geliebten Piquillo vorübergegangen, die weder Geld für Essen noch zum Heiraten haben. Als sie ihre lustigen Operetten-Lieder wieder mal erfolglos präsentieren, zieht Piquillo allein weiter, während Périchole vor Erschöpfung einschläft. Im Schlaf bricht ihr Unmut über die Verhältnisse heraus, sie beschimpft Staat und Vizekönig – der sie in diesem Moment entdeckt. Anstatt sie wütend zu bestrafen, ist der Vizekönig entzückt von so viel Wahrheit und bietet ihr sofort an, sie als »Ehrendame« an seinen Hof zu holen. Vor die Wahl gestellt zwischen der Liebe zu ihrem Piquillo und einem Leben im Wohlstand entscheidet Périchole sich schnell für Letzteres, wie sie Piquillo in einer ihr Gewissen beruhigenden »Briefarie« wissen lässt. Da die Verfassung des Operetten-Peru aber nur verheiratete »Ehrendamen« zulässt, muss nun rasch ein Ehemann für die schöne Sängerin herbeigeschafft werden. Der findet sich – so wollen es Zufall und Libretto – ausgerechnet im ahnungslosen Piquillo, der sich gerade erhängen will, erschüttert von Péricholes Abschiedsbrief. Unter Einsatz von Alkohol werden alle an der Zwangsheirat Beteiligten gefügig gemacht. Während Périchole Piquillo erkennt und meint, die Situation nun mit Raffinesse beherrschen zu können, weiß der nicht, wehrt sich gegen die Heirat mit einer Frau, die er seines Wissens nach weder kennt noch liebt.
2. Akt
Piquillo ist in einer ihm fremden Welt gelandet. Drei seltsame Damen verspotten ihn, eine Gruppe von Herren lästert, dass er die Mätresse des Vizekönigs geheiratet habe. Als ihm langsam dämmert, was passiert ist, konfrontieren ihn Don Pedro und Graf Panatellas mit den Spielregeln der Macht bei Hofe. Piquillo jedoch will nur eines: zurück zu seiner geliebten Périchole. Allerdings muss er zuvor, um die Etikette zu erfüllen, seine Gattin offiziell vor dem Vizekönig präsentieren. Da erkennt er Périchole und versucht, dieses gnadenlose Spiel zu entschlüsseln: Wie kann es sein, dass die fremde Frau, mit der man ihn gegen seinen Willen verheiratet hat, sich nun ausgerechnet als die Frau entpuppt, die er liebt? Wie kann es sein, dass diese Hochzeit nur deshalb stattfand, damit sie ihm untreu werden kann? Vergebens versucht Périchole, die glaubt, das Spiel noch in der Hand zu haben und die Situation heimlich für die ersehnte Hochzeit nutzen zu können, ihn ruhigzustellen. Doch Piquillo läuft Amok. Überraschenderweise sind alle am Hof völlig begeistert von so viel echtem Gefühl und revolutionärer Energie. Piquillos Rebellion wird zu einem für alle belebenden Event, weshalb man ihn sofort ins »Gefängnis für Männer, die dagegen sind« steckt und ihn zum Revoluzzer wider Willen macht.
3. Akt
Der dritte Akt beginnt mit dem Auftritt eines alten Gefangenen, eigentlich die klassische Komikerrolle. Er erzählt, dass er bereits seit 12 Jahren im Kerker des Operettenkönigreiches Peru gefangen ist, ohne einen Ausweg zu finden. Kann er Piquillo retten, der nun in seine Nachbarzelle gesteckt wird?
Piquillo besingt seine Liebe zu Périchole und schläft ein.
Da kommt Périchole, und für einen traumhaften Moment scheint diese Liebe möglich. Doch sofort beginnt der Komödienterror der Operetten-Realität von neuem. Der »lustige Schließer«, der niemand anderes ist als der verkleidete Vizekönig, platzt herein. Als er sich enttarnt, begehren Périchole und Piquillo auf. Der Vizekönig macht kurzen Prozess. Doch halt: Die Operettenseligkeit will es anders. Das Liebespaar kann fliehen und die ganze Polizei sucht es vergeblich. Schließlich fliehen Périchole und Piquillo in ein schmissiges Couplet, das dem Vizekönig keine andere Wahl lässt, als sie zu begnadigen. Ansonsten wäre es sicher blutig und tödlich ausgegangen, wie die Drei Cousinen verkünden – und die wissen, wie man überlebt.