Das Land des Lächelns
Romantische Operette von Franz Lehár
Romantische Operette in drei Akten von Franz Lehár
Libretto von Ludwig Herzer und Fritz Löhner
2 Stunden 45 Minuten
Einführung … 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn, Foyer
Uraufführung 1929 - Premiere am 1. Juli 2007
Eine Produktion der Komischen Oper Berlin in Koproduktion mit dem Theater Basel
Dass der Flirt nicht nur auf den Praterwiesen Hochkonjunktur hat, sondern auch bei den Chinesen längst bekannt ist, ist für die Damen der gehobenen Wiener Gesellschaft eine kleine Sensation. Eine von ihnen, Lisa Lichtenfels, findet den Prinzen Sou-Chong dann auch gleich so was von apart, dass sie ihm ins Land des Lächelns folgt, um seine Frau zu werden. Und auch Gustav von Pottenstein kann sich dem exotischen Charme von Sou-Chongs Schwester Mi nicht entziehen. Statt, wie eigentlich geplant, die angebetete Lisa aus China wieder heim zu holen, verzweifelt er auf ganz eigene Weise am Clash der Kulturen: »O du geliebtes, süßes, kleines, zartes Chinagirl, mir bricht meines armes Herz! Warum bist du kein Wiener Girl?« Ist das alles wirklich so witzig ist, wie man nun vermuten könnte?
Franz Lehárs Operette »Das Land des Lächelns«, die mit »Dein ist mein ganzes Herz« einen der bekanntesten Schlager aller Zeiten enthält, ist eigentlich das Remake eines mäßig erfolgreichen Werkes des Komponisten von 1923, der »Gelben Jacke«. Der Librettist Viktor Léon hatte die Idee zu dem Stoff bereits 1916 ins Auge gefasst – als Inspiration diente ihm wohl ein junger Attaché der chinesischen Botschaft in Wien, der sowohl Léons Gattin als auch seiner Tochter Lizzy den Hof gemacht hatte. Ob diese Anekdote stimmt oder doch jene, nach der Léon in einer Zeitung gelesen habe, dass der erste Attaché der chinesischen Botschaft, Herr Hsüeh Chi Tschong, sich mit einem Fräulein Zenoth aus Charlottenburg vermählt habe, sei dahingestellt: In beiden Fällen regte eine gleichermaßen exotische wie erotische Geschichte die Phantasie des Autors an. Viktor Léon, der mit Franz Lehár bereits bei der »Lustigen Witwe« zusammengearbeitet hatte, konnte den Komponisten von dem Sujet überzeugen. Doch erst als Lehár aus dem Stoff der »Gelben Jacke« mit den Librettisten Ludwig Herzer und Fritz Löhner 1929 »Das Land des Lächelns« geschneidert hatte, war ein Welterfolg geboren.
Peter Konwitschny schaut in der Komischen Oper Berlin Lehárs Operette hinter die Fassade des immerwährenden Lächelns. Indem er die Figuren und ihre Gefühle nicht weiter verkitscht, sondern sie ernst nimmt, gewinnt Lehárs Musik in dieser Inszenierung eine große Fallhöhe, eine berückende Eindringlichkeit und eine Ehrlichkeit, die man beim »kleinen Mann sein Puccini« (Kurt Tucholsky) so nicht vermutet hätte. Dass er dabei auch den Unterhaltungswert nicht vernachlässigt, ist die große Kunst dieser gefeierten Arbeit von Peter Konwitschny.
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