Die Entführung aus dem Serail
Singspiel in drei Aufzügen von Wolfgang Amadeus Mozart (ab 18 Jahren)
Libretto von Christoph Friedrich Bretzner, bearbeitet von Johann Gottlieb
Stephanie d. J.
Mittwoch, 16.05.2012, 19:30 Uhr
Empfohlen ab 18 Jahren
2 Stunden 15 Minuten (ohne Pause)
Einführung … 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn, Foyer
Wir empfehlen den Besuch ab 18 Jahren.
Uraufführung 1782 - Premiere am 20. Juni 2004
Der katalanische Regisseur Calixto Bieito, der mit Die Entführung aus dem Serail sein Debüt an der Komischen Oper Berlin gab, gilt seit Mitte der neunziger Jahre als einer der wichtigsten, gleichzeitig auch umstrittensten Regisseure. Er ist durch seine konkrete und expressive Sprache im Umgang mit klassischen Texten bekannt geworden. Calixto Bieito ist bekennender republikanischer Sozialist und ein - aus jesuitischer Erziehung heraus geprägter - radikaler Regisseur. Er ist bestrebt, eine Art »Wahrheit der Bühnensprache« zu erschaffen, indem er die unbeschönigten Details der Beschreibung sozialen alltäglichen Milieus mit ebenso drastischen wie brutalen Mitteln zur Grundstruktur seiner Inszenierungen macht. In seinem Bemühen ist er durchaus mit Martin Scorsese oder Luis Buñuel vergleichbar, arbeitet wie sie vor allem mit extremen Bilden von Gewalt und Sexualität: »Sex als schnell konsumierbare Ware, Sex als grelle expressionistische Geste. Sex gibt es überall, im Fernsehen, in der Reklame für Parfüm oder für Butter, überall. Nur auf der Bühne will man den Sex nicht sehen. Man will die Oper als eine Art Paradies bewahren. Ich will die Leute aber berühren mit der Poesie der Gewalt, mit Sex, mit der historischen und politischen Situation in meinem Land.«
Während Bieito dem emotionalen Spektrum von Paarbeziehungen in der Entführung aus dem Serail nachgeht, denkt (und zeigt) er einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen emotionalem Hunger und zwischenmenschlicher Gewalt im Verhältnis der Geschlechter zueinander. Zugespitzt sind die Zustände und Machtverhältnisse in einem Bordell, wo Frauen wie Sklaven gehalten und behandelt werden.
»Was tun wir, wenn wir lieben. Was sind wir fähig zu tun für Liebe, in Liebe. Was ist Liebe heute, was ist heute Freiheit.« (Calixto Bieito)